Innovative Bahn Handy-Display wird zum Ticket

Viele Handy-Besitzer machen sich im Zug dadurch bemerkbar, dass sie ihre Umgebung mit lautstarken Gesprächen unterhalten. Doch das Mobiltelefon lässt sich auch sinnvoller einsetzen: Ab sofort können Bahnfahrer ihr Handy als Fahrkarte benutzen.


Berlin - Bahnkunden können ihre Fahrkarte ab sofort auch auf das Handy bestellen. Das Ticket bekommen Bahnreisende dann in Form eines sogenannten 2D-Barcodes via MMS (Multi Media Message) geschickt, erklärt Stephan Kahl vom Branchenverband Bitkom in Berlin. Dieser Code wird dann vom Schaffner wie bei einem Online-Ticket vom Handy-Bildschirm gescannt. Die neue Form des Tickets kann bis zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges bestellt werden. Auch viele Nahverkehrsbetriebe wollen noch in diesem Jahr Handy-Tickets anbieten. In Köln ist das seit 2004 möglich.

Kommunikation zwischen Handy und Scanner: Ticket per 2D-Barcode
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Kommunikation zwischen Handy und Scanner: Ticket per 2D-Barcode

Der Weg zum papierlosen Handy-Ticket führt über das Online-Portal der Bahn, dort müssen sich die Reisenden zunächst für den Service anmelden. Wer bereits im Buchungssystem registriert ist, kann das in dem persönlichen Benutzerkonto tun. Zur eigenen Handynummer wird eine persönliche Geheimnummer (PIN) definiert. Um dann eine Bahnfahrkarte mit dem Handy zu buchen, muss mit dem Handy eine Internetverbindung zu http://mobile.bahn.de herstellen. Unter dem Menü-Punkt "Auskunft" können dann Tickets, aber auch Sitzplatzreservierungen mit Hilfe der vorher definierten PIN gebucht werden.

Bezahlt wird via Lastschriftverfahren oder Kreditkarte. Danach bekommen die Kunden das Ticket via MMS zugeschickt, außerdem wird eine Bestätigung via E-Mail verschickt. Handy-Tickets der Bahn sind allerdings sind nicht erhältlich für Aktionspreise, für die Sparpreise 25 und 50 oder für Fahrten innerhalb von Verkehrsverbünden.

Was passiert, wenn die Technik spinnt?

So weit so einfach. Zwar rät die Bahn, vorher auszuprobieren, ob das Handy MMS empfangen kann. Dazu müssen sich Bahnreisende einloggen, dann können sie sich eine Test-MMS schicken lassen. Aber was passiert, wenn überraschenderweise der Akku seinen Geist aushaucht, bevor der Schaffner kontrollieren konnte? Oder wenn die MMS aus anderen Gründen nicht ihr Ziel erreicht? Dann muss der Kunde im Zug eine Fahrkarte nachlösen, erklärt eine Bahnsprecherin. Die wird innerhalb von einem Jahr gegen die übliche Storno-Gebühr von 15 Euro zurückerstattet, sobald die via Handy gebuchte Fahrkarte vorgelegt wird. Nachweise über korrekt gebuchte Fahrscheine seien immer im Online-Account des Kunden abrufbar.

Das hilft auch, wenn der MMS- und damit Ticket-lose Bahnfahrer keine Kreditkarte oder nicht genügend Bargeld dabei hat, um die Fahrkarte im Zug zu kaufen. Dann wird zunächst eine Fahrpreisnacherhebung über den doppelten Fahrpreis ausgestellt, die aber nicht bezahlt werden muss, wenn der Handy-Ticket-Kunde binnen 14 Tagen den Nachweis für die Buchung nachreicht. In diesem Sonderfall wird lediglich eine Gebühr von sieben Euro fällig.

Handy-Tickets auch im Nahverkehr

Bei allen Handy-Fahrkartensystemen sollten die Nutzer darauf achten, dass die Rufnummer nicht unterdrückt wird, sagt Bitkom-Sprecher Kahl. Bis zum Jahresende könnten Handy-Fahrkarten auch im Nahverkehr in vielen deutschen Städten, unter anderem in Frankfurt, Hamburg, Essen und Düsseldorf, gekauft werden. In Köln werden Tickets schon seit 2004 in einem Testbetrieb verkauft.

Die Betriebe haben allerdings sehr unterschiedliche Systeme, sagt Kahl. Fast immer sei eine Registrierung auf der Homepage des Verkehrsunternehmens nötig. Danach werde entweder eine MMS mit Barcode oder eine einfach SMS mit einem Code verschickt, mit dessen Hilfe Kontrolleure erkennen können, für welche Zeit und welche Strecke das Ticket gilt. Zum Teil müsse auch eine kleine Software installiert werden, mit deren Hilfe die Fahrkarte auf das Handy gespielt wird. Auch die Bezahlmöglichkeiten variieren laut Kahl und reichen von Guthabenkonten, über Lastschriftverfahren bis hin zu Kreditkartenzahlung.

abl/gms



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