ICE-Unglück bei Fulda Bahnaufsicht entlastet Betriebspersonal

Kleine Ermittlungsfortschritte zum ICE-Unglück bei Fulda: Das Eisenbahnbundesamt hat den Führer des Zuges entlastet, der kurz vor dem Unglückszug mit einem Schaf kollidierte. Er und der Fahrdienstleiter in Fulda hätten eine Warnung ausgegeben. Ob oder wo diese hängenblieb, ist nicht bekannt.


Fulda - Im Fall des schweren ICE-Unglücks im Landrückentunnel bei Fulda hat das Eisenbahnbundesamt zunächst keine Fehler des Bahn-Betriebspersonals festgestellt. Es seien keine Verstöße gegen die Fahrdienstvorschrift gefunden worden, sagte eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde und bestätigte damit Angaben der Staatsanwaltschaft vom Dienstag.

Der Triebwagenführer habe ordnungsgemäß eine Meldung an den Fahrdienstleiter abgegeben, als sein Zug mit einem Schaf kollidierte. Von Fulda aus sei die Warnung an die Betriebsleitzentrale in Frankfurt weitergegeben worden. Ob dort die Warnung ignoriert wurde oder ob der Führer des entgleisten ICE diese nicht beachtet hatte, ist unklar. "Dazu können wir aufgrund der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Fulda nichts sagen", sagte eine Sprecherin der DB Netz in Frankfurt. Auch Eisenbahnbundesamt und der Staatsanwaltschaft machen keine weiteren Angaben.

Der ICE von Hamburg nach München war am Samstagabend unmittelbar vor dem Nordportal des Landrückentunnels bei mehr als Tempo 200 in eine Schafherde gerast, entgleist und erst nach rund einem Kilometer zum Stehen gekommen. 19 Reisende wurden verletzt, vier von ihnen mit Knochenbrüchen und Platzwunden mittelschwer. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen den Schäfer, dessen Tiere vor dem Tunneleingang standen. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des fahrlässigen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt.

Die Bergungsarbeit gehen unterdessen weiter: Sechs Reisewagen wurden mit Spezialkränen und Dieselloks aus der Gleisröhre gezogen. Erst am Samstag rechnen die Einsatzkräfte mit dem Abschluss der Bergungsarbeiten. Anschließend würden die Reparaturarbeiten im Tunnel starten, sagte ein Bahn-Sprecher. Für den Verkehr bleibt der Streckenabschnitt gesperrt. Die Fahrtzeit des ICE von Hamburg nach München verlängert sich um 30 Minuten.

reh/dpa



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