Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kerosinzuschlag: Profitieren Flugpassagiere vom niedrigen Ölpreis?

Manhattan: Flüge nach New York sind innerhalb von fünf Jahren über 50 Prozent teurer geworden Zur Großansicht
DPA/ Gary He/ Insider Images

Manhattan: Flüge nach New York sind innerhalb von fünf Jahren über 50 Prozent teurer geworden

Benzin ist wegen des niedrigen Ölpreises billiger - aber wie sieht es bei Flügen aus? Abwarten, sagten die Airlines vor einem Jahr. Jetzt heißt es: immer noch abwarten. Aber inzwischen halten andere Faktoren die Flugtarife in Schach.

Auf taube Ohren stieß der Bundesverband der Verbraucher, als er Anfang des vergangenen Jahres die Airlines aufforderte, einen Teil der niedrigen Treibstoffkosten an die Passagiere weiterzugeben.

Allenfalls Ende 2015 würden sich die günstigen Kerosinpreise auf die Tarife auswirken, hieß es unisono bei Lufthansa, Condor und Air Berlin. Fast ein Jahr später hat sich der Ölpreis um noch einmal zehn US-Dollar tiefer auf 40 US-Dollar pro Barrel eingependelt. Tendenz: eher fallend.

Aber bei der Frage, ob die Passagiere - wie einst angedeutet - davon profitieren, drehen die Fluglinien große Volten. Die Argumente, warum dies nicht so ist, sind immer noch die gleichen. Die Lufthansa rechnet geduldig vor, dass die Treibstoffkosten für 2015 bei 5,7 Milliarden Euro liegen, 2014 lagen sie noch bei 6,8 Milliarden Euro. "Aber damit liegen sie noch deutlich über den Kosten von vor fünf Jahren", sagt Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky.

Preissicherung wird zu teuer

Vor allem die Preissicherungsgeschäfte, Hedging, mit denen sich viele Unternehmen stabile Treibstoffpreise von bis zu einem Jahr sichern, werden angeführt, warum sich billige Energiekosten nicht sofort auf die Tarife niederschlagen. Hedging lohnt sich in Zeiten steigender Rohstoffpreise. Bei schnell fallenden Ölpreisen jedoch ist Hedging ein Verlustgeschäft, denn die Airlines müssen Kerosin zu dem Preis abnehmen, den sie sich zu bestimmten Terminen gesichert haben.

Die größte Fluglinie der Welt, American Airlines, hat dem "Handelsblatt" zufolge deswegen bereits 2014 das Hedging aufgegeben. Es wurde zu teuer. Die Konkurrenten Delta und United Airlines, die erst in diesem Jahr ihre Termingeschäfte reduzierten, haben Hunderte von Millionen US-Dollar durch Hedging verloren.

In Europa gehen Airlines auf Nummer sicher. Bei der Thomas Cook Airlines, zu der auch Condor gehört, stammen dem Jahresbericht 2015 zufolge derzeit immer noch 91 Prozent des Treibstoffs aus Preissicherungsgeschäften. Bis zum Winter 2016/17 werden sie nur langsam auf 82 Prozent gedrosselt.

Zwar habe man durch die tiefen Ölpreise etwa 135 Millionen Euro gespart, aber die seien durch den teureren US-Dollar und nicht treibstoffbasierte Flugkosten "absorbiert" worden. Nur ein Teil wurde an die Passagiere weitergereicht, heißt es weiter in dem Bericht. Wie viel, darüber informiert er leider nicht.

Bei Air Berlin argumentiert ein Sprecher so: "Wir nutzen jetzt die Arrangements (Hedging, - Anm. d. Red.) vergangener Monate. Allerdings konterkariert die schwierige Lage im Währungsumfeld und der starke US-Dollar diese Effekte."

Wettbewerb drückt die Preise

So viel bleibt klar: Wenn Flugtarife derzeit fallen, dann nicht nur wegen des niedrigen Ölpreises. Vor allem der scharfe Wettbewerb und die derzeitigen Weltkrisenherde sorgen dafür, dass die Airlines Preise zumindest nicht erhöhen können. Lufthansa gibt an, dass 2014 und 2015 die Passagiere im Schnitt 3,9 Prozent weniger je Ticket ausgegeben haben.

Ein Blick in den Flugpreisindex des Bundesamts für Statistik zeigt jedoch, dass die Flugtarife nicht flächendeckend gleichmäßig nachgeben, sondern immer etwas zeitverzögert regional schwanken und somit oft auch widerspiegeln, wo es kriselt oder boomt.

So haben sich die Economy-Tarife in die Türkei seit 2010 um über 13 Prozent verbilligt. Die Flugpreise nach Ägypten haben sich nach dem arabischen Frühling erholt und legten stetig bis 2014 um 16,6 Prozent zu. 2015 jedoch sind die Preise eingebrochen, allein im November um 6,3 Prozent. Die Anschläge auf dem Sinai hinterlassen ihre Spuren.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge gehen auch die Flugraten nach Thailand zurück, besonders stark nach dem Anschlag im August. Economy-Flüge nach London jedoch haben sich in den letzten fünf Jahren um circa 30 Prozent, nach New York sogar um über 50 Prozent verteuert.

Für die Preisentwicklung im nächsten Jahr geben die Fluggesellschaften nur ungern Prognosen ab. Tatsache ist jedoch, dass sie alle mächtig unter Druck stehen. Besonders die Billigflieger, allen voran Lufthansas Billig-Carrier Germanwings und Eurowings, konzentrieren ihren Kampf um Marktanteile auf populären Strecken. "In Verbindung mit den aktuell niedrigen Kerosinpreisen führt dieser Wettbewerb zu deutlichen Preisrückgängen", erklärt Peter Berster vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Passagiere können sich folglich sicher sein: Solange dieser Konkurrenzkampf in dieser Intensität stattfindet, bleiben also auch die Tarife günstig.

Tipps: Wie bekomme ich die günstigsten Flüge?

  • Buchungszeitraum: Veranstalter belohnen Frühbucher mit Rabatten, wenn sie Monate im Voraus buchen. Bei Airlines lohnen sich lange Vorausbuchungen nicht unbedingt - das hängt vom Ziel ab. Dennoch gilt auch hier: Je näher der Wunschtermin rückt, desto teurer wird der Tarif. Deshalb: Gut informieren und mindestens sechs Wochen vor dem Abreisetermin nach Schnäppchen suchen.
  • Wochentag: Wer flexibel ist, kann viel Geld sparen, wenn er nicht ausgerechnet zu Zeiten der Geschäftsreisenden unterwegs ist. Montagmorgen oder Donnerstagabend sind die Preise höher als am späten Samstagmorgen oder am Dienstagnachmittag.
  • Abflugzeit: Die Sieben-Uhr-Flüge und die letzten zwei Abendflüge unter der Woche sind innerdeutsch teuer wegen der Geschäftsreisenden. Aber um 11 Uhr oder 14 Uhr fallen die Flugtarife, weil die Maschinen selten voll sind. Für Ferienziele lohnen dagegen Randzeiten wie frühmorgens oder spätabends.
  • Saison: Azyklisch reisen ist ein Trick, den viele schon kennen. Er spart aber unverändert viel Geld. Also an alle ohne schulpflichtige Kinder oder Erwachsene, die keine Lehrer sind: Ferienzeiten vermeiden!
  • Flughafen: Flugtarife steigen zur Hochsaison, also Ferienzeiten. Deswegen: Flugpreise in benachbarten Bundesländern checken, wo keine Schulferien sind.

Tinga Horny/srt/abl

Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern
Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
jujo 06.01.2016
Um etwas teurer zu machen fällt den Firmen immer etwas ein, oft ist es auch anscheinend berechtigt. Entfällt die Begründung, drückt man sich darum die Preisschraube zurückzudrehen. Am unverschämtesten sind die Gaslieferanten.
2. Sofort stoppen
Rubyconacer 06.01.2016
Dieser Wahnsinn der Billigfliegerei sollte stark reduziert werden, Flugbenzin endlich anständig besteuert werden. Die Abgase in großen Höhen schaden unserem Planeten eine mehrfaches im Vergleich zu Schadstoffen auf Meereshöhe.
3. Warum sollten sich Airlines anders als der Staat verhalten?
K:F 06.01.2016
Zurück wird es "nicht" geben. Im Gegenteil! Wenn die Ölpreise wieder steigen werden die Kerosinzuschläge erhöht.
4. Airlines machen keinen Gewinn
JaguarCat 06.01.2016
Die Airlines machen ja allesamt keinen oder allenfalls magere Gewinne. Der Grund ist einfach: Sobald eine Airline eine wirklich profitable Strecke betreibt, dauert es höchstens ein bis zwei Jahre, bis ein Billigflieger deutlich günstiger dorthin fliegt. Und dann sind die Preise wieder im Eimer. Gemäß den bekannten kapitalistischen Schweinebachzyklen gibt es je nach Destination halt gerade hohe oder niedrige Preise. Wer beim Urlaubsziel nicht festgelegt ist, kann so erheblich sparen, indem er dorthin fliegt, wo es billig ist. Sehe gerade eine Anzeige "Köln -> Dubai ab 99,99 Euro". Billiger geht nimmer.
5.
boer640 06.01.2016
Zitat von JaguarCatDie Airlines machen ja allesamt keinen oder allenfalls magere Gewinne. Der Grund ist einfach: Sobald eine Airline eine wirklich profitable Strecke betreibt, dauert es höchstens ein bis zwei Jahre, bis ein Billigflieger deutlich günstiger dorthin fliegt. Und dann sind die Preise wieder im Eimer. Gemäß den bekannten kapitalistischen Schweinebachzyklen gibt es je nach Destination halt gerade hohe oder niedrige Preise. Wer beim Urlaubsziel nicht festgelegt ist, kann so erheblich sparen, indem er dorthin fliegt, wo es billig ist. Sehe gerade eine Anzeige "Köln -> Dubai ab 99,99 Euro". Billiger geht nimmer.
Hinzu kommt, dass die Frachtzahlen rückläufig sind und die Airlines das ja auch irgendwie kompensieren müssen. Die verdienen am Ende nur, wenn FLF und PLF (freight und passenger load factor) hoch sind. Die Leute stellen sich das immer alle so einfach vor...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Getty Images
Check-in-Schalter, Startbahn, Terminal: Weltweit bestehen Airports aus den immer gleichen Elementen - und sind doch so verschieden. Wie gut kennen Sie die Kathedralen der Globetrotter? Beweisen Sie Ihre Jetset-Tauglichkeit im Flughafen-Quiz!

Fotostrecke
Skytrax-Ranking 2015: Die besten Airlines der Welt