Einfach treiben lassen Franzose will Atlantik in Tonne überqueren

Nur die Meeresströmung und der Wind sollen ihn voranbringen: In einer Sperrholztonne will Jean-Jacques Savin, 71, von den Kanaren bis Amerika dümpeln. Die Reise dürfte Monate dauern.

AFP

Die orangefarbene Tonne ist drei Meter lang, 2,10 Meter hoch und wiegt im leeren Zustand 450 Kilogramm. Und sie wird für etwa drei Monate das Zuhause von Jean-Jacques Savin. Der 71-jährige Franzose plant, damit um den 20. Dezember herum von den Kanarischen Inseln aus Richtung Amerika zu starten.

In einer Werfthalle in Arès nahe Arcachon an der französischen Westküste stellte er der Nachrichtenagentur AFP sein speziell angefertigtes Wasserfahrzeug vor. Nur die Strömung und der Wind sollen ihn an sein Ziel bringen. "Wohin, weiß ich nicht genau, Barbados oder Guadeloupe", sagte der ehemalige Fallschirmjäger.

Die kunstharzbeschichtete Sperrholzhülle soll den Wellen des Ozeans standhalten. Im Inneren befinden sich eine Schlafecke, eine Aufenthaltsecke, eine Küchenecke, ein Kartentisch und etwas Stauraum. Das Bullauge im Boden sei sein "Fernseher", sagte Salvini. Dadurch könne er jederzeit die Fische beobachten.

Der kleine, drahtige Hobby-Triathlet ist Abenteuer gewohnt. Er war Fallschirmjäger bei der Armee und hat in Afrika als Pilot und Wildparkwächter gearbeitet. Nun will er "auf eine neue Art navigieren", indem er sich einfach nur treiben lässt. Er wolle "das Gefühl von Freiheit" erleben und "den Reichtum und die Tierwelt des Meeres bewundern".

Menschliche Boje und Versuchsobjekt

Aber auch wissenschaftliche Zwecke soll die Überfahrt erfüllen: Der Franzose nimmt für ein Forschungsinstitut eine Boje zur Messung der Strömungen mit und wird selbst Versuchsobjekt in einer Studie über Einsamkeit auf kleinem Raum sein.

Savin rechnet mit rund drei Monaten bis zur Ankunft in Amerika. Neben Weihnachten dürfte er somit am 14. Januar auch seinen 72. Geburtstag allein auf dem Meer feiern. Zu dem Abenteuer inspirieren ließ sich Savin von einem Buch von Alain Bombard, das er wieder und wieder las.

Bombard berichtet darin von seiner Atlantiküberquerung in einem aufblasbaren Kanu im Jahr 1952. Der Arzt hatte weder Essen noch Wasser dabei und ernährte sich ausschließlich von Fischen und Plankton. "Aber ich heiße nicht Alain Bombard", betonte Savin. "Ich wäre damals nicht mit ihm losgefahren."

abl/AP



insgesamt 4 Beiträge
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thoscha 21.11.2018
1.
Das nennt sich dann ja wohl "geschlossene" Seebestattung im schwimmenden Luxussarg! Nein - aber mal im Ernst, was will der Typ denn beweisen? Das man nur durch die Meeresströmungen im Laufe der Zeit, auch seinen Strand erreichen kann? Und mit 71 Jahren kommt er auch noch ins Buch der Rekorde. Naja - jedem Tierchen sein P......irchen. Ich ünsche dem alten Herrn viel Glück und gute Gesundheit. Die wird er wohl brauchen bei diesem abenteuerlichen Trip!
hansvonderwelt 21.11.2018
2. Großen Respekt vor seinem Mut !
Erinnere mich sehr gut an das Buch von Alain Bombard über seine Atlantiküberquerung.Oder auch Hannes Lindemann,er überquerte 1955 den Atlantik im Faltboot und verlor 25 kg an Körpergewicht.Helden meiner Kindheit wie viele andere "Einhandsegler".Ich machte selbst einige Abenteuerreisen,wie per Tramp nach Indien und durch die Sahara.Aber auf See ist er in Gottes Hand.Wünsche ihm viel Glück !!!
Belle 21.11.2018
3. alles eine Sache der Gewohnheit
Mit 71 Jahren ist dieser Franzose mit Sicherheit schon einige französische Fahrzeuge gefahren. Da ist der Unterschied zur Tonne nicht mehr allzu groß. Wobei ich annehme, dass er wenigstens ein funktionierendes Navigationsgerät in der Tonne dabei hat. Dann würde sich die Tonne doch schon erheblich vom aktuellen Renault Espace unterscheiden....Ansonsten wünsche ich dem Herren alles Glück der Welt. Irgendwie eine coole Idee.
Sensør 21.11.2018
4. Ein Detail fehlt ...
Drei Monate ununterbrochen in einer kleinen kunststoffbeschichteten Tonne - warum muss ich jetzt nur immerzu an Dixi-Toiletten denken?
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