Geschenk an 18-Jährige EU-Kommission spendiert zwölf Millionen Euro für Interrail-Tickets

Die EU-Kommission will Jugendlichen zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket schenken. Zwölf Millionen Euro stehen nun dafür bereit - nur wer die Gratisfahrkarte bekommen soll, ist unklar.

Unterwegs mit Interrail-Ticket
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Unterwegs mit Interrail-Ticket


Bis zu 30.000 junge Leute sollen bald mit von der EU bezahlten Interrail-Tickets quer durch Europa reisen können. Die EU-Kommission habe die Bereitstellung von zwölf Millionen Euro für 2018 gebilligt, teilte ein Sprecher in Brüssel mit. Diese Summe sei dafür im EU-Haushalt 2018 vorgesehen. Wie das Projekt konkret umgesetzt wird, steht aber noch nicht fest.

Die Pläne gehen zurück auf einen Vorschlag des Europäischen Parlaments, allen Europäern zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket zu schenken. Mit einem Interrail-Ticket kann man für einige Wochen mit der Bahn durch Europa fahren.

Nach Angaben aus EU-Kreisen ist bislang geplant, dass sich alle im Jahr 2000 geborenen EU-Bürger auf einem Internetportal für Tickets bewerben können. Weil sich wahrscheinlich deutlich mehr Leute melden, als Tickets bezahlt werden können, werde wohl eine Auswahl getroffen.

Wie dies geschieht, steht den Angaben nach noch nicht fest. Wollte die EU jedem Bürger, der gerade 18 geworden ist, ein Interrail-Ticket kaufen, lägen die Kosten Schätzungen zufolge bei mehr als einer Milliarde Euro.

Im Sommer sollen die ersten Teilnehmer reisen, erwartete die Kommission. Sie plant eine öffentliche Kampagne, um junge Europäer, die 18 werden, auf das kostenlose Interrail-Ticket hinzuweisen. Die jungen Leute sollten auf ihren Reisen Europa und seine vielfältigen Kulturen kennenlernen. Die Kommission erhofft sich eine Stärkung der europäischen Identität und Werte.

Zwischenzeitlich abmoderiert

Zwischenzeitlich sah es aus, als ob die Idee von Manfred Weber gescheitert sei. Der CSU-Europapolitiker hatte im September 2016 den Freifahrtschein zum Erkunden Europas vorgeschlagen und damit den Vorschlag zweier Berliner Aktivisten aufgegriffen.

Kurz nach dem britischen Brexit-Votum schien die Idee verlockend, sie stieß quer über alle Fraktionen auf ein positives Echo. Das Europäische Parlament verabschiedete daraufhin eine entsprechende Erklärung.

Im März 2017 sagte eine Sprecherin der EU-Kommission, das zur Verfügung stehende Budget liege nur bei 2,5 Millionen Euro. Zudem befürchtete die Kommission einen großen bürokratischen Aufwand für das Gratisticket, da jedes Land ein anderes Buchungssystem hat.

Statt eines Interrail-Tickets für alle hat die Behörde daher vor einem Jahr ein kleines Programm mit Reisekostenzuschüssen für 5000 bis 7000 Schüler angeboten - anlässlich des 30. Jahrestags des europäischen Studentenaustauschprogramms Erasmus. Ausgewählte Schüler ab 16 Jahren bekamen bis zu 530 Euro für eine Reise in ein anderes EU-Land zwischen August 2017 und Dezember 2018.

abl/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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Newspeak 01.03.2018
1. ...
Was eine grossartige Aktion fuer Europa haette sein koennen, ist am Ende schlechte PR, weil man zu knauserig ist. Fuer Bankenrettungen sind Milliarden da, aber nicht fuer Europas Jugend. DAS ist die klare Aussage. Das sind die Prioritaeten der Kommissare in Bruessel.
Braveheart Jr. 01.03.2018
2. Ich vermute mal ...
... es wird Länderkontingente geben. Die werden dann bis zu den Bürgermeistern durchgereicht ... und was das in Italien, Griechenland, oder auf dem Balkan bedeutet, kann sich jeder vorstellen. Hatten wir sowas nicht schon bei diversen Fußball- und sonstigen Meisterschaften?
stiller_denker 01.03.2018
3. Super Klasse
Das habe ich damals in den Sommerferien auch mal mit Freunden gemacht. Mit Zeiten und Campingkocher getourt. Wenn es geregnet hat, haben wir uns für die folgende Nacht einfach eine möglichst lange Zugfahrt gesucht. Alles ohne Handy und wir sind trotzdem angekommen. Da gab es in jedem kleinen Ort noch nen Fahrkartenverkauf mit Personal. Und nen Kiosk mit Stadtpläne für 1,95 DM. Herrlich.
PriseSalz 01.03.2018
4. Polemik
Ich bin ja eigentlich für sachliche Diskussionen ohne Polemik, aber muss hier doch mal in die Kiste langen... Wetten das bald jemand klagt wegen Benachteiligung (Geburtstermin als Kriterium? Geht gar nicht). Rassismus (warum nur EU-Bürger und keine Asylbewerber?). Ansonsten netter Zug des EU-Parlamentes, könnte viele Jugendlich auf Europäische Gedanken bringen. Aber warum so wenig Geld?
taglöhner 01.03.2018
5. Bitte für alle
Eine wunderbare Idee, aber halbherzig. Ich würde favorisieren eine angemessene Eigenbeteiligung (Schutzgebühr) zu fordern, aber allen die Möglichkeit zu öffnen. Eine bessere Investition in die Zukunft der EU kann man sich kaum vorstellen.
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