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Jarawa-Volk in Indien: Tanzvideo von indigenen Frauen empört Menschenrechtler

Nur gut 400 Mitglieder hat der Jarawa-Stamm in Indien - das macht seine Mitglieder interessant für Schaulustige aus dem Ausland. Offiziell ist es verboten, Bilder von den Dschungelbewohnern zu machen. Doch viele halten sich nicht daran, wie ein geschmackloses Touristenvideo beweist.

Delhi - Die Frauen vom Volk der Jarawa auf den abgelegenen indischen Andamanen-Inseln tanzen für Touristen und erhalten dafür Lebensmittel: Ein Video mit diesen Szenen hat helle Empörung ausgelöst. Das von einem Touristen aufgenommene Video wurde auf der Internetseite der britischen Zeitung "The Observer" veröffentlicht. Die Tanzdarbietung der zum Teil nackten Frauen soll durch Schmiergeld an einen Polizisten ermöglicht worden sein.

Die Organisation Survival International, die sich für den Schutz indigener Völker einsetzt, sprach von einem "Menschenzoo", der den Touristen offenbar gefalle. "Die Jarawa sind keine Zirkuspferde, die auf Befehl Kunststücke aufführen müssen", sagte Stephen Corry, Direktor von Survival International. Seine Organisation hatte vor einigen Monaten mehreren indischen Reiseveranstaltern vorgeworfen, "Menschensafaris" zu organisieren. "Diese Geschichte stinkt nach Kolonialismus und den abscheulichen und erniedrigenden Menschenschauen der Vergangenheit. Offensichtlich hat sich die Meinung einiger Menschen gegenüber indigenen Völkern kein bisschen verändert."

Gemäß der indischen Gesetzgebung zum Schutz indigener Völker ist es verboten, die Jarawa zu filmen oder Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Immer wieder verstoßen Touristen jedoch gegen diese Regel. Der Minister für indigene Völker, Kishore Chandra Deo, bezeichnete den Vorfall am Mittwoch als "widerlich". Das indische Innenministerium forderte einen Bericht an.

Vermutlich altes Videomaterial

Die Polizei der Andamanen leitete Ermittlungen ein, erklärte aber, es handele sich um ein "wahrscheinlich sechs oder sieben Jahre altes Video". Damals hätten sich die Jarawas noch unbekleidet gezeigt, heute würden sie in der Öffentlichkeit dagegen bekleidet auftreten.

Auch der auf den Inseln tätige indische Anthropologe A. Justin äußerte die Vermutung, dass die Bilder veraltet sein könnten. Vor dem Tsunami von 2004 hätte man die Jarawa noch zum Tanzen zwingen können. Danach habe es eine Politik weitreichender Autonomie mit einem Minimum an Einflussnahme gegeben. Seitdem habe sich einiges verbessert.

Im Bericht des "Observer" hieß es, ein Reporter der Zeitung habe vor einiger Zeit gesehen, wie Touristen Ureinwohnern am Straßenrand Bananen und Kekse zugeworfen hätten. Örtliche Händler hätten den Touristen gesagt, wie viel Bestechungsgeld sie der Polizei für einen Tagesausflug zu den Jarawa zahlen müssten. Laut Angaben der Zeitung leben derzeit 403 Mitglieder des Jarawa-Stammes in Indien.

sto/AFP

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1. Naja...
caecilia_metella 11.01.2012
"Die Jarawa sind keine Zirkuspferde, die auf Befehl Kunststücke aufführen müssen", Eigentlich sind Frauen auch Menschen. So kann man das sagen. Ich frage mich nur, ob sich so ein Menschenrechtler schon einmal nachts durch die Kanäle gezappt hat. Was unterscheidet diese Frauen von jenen?
2.
DerNachfrager 11.01.2012
Heißt das, die Jarawa dürfen nicht selbst entscheiden, ob sie den Kontakt mit den Touristen wünschen ? Wer versklavt hier wen ?
3. au weia
partey 11.01.2012
Zitat von caecilia_metella"Die Jarawa sind keine Zirkuspferde, die auf Befehl Kunststücke aufführen müssen", Eigentlich sind Frauen auch Menschen. So kann man das sagen. Ich frage mich nur, ob sich so ein Menschenrechtler schon einmal nachts durch die Kanäle gezappt hat. Was unterscheidet diese Frauen von jenen?
"EINE GANZE MENGE", möchte man Schreien. Aber ihr Kommentar hat mich eines Besseren belehrt. Anscheinend sind diese TV-Frauen genauso primitiv und unzivilisiert, ja sie gehören eingezäunt und der Kontakt mit anderen Menschen sollte Ihnen nicht ermöglicht werden. Vielleicht sollte man auch in Betracht ziehen, ihre Anzahl auf 403 Mitglieder zu reduzieren, dass diese sich auch wirklich in nichts mehr unterscheiden. Danach können sich Menschenrechtler um das "Problem" kümmern. Huch ! Tschüssi !
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