Impfung am Flughafen: Last-Minute-Schutz für Tropenreisende
Koffer gepackt, Impfschutz vergessen? Wer in die Tropen reist, muss sich schon Monate vor dem Abflug gegen Krankheiten wie Gelbfieber oder Hepatitis schützen. Last-Minute-Urlauber dagegen beugen oft gar nicht vor. Die meisten wissen nicht, dass sie sich sogar an manchen Airports impfen lassen können.
Weihnachten unterm Tannenbaum? Im ungemütlichen, deutschen Winter? Wer darauf keine Lust hat, packt Ende des Jahres seine Koffer und verzieht sich über Heiligabend und Silvester in den Urlaub. Beliebt sind im Dezember vor allem Reisen in die Tropen. Bei der Vorfreude auf Sonne, Strand und Kokosnuss zum Frühstück vergessen viele Urlauber, sich gegen Krankheiten wie Hepatitis oder Gelbfieber zu schützen: Rund zwei Drittel der Tropen-Touristen lassen sich nicht impfen, vor allem diejenigen, die kurzfristig buchen.
Spontan-Urlauber gehen nämlich davon aus, dass es für eine Impfung sowieso zu spät ist - und wissen nicht, dass die Vorsorge oft sogar noch am Flughafen möglich ist. Tropenmediziner raten zwar aus drei Gründen von Last-Minute-Impfungen ab: Aus ärztlicher Sicht sei in der Regel eine umfassende Beratung notwendig, außerdem setze die volle Wirkung des Impfstoffs erst nach Tagen ein, zudem seien bei einigen Impfungen Nebenwirkungen zu erwarten. Doch wenn die Zeit knapp ist, gilt: besser kurzfristige Immunisierung als gar kein Schutz.
Wer spät plant, der kann sich zum Beispiel noch gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Keuchhusten impfen lassen. Das gilt zumindest, wenn er schon einmal einen Schutz hatte, denn Auffrischungen sind umgehend wirksam. Die sogenannte Viererimpfung gehört zu den unbedingt empfohlenen Impfungen - selbst innerhalb Deutschlands - und ist zum Beispiel an den Flughäfen Frankfurt, München, Berlin und Düsseldorf erhältlich.
Das Gute daran: Sie ist mit verhältnismäßig wenigen Nebenwirkungen verbunden, die einem kurzfristig den Urlaub vermiesen könnten. Man kann sie sich also in der Regel auch in letzter Minute abholen. Der volle Impfschutz tritt allerdings erst bis zu 14 Tagen nach der Injektion in Kraft. "Die Impfung macht immer Sinn, wobei aus medizinischer Sicht natürlich eine zeitgerechte Planung von vier bis sechs Wochen vorher besser ist, falls doch einmal Nebenwirkungen auftreten", sagt Walter Gaber, leitender Arzt der Fraport AG am Frankfurter Flughafen.
Last-Minute-Impfung gegen Hepatitis
Eine der gefährlichsten Tropenkrankheiten ist Malaria. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 500 Personen daran; drei bis fünf von ihnen sterben. Grundsätzlich sollte man sich schon sechs bis acht Wochen vor der Reise über eine Malaria-Prophylaxe vom Facharzt beraten lassen. Doch auch hier gilt: Eine späte Vorbeugung ist besser als gar keine.
"Medikamentöse Malariaprophylaxe ist in Gebieten mit hoher Malaria-Wahrscheinlichkeit dringend zu empfehlen, weil es sich um eine sehr ernst zu nehmende Tropenkrankheit handelt", sagt Nikolaus Frühwein, Facharzt für Allgemein- und Tropenmedizin in München. "Neben bekannten Präparaten wie Lariam und Mitteln mit dem Wirkstoff Doxicyclin gibt es mittlerweile auch relativ gut verträgliche Medikamente wie zum Beispiel Malarone."
Auch gegen die Leberinfektion Hepatitis A, die sich Tropenreisende beim Konsum von verschmutztem Trinkwasser und ungeschältem Obst einfangen können, ist eine Impfung in letzter Minute möglich. Der Erreger hat eine lange Inkubationszeit - erst nach sechs Wochen bricht die Krankheit aus -, so dass man sich im Fall eines spontanen Urlaubs zumindest die erste von zwei Spritzen vor dem Abflug abholen sollte. Bereits eine Woche nach der ersten Injektion tritt 95-prozentiger Impfschutz ein. Die zweite Spritze sollte man sich dann nach ein bis sechs Monaten geben lassen.
Schwieriger ist es bei Hepatitis B. Hier sind drei Injektionen innerhalb von sechs Monaten erforderlich, die ersten beiden im Abstand von mindestens vier Wochen vor der Reise. Mittlerweile kann man sich mit dem Impfstoff Twinrix auch gegen Hepatitis A und B gleichzeitig schützen. Hier sollten ebenfalls zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen vor Abflug erfolgt sein.
Wer nach Afrika, Asien oder ins tropische Südamerika reist, der kann sich auch in letzter Minute gegen Gelbfieber impfen lassen. Allerdings muss die Immunisierung von einer autorisierten Impfstelle durchgeführt werden, die es nicht überall gibt. Am Flughafen ist sie oft nicht mehr möglich. Dazu kommt, dass die Impfung erst nach zehn Tagen ihren vollen Schutz entfaltet. Außerdem treten nach der Impfung häufig grippeähnliche Symptome auf.
Wer öfter in die Ferne fliegt, der sollte sich übrigens nicht jedes Mal in letzter Minute impfen lassen. Denn gegen die meisten Tropenkrankheiten können sich Urlauber auch langfristig schützen. Die Impfungen gegen Polio, Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten beispielsweise halten sieben bis zehn Jahre lang, der Gelbfieber-Schutz zehn Jahre. Auch gegen Hepatitis A und B können sich Menschen mit chronischem Fernweh langfristig immunisieren: Die Auffrischung ist ebenfalls erst nach zehn Jahren fällig.
Fabian von Poser, SRT
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- Donnerstag, 15.12.2011 – 12:40 Uhr
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