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Istanbul-Attentat: Alle deutschen Opfer waren mit gleichem Veranstalter unterwegs

Lebenslust-Chef Marco Scherer: "Die Ereignisse machen uns tief betroffen" Zur Großansicht
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Lebenslust-Chef Marco Scherer: "Die Ereignisse machen uns tief betroffen"

Schwerer Schlag für ein kleines Berliner Reiseunternehmen: Alle deutschen Toten und Verletzten der Terrorattacke in Istanbul waren mit der Lebenslust Touristik GmbH unterwegs. Nun muss der Veranstalter auf Krisenmanagement umschalten.

Inselhüpfen auf den Balearen, Kur-Urlaub in Andalusien, eine Busreise durch Schlesien: Die Reisen der Firma Lebenslust Touristik GmbH führen meistens nicht zu Zielen, die als nur ansatzweise riskant oder gefährlich gelten. Und doch hat der Anschlag in Istanbul nun ausgerechnet eine Gruppe des Berliner Veranstalters getroffen.

Sämtliche zehn beim Terroranschlag in Istanbul getöteten deutschen Touristen hatten dort gebucht. Sieben weitere Mitglieder der Gruppe seien verletzt worden, sagte Lebenslust-Sprecher Jörg Manthei.

Sie waren Teilnehmer einer Dreiländertour, die in die türkische Millionenstadt, nach Dubai und Abu Dhabi führen sollte. Insgesamt 33 Menschen hatten die Reise gebucht. Am Montagabend waren sie in Istanbul gelandet, am Dienstagvormittag besuchten viele von ihnen die Wahrzeichen der Stadt. Zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee wurde das Sprengstoffattentat verübt.

Lebenslust hat ein Büro mit 20 Beschäftigten am Michaelkirchplatz im Berliner Stadtteil Mitte sowie eine Niederlassung in Frankfurt am Main. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von knapp 13 Millionen Euro. Zielgruppe sind laut eigenen Angaben "reiselustige Leute in den besten Jahren, die gerne im Kreise Gleichgesinnter verreisen", womit wohl hauptsächlich Menschen über 50 Jahren gemeint sind. Immer sind deutschsprachige Begleiter dabei.

Seelsorger im Einsatz

Die Türkei steht nun vorerst nicht mehr im Programm der Webseite. "Die schrecklichen Ereignisse des heutigen Tages machen uns tief betroffen", sagte der Geschäftsführer des Reiseveranstalters, Marco Scherer, bereits am Dienstagabend. Zwei Mitglieder der Geschäftsführung sowie ein dreiköpfiges Hilfeteam wurden nach Istanbul geschickt. Seelsorger sowohl aus Deutschland als auch aus der Türkei kümmern sich um die Touristen vor Ort.

Der Veranstalter bietet an, dass alle Kunden kostenfrei stornieren können, die eine Reise nach Istanbul mit Beginn bis zum 31. Januar gebucht haben. Für die Istanbul-Reisegruppe organisiert das Unternehmen nach eigenen Angaben Flüge für die Rückreise nach Deutschland sowie Reisen von Angehörigen nach Istanbul. Einige Teilnehmer wollen demnach aber auch nach Dubai weiterreisen. Für Angehörige der Opfer wurde eine Hotline unter 030-880013039 eingerichtet.

Bei dem Anschlag in Istanbul hatte sich am Dienstag ein Selbstmordattentäter nahe der Blauen Moschee in die Luft gesprengt. Dabei riss er zehn Deutsche mit in den Tod - zunächst hatte die deutsche Regierung von acht getöteten Bundesbürgern gesprochen. Sieben deutsche Verletzte würden noch in Krankenhäusern behandelt, davon fünf auf der Intensivstation, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Video: Türkischer Geheimdienst warnte vor Anschlag

DPA

sto/dpa/AFP

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1. Korrektur
insideoutside 13.01.2016
Der Michaelkirchplatz liegt im Bezirk Mitte. Mein Beileid an meine Mitbürger. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.
2.
querulant_99 13.01.2016
Ich denke, dem Attentäter war der Reiseveranstalter völlig egal. Es hätte genauso gut eine Gruppe von Neckermännern treffen können.
3. Es darf kommentiert werden
amdorf 13.01.2016
Ich war 1997 in Istanbul, ausser das der Bus der Reisegesellschaft einen Unfall gebaut hat, ist nichts oassiert. Die Stadt hat mir gut gefallen und mit türkischen Freunden wollte ich dieses Jahr dorthin, weil es im letzten Jahr nicht geklapot hat. Ohne Rassismus möchte ich alles in Zukunft vermeiden, welches mit dem Islam zu tun hat. Es ist mir zu gefährlich. Unsere Bundesregierung sollte die Bundeswehr vom IS Einsatz zurückziehen. Dabei können wir nur verlieren. Wir sollten den allgemeinen Wehrdienst wieder einführen und sie im Inland und an unseren Grenzen einsetzen. Der deutsche ystaat muss die Oberhoheit über die öffentliche ysicherheit und Ordnung zurückgewinnen. Das Erdogan nach vielen friedlichen Jahren die PKK angegriffen und den IS hoffiert hat, rächt sich jetzt. Gewalt erzeugt Gegengewalt, das ist eine alte Weisheit, die sich immer wieder aufs Neue bewahrheitet.
4. Kein Mensch
hatschon 14.01.2016
Der bei Verstand ist sollte in die Türkei fahren . Da ist Krieg und das ist kein Spaß .
5.
iimzip 15.01.2016
"Kein Mensch (hatschon 14.1.16, 18:43 Uhr) Der bei Verstand ist sollte in die Türkei fahren. Da ist Krieg und das ist kein Spaß." Krieg ist nie Spass. Der (nicht der Spass) herrscht aber in Syrien und nicht ein paar 100 km nördlich: Habe unsere Türkeireise vor einigen Wochen gebucht und werde auch ganz normal fahren - die Pappnasen vom selbsternannten Staat können mich mal. Die können noch soviel bomben, bis ihnen der Nachschub/-wuchs ausgeht - wir sind die Mehreren. Und mit den 72 Jungfrauen können sie anschliessend eh nix mehr anfangen. Wie man in Jakarta sieht, wird die Trefferquote auch immer lausiger: 5 tote Terroristen für 2 Tote Zufallsopfer (vermutlich beide Moslems). Was habe ich also zu befürchten? - Und @spon: War es eigentlich nötig, den Veranstalter zu nennen und dessen Standort? Von der BLÖD erwarten deren Leser sowas, aber hier sieht es eher nach "Herr Lehrer, ich weiss was" aus. Genauso wie (wenn es nach mir ginge) bei keinem einzigen Terroranschlag der Name der dahinterstehenden Organisation genannt werden dürfte: Sollen die sich doch schwarz ärgern, dass sie nirgends erwähnt werden, statt sich Kerben in den Colt ritzen zu können für jede Namensnennung...
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