Angst vor Anschlägen Britische Veranstalter lassen Touristen aus Kenia ausfliegen

Großbritannien und einige andere westliche Länder raten von Reisen nach Kenia ab. Nach den Terroranschlägen Anfang Mai werden derzeit Hunderte britische Touristen ausgeflogen. In dem ostafrikanischen Land rügt man das Verhalten als "unfreundlich".

Anschlag auf einen Bus in Nairobi Anfang Mai: Touristen werden ausgeflogen
AFP

Anschlag auf einen Bus in Nairobi Anfang Mai: Touristen werden ausgeflogen


London - Aus Furcht von Anschlägen lassen britische Reiseveranstalter derzeit Hunderte Touristen aus Kenia ausfliegen. Großbritannien hatte Reisenden zuvor geraten, nach Möglichkeit bestimmte Regionen des ostafrikanischen Landes zu verlassen. Nach den Bombenanschlägen in Nairobi und Mombasa Anfang Mai fürchten die Verantwortlichen offenbar weitere Übergriffe, die auch Touristen treffen könnten. Das Auswärtige Amt in Deutschland hat derzeit keine Reisewarnung ausgesprochen.

Das britische Foreign Office rät, nur unbedingt notwendige Reisen unter anderem in Gebiete zu unternehmen, die sich 60 Kilometer um die Grenze zu Somalia befinden, auf die Inseln Mombasa, Kiwayu sowie die Küstengebiete von Pate Island, in den Distrikt rund um die Hauptstadt Garissa und in Teile von Nairobi. Es gebe die Gefahr von Terroranschlägen sowie Entführungen. Menschenmengen sollten gemieden werden.

Nach Auskunft von Hoteliers haben mindestens 400 Touristen aus Hotels entlang der Küste des Indischen Ozeans ausgecheckt, für ihren Transport sollen extra Flugzeuge gechartert worden sein.

Neben Großbritannien hatten auch die USA, Frankreich und Australien die Sicherheitshinweise für Reisen nach Kenia verschärft. Die Grenzgebiete zu Somalia, Südsudan und Äthiopien sollten Reisende ganz meiden, rät beispielsweise die australische Regierung. Österreich hat eine Teilreisewarnung für das Gebiet an der Grenze zu Somalia ausgesprochen.

Kritik aus Kenia: Tourismus "in die Knie" gezwungen

Kenia bezeichnete die Hinweise als "offensichtlich unfreundlich". Sie würden zu noch größerer Panik führen und jenen in die Hände spielen, die hinter den Anschlägen in Nairobi und Mombasa steckten. Die Touristen seien in dem Land sicher. Präsident Uhuru Kenyatta sagte, der kenianische Tourismussektor sei nach den tödlichen Übergriffen ohnehin schon "in die Knie" gezwungen. Die Sicherheitshinweise und frühzeitigen Abreisen der Touristen führten zu noch größeren Schäden.

Im vergangenen Jahr musste Kenia einen Rückgang um 15,8 Prozent bei den einreisenden Touristen hinnehmen. Ihre Zahl lag nur noch bei 1,49 Millionen. Die meisten Reisenden stammen aus Großbritannien. Derzeit sind allein über den Reiseveranstalter Thomson 400 britische Touristen im Land, darunter auch solche in Mombasa und auf Safari. Das Unternehmen gab wie der Reiseveranstalter First Choice an, alle bis Ende Oktober geplanten Flüge nach Mombasa abzusagen, schreibt der "Telegraph".

Für TUI Deutschland gibt es derzeit "keinen Handlungsbedarf", sagte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. Man richte sich nach den Hinweisen des Auswärtigen Amtes, das "aktuell keinen verschärften Sicherheitshinweis oder gar eine Reisewarnung" ausgesprochen hat. "Selbstverständlich beobachten wir die Situation sehr genau und stehen in engem Austausch mit unseren örtlichen Reiseleitern, um gegebenfalls schnellstmöglich im Sinne unserer Gäste zu handeln." Derzeit hielten sich etwa 100 TUI-Reisende in Kenia auf, vorzeitige Rückreisewünsche gebe es nicht.

Auch die anderen deutschen Reiseveranstalter planen laut Sybille Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) nicht, Urlauber aus dem Land auszufliegen.

Das Auswärtige Amt weist auf die Gefahr terroristischer Anschläge in Kenia hin, ohne vor einer Reise dorthin zu warnen. Es rät aber zu "großer Vorsicht und Wachsamkeit", insbesondere "auf öffentlichen Plätzen, in Restaurants, Bars und Einkaufszentren, an religiösen Stätten, beim Besuch von internationalen Einrichtungen mit potentiellem Symbolcharakter sowie exponierten touristischen Sehenswürdigkeiten".

Busse und Kleinbusse sollten wenn möglich gemieden werden, da sie in der Vergangenheit immer wieder Ziele von Anschlägen waren.

Am Freitag wurden bei zwei Explosionen in Nairobi mindestens zehn Menschen getötet.

emt/Reuters/AP/dpa

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