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Jagdtourismus in Norwegen: Baby-Robbe frei zum Abschuss

Jedes Frühjahr erneut beginnt in Norwegen die Jagd auf Seehunde und Kegelrobben. Hunderte der Tiere werden von den heimischen Jägern erlegt, doch die Quote erfüllen sie nicht. Daher bieten norwegische Reiseveranstalter nun die Robbenjagd für Touristen an - zum Entsetzen der Tierschützer.

Seehund: Touristen haben Lizenz zum Töten
DPA

Seehund: Touristen haben Lizenz zum Töten

Neben Elch-, Hirsch- und Antilopenkopf können Urlaubsjäger auch bald Robbenköpfe, vielleicht sogar einen Baby-Seehundkopf, an die Wände ihres Trophäenraumes nageln. Seit Beginn des Jahres hat die norwegische Regierung den Abschuss von Seehunden und Kegelrobben an den Küsten des Landes auch für ausländische Schützen freigegeben. Bisher war dies nur den heimischen Jägern erlaubt, die jedoch die jährliche Quote von 2000 Küstenrobben selten erfüllt haben.

Getötet werden sowohl ältere Robben als auch die jungen, die erst einige Monate alt sind. "Baby-Robben zu töten ist die einfachste Sache, die du machen kannst, wenn du sadistisch veranlagt bist", sagte Paul Watson von der Organisation Sea Shepherd der Online-Ausgabe des "Observer", "man kann es wirklich nicht Sport nennen - das Tier ist völlig wehrlos." Die Tierschützer befürchten, dass Touristen vor allem die Jungtiere aufs Korn nehmen.

Wenn die Jagd im nächsten Frühjahr erneut startet, dürfen ausländische Jäger nur innerhalb organisierter Touren teilnehmen. Bisher ist laut der norwegischen Zeitung "Aftenposten" noch unklar, ob die Touristen einen Schießprüfung bestehen müssen, bevor sie die Jagdlizenz erhalten. Norwegische Reiseunternehmen haben Urlaube für erfahrene Jäger und Anfänger inzwischen in ihr Programm aufgenommen, berichtet der "Observer".

So biete NorSafari im Internet Trips ab 1400 Norwegische Kronen (rund 170 Euro) für einen Jagdtag und den garantierten Abschuss von einem Seehund bis 8200 Kronen (rund 990 Euro) für vier Tage und zwei Tiere an, pro extra getötetem Tier fallen 500 Kronen (rund 60 Kronen) an. Falls die enttäuschten Jäger ihre garantierte Quote nicht erreichen, erhalten sie bei manchen Angeboten sogar eine Rückzahlung.

"Wir garantieren, dass Sie Ihre Jagd nicht so schnell vergessen werden", wirbt ein anderes Unternehmen, Polar Events, laut "The Observer". "Die professionellen Jäger benutzen Schlagstöcke, um die Robben zu töten, doch wir geben den Touristen Gewehre für die Jagd", sagt Polar-Events-Chef Kjetil Kristoffersen: "Die Robbenjagd ist seit Tausenden von Jahren Tradition in Norwegen und ist Teil unserer Kultur. Wir wollen, dass Leute herkommen, die an der Jagd interessiert sind und nicht einfach nur Tiere schießen wollen."

Schon vor drei Jahren hatte der norwegische Fischereiminister Svein Ludvigsen die Jagd auf Robben als spektakuläres Ferienerlebnis für Touristen angeregt. Die Freigabe im Januar, verbunden mit der Hoffnung auf höhere Abschussquoten, erfolgte auf Druck der Fischer, die argumentieren, dass die Robben Fischzuchtanlagen und Netze zerstören und Parasiten übertragen, die Fischfleisch ungenießbar machen, und die Fischbestände gefährden. Dieser Zusammenhang sei nie bewiesen worden, widerspricht jedoch Maren Esmark vom norwegischen WWF. Andere sehen die Schuld an den reduzierten Fischbeständen in der Überfischung.

Wenn viele Norweger auch die Empörung von Tierschützern über das Abschlachten der Robben nicht nachvollziehen können, so sorgen sie sich um etwas anderes: Letzte Woche äußerten Minister die Befürchtung, dass das neue Urlaubsangebot das Image des Landes bei einem Großteil der Touristen beschädigen könne.

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