Jedermann-Skirennen: Temporausch für alle

Von Tim Tolsdorff

3. Teil: Downhill in dünner Luft: "Allalin-Rennen" in Saas Fee

Ski-Volksabfahrten: Rasen wie ein Profi Fotos
Inferno Mürren

Auf einer Höhe von 3500 Metern über dem Meer kann einem selbst dann schummrig werden, wenn man die körperliche Aktivität auf ein Minimum herunterfährt. Tabu ist der Müßiggang jedoch für jene Wintersportler, die alljährlich am Allalin-Rennen im Walliser Skiort Saas Fee teilnehmen. Blickt man vom Dorf hinauf, dann erscheint einem zunächst schleierhaft, wo zwischen den gewaltigen Eiszungen und bläulich schimmernden Brüchen des Feegletschers Platz für ein Volksrennen sein soll. Doch der Start für das Rennen liegt am höchsten Punkt des Skigebiets, der Bergstation auf dem Mittelallalin. Zum Greifen nahe erscheinen hier oben die Walliser Bergriesen der Umgebung, die sich bis in Höhen von 4500 Metern auftürmen.

Die Rennläufer - viele von ihnen gleichen mit Helmen und Rückenprotektoren den Weltcup-Profis - beachten das Panorama in den Stunden, Minuten und Sekunden vor dem Start kaum. Vor ihnen liegen neun Kilometer Piste, auf denen höchste Konzentration und eine gute Kondition gefragt sind. Die Schnellsten rasen mit 120 km/h und mehr zu Tal. Knapp 1800 Höhenmeter tiefer, am Ortsrand von Saas Fee, liegt der Zielraum. Im Jahr 2010 erreichte der Sieger, ein Schweizer, nach gerade einmal 4:23,04 Minuten das Ziel. Geärgert haben dürfte sich trotz der Volksfestatmosphäre hier unten der Zweitplatzierte: Er lag lediglich 14 Hundertstel hinter seinem Kontrahenten.

2011 findet die 29. Auflage des Allalin-Rennens statt. Selbst die Wetterkapriolen so spät in der Saison können der großen Beliebtheit der Veranstaltung, die zur Rennserie "Super Vier" gehört, nichts anhaben: Hunderte von Hobby-Racern kämpfen jedes Jahr ums Ankommen, viele von ihnen um eine gute Zeit, die wenigsten um den Sieg. Wie jeder ordentliche Abfahrtslauf ist auch das Allalin-Rennen geprägt von Schlüsselstellen, die langjährige Teilnehmer im Schlaf fahren können. Sie wissen, dass man die Ausfahrt aus dem Starthang nicht verbocken darf, weil sonst im folgenden Flachstück mit dem Namen "Weiße Meile" wertvolle Zeit verloren geht. Temposüchtige fühlen sich dagegen in den Abschnitten "Gletscherschuss" und "Kanonenrohr" am wohlsten.

  • Besondere Schwierigkeiten: Höhenluft, stark variierende Schneeverhältnisse
  • Reguläre Distanz: 9 Kilometer, 1750 Höhenmeter
  • Datum: 29. Allalin-Rennen am 1./2. April 2011
  • Infos und Anmeldung

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Das muss man mal gemacht haben.
Arne der Rote 26.01.2011
Moin, also ich habe vor ein paar Jahren einmal das Inferno-Rennen mitgemacht und es war das heftigste was ich je gemacht habe. Ich war davor schon ein paar mal im Ski-Urlaub in Mürren gewesen und ein Freund von mir war da ein paar Saisons lang Skilehrer. Ich kannte das Rennen also schon ein bißchen und ich wollte da immer schon mitmachen. Ich halte mich für einen guten Amateur-Fahrer und fit war ich zu der Zeit auch. Also habe ich mich dann da mal beworben und nach zwei vergeblichen Anläufen hat es geklappt. Ich habe das ganze schon recht ernst genommen und mich konsequent vorbereitet. Ich würde auch heute noch sagen das ich in absoluter Topform war. Aber ehrlich gesagt habe ich mich deutlich überschätzt. Allein die schiere Länge macht einen fertig. Meine Oberschenkel waren eigentlich die ganze Zeit über komplett am Limit, obwohl ich das Rennen vergleichsweise langsam angegangen bin und erst auf der zweiten Streckenhälfte aufdrehen wollte. Aber naja, ich kannte die Strecke ganz gut, ich hatte viel trainiert und war trotzdem schon bei der zweiten Traverse und den erforderlichen "Schlittschuhschritten" komplett fertig. Ich habe ungeheuer gekämpft und irgendwie habe ich es auch ins Ziel geschafft obwohl ich eigentlich bei jedem Schwung mit einem Abflug gerechnet hatte. Im Ziel hatte ich dann eine gar nicht so schlechte Zeit (13:33 Min.) und lag so um Platz 600. Es war wie gesagt wirklich heftig und es stimmt wenn man von Ski-Kondition spricht. Die Belastung, gerade für die Oberschenkel ist einfach nicht mit Muskel- oder Konditionstraining im Vorwege zu simulieren. Angelehnt an König Fußball liegt hier die Wahrheit auf der Piste. Die Einheimischen (oder besser alle die in Skigebieten wohnen) sind daher extrem im Vorteil gegenüber Flachlandtirolern wie mir. Die stehen vier, fünf Monate pro Jahr auf den Brettern und haben quasi Hornhaut in den Beinen. Für mich war es eine in jeder Hinsicht prägende Erfahrung. Ich bin immer noch stolz das gemacht und auch geschafft zu haben, aber ich bin seitdem gründlich kuriert von der Einbildung in mir stecke ein Markus Wasmeier (falls den jemand noch kennt). Eigentlich reicht mir diese eine Erfahrung, aber die kann ich nur jedem empfehlen der gerne und zumindest passabel Ski fährt und robust und verrückt genug dazu ist. Und wenn ich mir die Bilder vom Weißen Rausch anschaue dann reizt es mich irgendwie doch wieder noch einmal die müden Knochen in Schwung zu bringen. Aber seid gewarnt, es ist echt kein Kindergeburtstag und jedes Jahr gibt es zum Teil schwere Stürze. Dabei entscheidet weniger das reine Können, wiewohl ein sicherer Stand und eine ordentliche Portion Erfahrung schon sinnvoll sind. Auf die gesamte Distanz muss man sich z.B, mehrfach auf spontan veränderte Schnee- und Pistenverhältnisse einstellen. Auch das Material spielt wegen der langen Gleitpassagen eine wichtige Rolle. Der Scharfrichter aber ist definitv die Kondition und so ab der Hälfte des Rennens die Fähigkeit sich quälen zu können. Das Rennen langsam und entspannt zu absolvieren ist nicht wirklich möglich, denn man ist ja überhaupt nur gekommen, um ein Rennen zu fahren. Unterm Strich würde ich sagen probiert es aus aber nehmt es nicht auf die leichte Schulter. Ohne Frage ist es aber auch wegen der spektakulären Stimmung entlang der Strecke eine unvergessliche Erfahrung, sozusagen der Jakobs-Weg für Ski-Verrückte. Gruß aus Hamburg, Arne.
2. Wengen
tlogor 26.01.2011
Lustig ist, dass immer Wengen genannt wird. Dabei ist die Wengenabfahrt überwiegend ziemlich flach und nur mit zwei Steilstückchenen versehen. Es gibt auch ein Flachstück, dass so langweilig ist, dass es im Fernsehen immer ausgeblendet wird. Inferno Mürren ist da schon etwas steiler.
3. James Bond Klassiker
reindyr 26.01.2011
Da hat aber jemand in seiner DVD Sammlung nicht richtig nachgesehen. Zwar tritt "Im Geheimauftrag Ihrer Majestät" mit George Lazenby in der Hauptrolle als Agent an, aber das ist kein James-Bond-Streifen. Der in Wengen spielende Bond-Film von 1969 hat den Titel: Im Geheimdienst Ihrer Majestät (On Her Majesty's Secret Service).
4. Kein Konditionstraeining "unten"!
Ursprung 27.01.2011
Brettert man high speed uebers blanke Eis und hat nicht mindestens vorher 3 Wochen am Stueck vor Ort und in der Hoehe jeden Tag, nein, nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen dadurch sich verstaerken lassen, kann es sein, dass dieselben durch die Schlaege von unten einfach zerbroeseln. Es wird der nachfolgende Sturz oft als Knochenbruchursache fehlangenommen. Ein Insidertip, der mir von meinem Schweizer Skifreund, einst schweizerischer Militaery-Weltmeister, auf den Weg gegeben wurde. Diesen Effekt hat man bei den Gebirgsjaegern ausgiebig studiert. Dieses "Knochentraining" funktioniert im Flachland nicht, nur in der Hoehe und es ist egal, mit welchem vorsorglichen Trainingsprogramm man sich vorher unten konditioniert hat. Im Gegenteil: je vortrainierter Muskeln, Sehnen, Kreislauf sind, umso oefter tritt dieser Knochenschwach-Effekt auf. Ein gefaehrlicher Schwachpunkt! Der Mann riet ab, sich ueberhaupt vorher "unten" Kondition anzutrainieren. Das erhoehe die Verletzungsgefahr beim ambitionierten Skilaufen am Berg enorm.
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