Kleine Bahnfahrer-Kunde: Von Alleinunterhalter bis Schnarcher

Laberbacken, Türsteher, rabiate Platzreservierer - Vielfahrer treffen im Zug auf die immer gleichen Typen von Passagieren. SPIEGEL-ONLINE-Leser porträtieren ihre nervigsten Mitreisenden und geben Tipps, wie man sich wehren kann.

Alleinunterhalter in der Bahn: Ein typischer Mitfahrer - und ein oft nerviger Zur Großansicht
Corbis

Alleinunterhalter in der Bahn: Ein typischer Mitfahrer - und ein oft nerviger

Die Laberbacke

Dieser Mitfahrer ist zumeist männlich und mittleren bis höheren Alters. Typisch ist, dass Mister Laberbacke sich bei Betreten des Großraumabteils zielstrebig auf einen Vierersitzplatz zubewegt. Schließlich möchte er sein breit gefächertes Wissen mit möglichst vielen Mitmenschen teilen. Dann klopft er mit einer unverfänglichen Floskel à la "So ein Sauwetter, soll doch mal einer sagen, in Hamburg regne es viel - hahahaha" seine Sitznachbarn auf Kommunikationsbereitschaft ab. Antwortet ein Mitreisender, kann es losgehen. Ob mit einem Schwank aus dem Berufsleben, einem pfiffigen Kommentar zum aktuellen Tagesgeschehen oder nützlichen Tipps zur Gartenarbeit - die Laberbacke füllt mit ihrem schier unerschöpflichem Repertoire jede noch so lange Bahnfahrt. In der Regel hat dieser Kunde eine markante Stimme und ein lautes Lachen, so dass auch noch der Reisende am anderen Ende des Abteils von seinen mitreißenden Erzählungen gepackt wird.

Lieblingsgepäckstück: Fragen Sie ihn, dann erhalten Sie eine ausführliche Erläuterung.
Gesprächsthema: Jedes. Gerne ausführlich.
Gegenmaßnahme: Hat er ein Exemplar ins Visier genommen: Ohrstöpsel rein, Augen zu und schlafend stellen.

Nicolai Hummel

Der Türsteher

Diesen Typ findet man regelmäßig im Berufsverkehr, meist in der Regionalbahn. Er oder sie steigt immer als Erster ein, noch bevor überhaupt jemand die Gelegenheit hatte, auszusteigen. Frei nach dem Motto "Ich steige eh gleich wieder an einem der nächsten zehn Stopps aus" bleibt diese Sorte Mitreisender dann mitten im Durchgang stehen, auch wenn noch zig Fahrgäste mitfahren möchten oder sogar noch Sitzplätze frei sind. Für diese Sorte Mitfahrer spielt es keine Rolle, ob eine Tür in ein Fahrrad-Kinderwagen-Rollstuhl-Abteil oder nur ein einfacher Durchgang blockiert wird oder Mitreisende mit schwerem Gepäck, Kindern oder Rollator unterwegs sind. Über Bitten wie "Entschuldigung, dürfte ich mal vorbei" wird dann den Rest der Zugfahrt über mit Gleichgesinnten reichlich gelästert: "...muss halt mal den Bauch einziehen, hahaha!".

Lieblingsgepäckstück: Rucksack - wird nie vom Rücken genommen, durch regelmäßige Drehungen kann man sich so zusätzlich Platz und Bewegungsfreiheit schaffen.
Gegenmaßnahme: Die Bitte "Entschuldigung, ich würde gerne aussteigen" nützt nichts, dieser Täter handelt aus Überzeugung und hat neuen Lästerstoff bis zum nächsten "Entschuldigung, darf ich mal vorbei".

Christian Deiters

Der Bordrestaurant-Kritiker

Eine Sitzplatzreservierung kommt für ihn nicht in Frage. Warum auch? Für diese Spezies (Ü 50, Hobbykoch) gibt es keine 1. und keine 2. Klasse, keinen Abteil- oder Großraumwagen. Er verbringt seine Fahrt grundsätzlich und ausschließlich im Bordrestaurant. Auf der Strecke Hamburg-München zitiert er alle fünf Minuten die Servicekraft mit "Herr O-ber" oder "Frollein" herbei. Beschwert sich lautstark, dass sein eingesandter Rezeptvorschlag schon wieder nicht Eingang in die aktuelle Monatsaktion gefunden hat. Arbeitet sich sodann schmatzend und schlürfend durch die komplette Menükarte, mokiert sich über die Temperatur des Weines und die Haptik des Beilagensalates. Kurz vor München verlangt er, den "Geschäftsführer" zu sprechen. Da man ihm versichert, dass es diesen nicht gibt, verleiht er seiner Empörung durch Vorenthalten von Trinkgeld Ausdruck.

Lieblingsaccessoire: Fotoapparat (analog) zur Beweissicherung der monierten Speisen
Gesprächsthema: seine Teilnahme an der ZDF-"Küchenschlacht" 2009 (2. Platz!)
Gegenmaßnahme: Bordrestaurant weiträumig umgehen

Christoph Sauer

Der Schwarzfahrer

Schon beim Einstieg macht sich dieser Bahnpassagier durch hektische Kopfbewegungen bemerkbar, mit denen er seine Umgebung nach möglichen Zugbegleitern sondiert. Bei der Wahl eines Sitzplatzes geht er äußerst sorgsam vor und wählt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Position in der Nähe der Türen oder der Toilette. Letztere ist dann auch sein Refugium im Falle einer drohenden Kontrolle.

Lieblingsgepäckstück: keines
Gesprächsthema: Fragen nach Zugpersonal oder Mitnahmemöglichkeiten auf Abo-Tickets
Gegenmaßnahme: "Zugestiegene bitte die Fahrausweise" murmeln

Hanno Neuhaus

Kleines Bahn-ABC

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