ICE-Wartung Bahn kündigt Notfahrplan auch fürs Wochenende an

Die Überprüfung dauert länger als erwartet: Im ICE-Verkehr der Deutschen Bahn wird auch am kommenden Wochenende ein Notfahrplan gelten. Wann sämtliche Züge mit Neigetechnik wieder einsatzbereit sind, ist unklar - die Grünen kritisieren, dass die Bahn die Schuld von sich weist.


Halle - Eigentlich sollten ab Samstag die Züge wieder nach Plan verkehren. Doch bis dahin werde sich die Lage aber nicht normalisieren, sagte jetzt ein Bahnsprecher der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung": "So schnell wird es nicht gehen."

ICE-T mit Neigetechnik: Fast 70 Fahrzeuge werden derzeit überprüft.
AP

ICE-T mit Neigetechnik: Fast 70 Fahrzeuge werden derzeit überprüft.

Momentan werden auf den vier von dem Ausfall betroffenen ICE-T-Strecken zwei Drittel aller Verbindungen abgedeckt. "Wir werden versuchen, schnellstmöglich auch das letzte Drittel anzubieten", sagte der Sprecher. Es gebe aber keine Prognose darüber, wann wieder alle ICE-T-Neigetechnik-Züge im Einsatz seien.

Die Bahn hatte am Samstagmorgen fast 70 ICE-Fahrzeuge wegen aus ihrer Sicht unklarer Sicherheitsgarantien der Hersteller aus dem Verkehr gezogen. Bei ihnen werden nun die Achsen überprüft.

Die Grünen machen derweil die Deutsche Bahn mitverantwortlich für die Sicherheitsrisiken bei den ICE-Zügen. "Die ICE wurden gemeinsam mit der Bahnindustrie entwickelt und mit Zustimmung der Bahn so konstruiert, wie sie heute konstruiert sind", sagte Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann an diesem Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". Hinweise auf eventuell dauerhaft instabile Achsen gebe es seit einigen Jahren. Diese seien von der Deutschen Bahn ignoriert worden. Angesichts des Börsengangs seien "die Warnungen in den Wind geschlagen" worden.

Hermann forderte zudem im Streit um Boni für den Konzernvorstand einen Stopp von Sonderzahlungen, wenn der Börsengang vollzogen würde. "Es ist ärgerlich, dass ein Staatssekretär im Aufsichtsrat dem zugestimmt hat", sagte Hermann. Bahnchef Hartmut Mehdorn verdiene "das Zehnfache der Bundeskanzlerin", erläuterte Hermann. "Da ist ein Bonus nicht mehr nötig, egal zu was", fügte er hinzu.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Konzernvorstand für den vollzogenen Börsengang - unabhängig von der Höhe der Erlöse - ein millionenschweres Bonuspaket erhalten soll. Die Sonderzahlungen soll der Bahn-Aufsichtsrat bereits im Juni verabschiedet haben.

sto/AFP/ddp/AP



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