ITB und Berlin Travel Festival Fünf Trends des Urlaubsjahres 2018

Welche Reiseziele sind am beliebtesten? Was bewegt die Branche? Auf der Internationalen Tourismusmesse in Berlin werden vor allem fünf Trends diskutiert.

DPA

Fünf Tage lang verwandelt sich das winterliche Berliner Messegelände in einen Treffpunkt der Kulturen der Welt: Aus 186 Ländern und Regionen reisen mehr als 10.000 Aussteller in die deutsche Hauptstadt, um sich auf der größten Reisemesse der Welt zu präsentieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet am Abend die 52. Internationale Tourismusmesse (ITB), die ab Mittwoch für das Fachpublikum und am Wochenende auch für Privatbesucher zugänglich ist.

Wir stellen die wichtigsten Urlaubtrends 2018 vor:

Trend eins: Die Lieblingsziele der deutschen Urlauber

Ägypten und die Türkei sind im Aufwind, Griechenland boomt weiter. Dafür lässt der extreme Ansturm auf den Allzeit-Favoriten Spanien etwas nach, und die USA gehören zu den Verlierern 2018. Das sind die Botschaften, die Veranstalter und Destinationen im Vorfeld der ITB verkünden.

Für die deutsche Tourismusbranche insgesamt gilt: Die Nachfrage ist riesig, die Deutschen sind in Reiselaune. Schon 2017 gaben sie mit 91 Milliarden Euro 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr für Reisen in In- und Ausland aus, davon knapp 34 Milliarden Euro und acht Prozent mehr für Pauschalreisen. Auch in diesem Jahr rechnen die Veranstalter laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) nach einem relativ schwachem Vorjahr mit einem ähnlichen Plus - angetrieben wird der Umsatz vor allem durch die Nachfrage nach Kreuzfahrten und Auslandsreisen.

Besonders der größte Aussteller der ITB, die Türkei, zieht die Aufmerksamkeit der Branche auf sich. Die Sommerbuchungen für das Land verdoppelten sich nach Daten der Konsumforscher GfK gegenüber dem Vorjahr. 2016 hatten der Anschlag in Istanbul und der Putschversuch gegen die Regierung Urlauber abgeschreckt.

Nach der absoluten Buchungszahl habe das Land aber noch nicht das Niveau von 2015 erreicht, erklärte GfK-Reiseexpertin Dörte Nordbeck. Hier habe Griechenland die Nase vorn, das ein Buchungsplus von 40 Prozent verzeichne. Schon 2017 hat das Land einen Rekord bei den Gästezahlen sowie Einnahmen erzielt, dabei kamen die meisten der gut 27 Millionen Urlauber aus Deutschland.

Wie in der Türkei ist die Politik auch der Grund für sinkendes Interesse an den USA: Nach einem Minus von 17 Prozent im vergangenen Jahr, lagen die Buchungen 2018 ein Fünftel unter Vorjahr. "Das hat womöglich mit dem sogenannten Trump-Effekt zu tun", sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverband (DRV). Das werde sich aber normalisieren.

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ITB und Berlin Travel Festival: Besuch aus der ganzen Welt

Trend zwei: Nummer eins bleibt Deutschland

Trotz Spanien-, Türkei- und Griechenland-Liebe - das eigene Land bleibt bei den Deutschen Urlaubsziel Nummer eins. Wie jedes Jahr werden die Bundesbürger mehr als 30 Prozent ihrer Reisen zwischen Nordsee und Alpen verbringen - am liebsten in Bayern und Baden-Württemberg. Nahezu alle Bundesländer konnten 2017 laut DRV Zuwächse verzeichnen - einzig Mecklenburg-Vorpommern musste Einbußen von 1,8 Prozent verkraften.

Mecklenburg-Vorpommern ist in diesem Jahr als erstes deutsches Bundesland Partnerland der ITB - nach so exotischen Zielen wie Botswana oder den Malediven. Auf der Messe werden die Nordlichter durch etwa hundert Strandkörbe erkennbar sein, die sie überall auf dem Gelände aufstellen. In selbstironischen Werbefilmen treten der Kabarettist Michael Haubold zusammen mit den Schauspielern Anneke Kim Sarnau und Hinnerk Schönemann auf.

Jahrelang war der Tourismus im Nordosten quasi ein Selbstläufer mit stetig steigenden Übernachtungszahlen. Doch Baustellen gibt es inzwischen viele - nicht nur die kaputte Autobahn 20 bei Tribsees. Überhaupt ist die Erreichbarkeit - auch per Bahn, Flugzeug oder Bus - ein Problem. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) beklagt zudem den Zustand der vier wichtigen Radfernwege: Vom 2016 getroffenen Beschluss, das Bundesland 2018 zu einem Radwanderland zu machen, sei man weit entfernt.

Trend drei: Digitalisierung verändert das Reisen

Der gesellschaftliche Megatrend der Digitalisierung verändert auch das Reisen. "Das beginnt bei der Buchung einer Reise vom Sofa aus, geht weiter über den Wunsch nach WLAN im Flieger und Hotel bis hin zu Bewertungen über den Urlaub, wenn man wieder zu Hause ist", sagt Martin Buck von der Messe Berlin, der die ITB verantwortet. Und das sind noch einfache Beispiele. Chatbots, virtuelle Sprachassistenten, smarte Hotels: All dies wird den Urlaub weiter verändern.

Aus Urlaubersicht klingt der Begriff Digitalisierung reichlich abstrakt, sagt Torsten Kirstges, Tourismusforscher von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Dennoch gebe es viel Potenzial für digitale Anwendungen, vor allem im Urlaub selbst. Dort sucht der Gast zum Beispiel punktgenaue Empfehlungen für das nächste Restaurant. Apps helfen da schon jetzt.

"Aber da lässt sich noch viel optimieren", sagt Kirstges. Reiseveranstalter könnten viele Gimmicks clever nutzen, um mit ihren Gästen während der Reise in Kontakt zu bleiben. "Da wird dran gearbeitet." Aber vieles funktioniere von der Handhabung her noch nicht so gut. Wie werden wir in Zukunft unsere Urlaube buchen und wo ist Platz für Reiseanbieter? Das sind Themen rund um die Digitalisierung, über die die Branche auf der ITB diskutiert.

Trend vier: Zu viel ist zu viel - der Overtourismus

Nach Terrorgefahr und Sicherheitsbedenken rückt ein neues Problem in den Fokus: In Europas Metropolen wie Amsterdam, Barcelona und Venedig, aber auch auf Mallorca wird es mit dem Massentourismus einfach zu viel.

"Wenn die Einwohner von Touristen aus der Stadt verdrängt werden, weil für sie der Wohnraum unbezahlbar wird, oder wenn Touristen einer Stadt, einem Dorf oder einer Region durch ihr Verhalten praktisch ihre Identität zerstören, dann läuft definitiv etwas falsch", sagt eine DER-Touristik-Sprecherin. Das Schlagwort: Overtourism.

Keine externen Faktoren verderben die Reisefreude - der Urlauber selbst wird zum Störfaktor. Einheimische forderten bereits: "Tourists go home!" Selbst Schönwetter-Reiseformen wie die Kreuzfahrt stehen in der Kritik, weil Ziele wie Dubrovnik oder Venedig von den Landausflüglern überfordert sind. "Das Problem ist ernst", sagt Martin Buck von der Messe Berlin. Die Tragfähigkeit von Umwelt, Gesellschaft und Infrastruktur habe natürliche Grenzen.

Andererseits schaffe Tourismus Arbeitsplätze und trage zur Erhaltung der Infrastruktur vor Ort bei, sagt die DER-Touristik-Sprecherin. "Touristensteuerung" wird daher nötig - etwa durch Kontingente, Gebührenmodelle und eine Erweiterung der Saisonzeiten. Doch das ist alles nicht so leicht. Die große Frage ist: "Wie kann man regulativ eingreifen, ohne die Touristen zu vergraulen?", sagt Buck.

Trend fünf: Berlin Travel Festival für Millennials

Während auf der ITB auf dem Messegelände Geschäfte getätigt werden, will eine erstmalig stattfindende Veranstaltung mit den Urlaubern das Reisen feiern: Das Berlin Travel Festival, das mit der ITB kooperiert, eröffnet am Freitag in der Arena in Kreuzberg und möchte bis Sonntag mit Ausstellern und über hundert Workshops, Filmen und Präsentationen die Lust am Reisen wecken. 80 Vortragende erzählen von ihren Abenteuern, aber auch über Meeresschutz, nachhaltiges Reisen oder Reisen mit Behinderung.

Ansprechen will die Veranstaltung die "neue Generation Reisende", sagt Bernd Neff, Geschäftsführer des Festivals dem SPIEGEL. Das seien "Leute zwischen 20 und Mitte 40, auf deren Reisen sich das Berufliche mit dem Privaten vermischt. Sie reisen viel öfter und kürzer und auf eine Art, die kein Mainstream ist, sondern sehr individualisiert".

In den vergangenen zehn Jahren habe sich das Thema Reisebuchung und -information komplett in die Onlinewelt verlegt, sagt Neff. Die Suche auf Portalen und in sozialen Medien würde viel am Ende frustriert zurücklassen: "Das Erlebnis und das Schöne der Reisevorbereitung geht in der digitalen Welt verloren." Das Festival will wieder eine Forum bieten, auf dem sich die Millennials informieren, aber auch austauschen können.

Service: ITB und Berlin Travel Festival 2018
Berlin Travel Festival (9. bis 11. März)
Ort: Arena Berlin, Eichenstraße 4, 12435 Berlin
Öffnungszeiten: Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 19 Uhr
Eintritt: Festival Pass (ein Tag ITB, jeden Tag Travel Festival) für 25 bis 38 Euro, Day Ticket (Samstag oder Sonntag) für 13,50 bis 20 Euro, Evening Ticket (eine Abendveranstaltung) für 8 bis 12 Euro. ITB-Fachbesucher haben freien Eintritt, ITB-Privatbesuchertickets gelten Samstag nach 18 Uhr und Sonntag nach 16 Uhr
Internationale Tourismusmesse Berlin (ITB) (7. bis 11 März )
Ort: Messe Berlin
Öffnungszeiten: für Fachbesucher: 7. bis 11. März, 10 bis 18 Uhr; für private Besucher: 10. und 11. März, 10 bis 18 Uhr
Eintritt: für private Besucher 15 Euro pro Tag, 12 Euro vorab im Internet, 8 Euro für Schüler und Studenten, 8 Euro für alle am Sonntag ab 14 Uhr, kostenlos für Kinder unter 14 Jahren in Begleitung Erwachsener. Für Fachbesucher: vorab im Internet 42 Euro pro Tag und 60 Euro für alle Tage; auf der Messe 62 Euro pro Tag und 90 Euro für alle Tage.

abl/dpa/Reuters

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Seite 1
Holger Ehrsam 06.03.2018
1. Peru ist wieder stark vertreten
Machu Picchu hat sich schon als besondere Destination herumgesprochen. Peru hat viel mehr zu bieten zum Beispiel eine Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas oder sich in Lima in einen der Gourmet-Restaurants verwöhnen lassen.
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