ICE-Unglück bei Fulda Gutachter vermuten Hunde als Unfallursache

Für den ICE-Unfall im Landrückentunnel liegt ein Gutachten vor. Darin nennen Experten als wahrscheinlichste Ursache streunende Hunde. Die Tiere sollen die Schafe, die den Zug entgleisen ließen, auf die Gleise getrieben haben. Der Schäfer ist damit noch nicht entlastet.


Fulda - Ende April ist ein ICE im Landrückentunnel mit einer Schafherde kollidiert und entgleist. "Ein veterinärmedizinisches Gutachten nennt Hunde als wahrscheinlichste Ursache, warum die Schafe im Tunnel waren", bestätigte der Fuldaer Staatsanwalt Harry Wilke am Dienstag hr-Informationen. "Ob diese Version den Schäfer aber entlastet, ist noch nicht klar. Wir prüfen weiter, ob er seine Sicherungspflicht erfüllt hat."

Der ICE war in dem Tunnel in die Herde gefahren, die eigentlich auf einer nahe gelegenen Weide hätten eingepfercht sein sollen. "Ein Bachlauf war die Begrenzung der Weide, weil Schafe normalerweise nicht durch Wasser gehen. Offenbar haben streunende Hunde die Herde aber derart aufgeschreckt, dass die Tiere im Tunnel Schutz suchten." Das sei aber nur eine Theorie, wenn auch nach dem Gutachten die Wahrscheinlichste. Nach Wilkes Worten steht noch ein technisches Gutachten über den genauen Grund der Entgleisung aus.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Deutsche Bahn. Geprüft wird, ob die Bahn ihrer Unfallverhütungs- und Verkehrssicherungspflicht nachgekommen ist. Dabei geht es im Kern darum, was in der Betriebsleitzentrale in Frankfurt aus der Meldung eines Zugführers geworden ist, der kurz vor dem ICE Hamburg-München an dem Tunnel in entgegengesetzter Richtung mit einem Schaf kollidiert war.

Der ICE war am 26. April an der Einfahrt in den längsten Eisenbahntunnel Deutschlands mit Tempo 220 in die Schafherde des Landwirts gerast und entgleist. 19 Menschen wurden bei dem Unfall verletzt. Mehr als 20 Schafe wurden getötet. Es entstand Sachschaden in Millionenhöhe. Erst rund sieben Wochen später war der elf Kilometer lange Tunnel wieder zweigleisig befahrbar.

abl/dpa



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