Abstimmung über Unabhängigkeit Das lieben Urlauber an Katalonien

Von Urlaubern geliebt - trotz des Konflikts mit der Zentralregierung: Katalonien ist Spaniens unruhiges Herz. So abhängig die Region vom Tourismus ist, so sehr kämpfen die Einwohner auch mit dessen Auswüchsen.

Peter Widmann / imago

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Spanien ohne Katalonien? Wirtschaftlich wäre das für das Mutterland wohl eine Katastrophe. Jedoch will die reichste Region des Landes am Sonntag bei einem inoffiziellen Referendum über ihre Unabhängigkeit abstimmen - auch wenn die Zentralregierung in Madrid dieses als illegal bezeichnet und mit allen Mitteln bekämpft.

Die wirtschaftliche Stärke Kataloniens beruht nicht zuletzt auf seiner Attraktivität für Urlauber - keine andere Region Spaniens ist so beliebt bei ausländischen Touristen, ein Fünftel der Arbeitsplätze hier hängen von ihnen ab: Rund 18 Millionen Urlauber kamen 2016 in das Land zwischen Pyrenäen und Ebro-Delta. Zum Vergleich: Die Kanaren und Balearen besuchten jeweils um die 13 Millionen, Andalusien knapp 11 Millionen.

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Kataloniens Mittelmeerstrände zwischen Costa Brava und Costa Dorada sind die Hauptattraktionen der autonomen Gemeinschaft - neben Barcelona als meistbesuchte Stadt des Landes:

  • Barcelona ist vor allem in jüngster Zeit zu einem beliebten Städtereiseziel avanciert - günstige Unterkünfte über Airbnb und immer mehr Kreuzfahrschiffanläufe ließen die Zahlen in die Höhe schnellen. Die noch immer unvollendete Kathedrale Sagrada Família, der Park Güell und das Wohnhaus Casa Milà des Architekten Antoni Gaudí stehen auf der To-See-Liste. Aber auch ein Bummel über die zentrale Promenade La Rambla, die erst vor Kurzem Ziel eines terroristischen Anschlags wurde.
  • Zerklüftete Felsküsten, hübsche Fischerorte, kleine Buchten und interessante Naturparks - das charakterisiert die Costa Brava, die wilde Küste, die sich 220 Kilometer lang von den Pyrenäen bis nach Blanes erstreckt. Ganz im Norden liegt Cadaqués, dessen weiße Altstadthäuschen Künstler wie Picasso, Dalí und Miró bekannt gemacht haben. Zum Baden zieht es Touristen nach Platja d'Aro, Tossa de Mar und Lloret de Mar, zum Wandern in die Naturparks von Cabo de Creus und Empordà, als kulturelle Zentren gelten Girona und Figueres.
  • Die Costa Daurada - auf Spanisch Costa Dorada - hat weniger Felsen als vielmehr lange weiße Strände im Angebot. Hauptort ist Tarragona mit seiner Unesco-geschützten Altstadt, Sitges lockt mit 17 Stränden, und in Port Aventura dröhnen seit April die Achterbahnzüge des Ferrari-Themenparks. Das Hinterland wird auch geprägt durch drei große Zisterzienserklöster, die durch den Fernwanderweg Ruta del Cister miteinander verbunden sind. Im Süden der "goldenen Küste" liegt der Naturpark Ebro-Delta mit seinen Lagunen und Dünen.
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So schön ist Katalonien: Von Cadaquez bis zum Ebrodelta

So vielfältig ihre Region auch ist, eins halten die Katalanen hoch: ihre katalanische Sprache und Kultur, die sie selbst als so sehr verschieden vom Rest Spaniens halten. Die "Estelades", die Flagge der Unabhängigkeitsbewegung, flattert vielerorts an Häuserwänden: vier rote Streifen auf gelbem Grund, dazu ein blaues Dreieck mit weißem Stern. "Votamos para ser libres" (Wir wählen, um frei zu sein) lautet einer der Slogans auf den Plakaten, vor allem junge Menschen versprechen sich neue, bessere Gesellschaft.

Anders als im Baskenland gibt es zwar keine extremistischen und gewaltsamen Strömungen. Zum Referendum am 1. Oktober ruft das Auswärtige Amt Urlauber dennoch zur Vorsicht auf: "Eine Eskalation kann nicht ausgeschlossen werden", heißt es im Reisehinweis. Touristen sollten die lokalen Medien verfolgen, größere Menschenansammlungen in dieser Zeit meiden und den Anweisungen von Sicherheitskräften unbedingt Folge leisten. Insbesondere in Barcelona könne es zu Demonstrationen kommen.

Dort gab es zuletzt schon zum Teil gewalttätige Proteste - und zwar gegen die Folgen des Massentourismus. Denn so wie in ganz Spanien steigen auch in Katalonien die Besucherzahlen deutlich. So kamen 2016 mit circa 75.600 insgesamt gut zehn Prozent mehr ausländische Touristen ins Land, bis Ende August waren es in diesem Jahr bereits 57.300 - davon allein in Katalonien 13.800 und acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Hotels sind nahezu ausgebucht, die Arbeitslosenquote sinkt. Negative Auswirkungen für die Metropole Barcelona sind jedoch: steigende Mietpreise, lärmende Touristen und Dumping-Löhne in der Urlaubsbranche.

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