Klima-Ranking der Fluggesellschaften Tuifly ist umweltfreundlichste Charterairline

Die Organisation atmosfair erstellt jährlich ein Ranking der umweltfreundlichsten Airlines. Klimaschutz soll so zum Wettbewerbsfaktor werden. Tuifly schnitt in diesem Jahr wieder sehr gut ab - Lufthansa nicht.

  Tuifly hat gut lachen: Die Airline liegt im Klimaranking von atmosfair vorne
ddp

Tuifly hat gut lachen: Die Airline liegt im Klimaranking von atmosfair vorne


Hannover - Die deutsche Airline Tuifly ist wieder die umweltfreundlichste des Landes. Und beinahe auch der Welt. Die Klimaschutzorganisation atmosfair vergleicht jährlich die 193 größten Airlines nach ihrer Klimaeffizienz. Die Ergebnisse des diesjährigen Rankings wurden am Montag in Berlin vorgestellt.

Tuifly hat unter den 193 weltgrößten Fluggesellschaften ihren zweiten Platz in der Gesamtwertung bei den geringsten CO2-Emissionen pro Passagier und Kilometer verteidigt. Nur die kleine tunesische Airline Tunisair Express schnitt noch besser ab. Tuifly ist aber die klimafreundlichste Charterairline.

Insgesamt bildet der atmosfair-Airline-Index (AAI) mit gut 31.2 Millionen Flügen etwa 92 Prozent des weltweiten Luftverkehrs ab. Die aktuellen Berechnungen beruhen auf den Daten der weltweiten Flugverkehrsbranche von 2012.

Tuifly auf Platz 2, Lufthansa auf Platz 72

Die Fluggesellschaften wurden in einem Ranking von 0 bis 100 nach ihrer CO2-Effizienz bewertet - aufgeteilt in Kurz-, Mittel- und Langstrecke. Die besten Werte erreichen Airlines, die moderne und auch für die beflogenen Strecken geeignete Flugzeuge einsetzen, viele Passagiere darin unterbringen und auch in Kabine und Frachtraum stets voll ausgelastet fliegen.

Klarer Sieger bei den deutschen Airlines war Tuifly. Die Airline kam in der Gesamtwertung mit 83,3 Punkten (Vorjahr: 83,7) auf Rang zwei. In der Gesamtwertung 2014 schnitt erneut die tunesische Airline Tunisair Express besser ab. Dank guter Bestuhlung ihrer hervorragend ausgelasteten Turboprop-Maschinen erreichte sie 84,6 von 100 möglichen Effizienzpunkten (Vorjahr: 83,8).

Der deutsche Ferienflieger Condor sank trotz effizienter Flugzeuge vor allem wegen einer nur durchschnittlichen Auslastung gegenüber dem Vorjahr von Platz sechs auf Rang 22 in der Gesamtwertung. Auch Air Berlin rutschte aus dem gleichen Grund von Platz zwölf auf den 17. Platz.

Die Lufthansa kam im Mittelfeld trotz einer leichten Verbesserung ihrer Klimaeffizienz nur auf Platz 72 (Vorjahr: 67). Neben einer "leicht unterdurchschnittlichen Bestuhlung" begründet die Klimaschutzorganisation das mit dem noch immer häufigen Einsatz älterer Flugzeugmodelle. "Die Lufthansa hat es durch ihre Zubringerflüge zudem schwieriger als etwa Chartergesellschaften", sagt der Geschäftsführer von atmosfair, Dietrich Brockhagen.

Ziel des Rankings: Ein Wettbewerb im Klimaschutz

atmosfair Klimaranking Gesamtauswertung 2014

Fluggesellschaft Land Effizienzpunkte Art
Tunisair Express Tunesien 84,6 Regional
Tuifly Deutschland 83,3 Charter
MASwings Malaysia 80,7 Ragional
Monarch Airlines Großbritannien 80,5 Charter
Sun Express Türkei 80,5 Charter
Okay Airways China 78,2 NetCarrier
Air Transat Kanada 76,3 NetCarrier
TAM Linhas Aereas Brasilien 75,1 NetCarrier
Air New Zealand Link Neuseeland 74,6 Regional
Pegasus Airlines Türkei 74,3 Charter

Quelle: atmosfair

In die Berechnung der CO2-Emissionen fließen jedes Jahr mit ein: der Flugzeugtyp, die Triebwerke, aerodynamische Flügelspitzen, Bestuhlung und Frachtraum sowie deren Auslastungen. Die Passagierauslastung hat mit 48 Prozent den größten Einfluss auf die Effizienzoptimierung. Mit Detaildaten zu diesen Faktoren lasse sich über offizielle Daten von Behörden, spezialisierten Datendienstleistern und Computermodellen von Flugzeugkonstrukteuren der CO2-Ausstoß einer Airline auf etwa zwei Prozent genau berechnen, heißt es auf der Website der Organisation.

Laut atmosfair ist das Ziel des Rankings, mit dem Airline-Index Klimaschutz zum Wettbewerbsfaktor unter den Airlines zu machen. "Es kann dem Klimaschutz nur helfen, wenn die CO2-Performance von Airlines in das Licht der Öffentlichkeit gebracht wird."

Die Ergebnisse sind auch ein Service für umweltbewusste Reisende: Diese können sich mit diesem Wissen bei der Buchung überlegen, ob sie nicht lieber eine Airline mit geringerem CO2-Ausstoß wählen möchten.

Organisation warnt vor globaler Erwärmung

Die Weltluftfahrt ist nach Ansicht von atmosfair noch weit von einer nachhaltigen Reduzierung der für die globale Erwärmung verantwortlichen Treibhausgase entfernt - das geht aus der Auswertung hervor. Demnach haben die Fluggesellschaften weltweit ihre CO2-Emissionen pro Passagier und Kilometer um 1,3 Prozent gesenkt.

Da die Branche aber zeitgleich um 4,8 Prozent zulegte, stiegen die Emissionen insgesamt um 3,5 Prozent. Die Senkung der Emissionen pro Kilometer ist laut atmosfair vor allem auf den Ersatz älterer Modelle, die Nachrüstung mit aerodynamischen Flügelspitzen ("Winglets") und die bessere Auslastung zurückzuführen.

"Es ist zu befürchten, dass sich der Anstieg der Emissionen auch in den nächsten Jahrzehnten wie bisher fortsetzt", mahnt atmosfair- Geschäftsführer Dietrich Brockhagen. Für die anstehende Klimakonferenz in Peru sei ein stärkeres Engagement aller Beteiligten gefragt. Nur so könne das für 2020 anstehende Klimaschutzprogramm für den Weltluftverkehr wirksam an den Start gebracht werden.

jkö/dpa



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insgesamt 9 Beiträge
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pace335 10.11.2014
1. Umweltfreundliches fliegen?
Was ist das? Wie bitte kann man umweltfreundlich fliegen? Ein echter Witz um den Ökos das schlechte Gewissen zu nehmen.
lionel_hutz 10.11.2014
2. So ein Quatsch!
Für Mindestkäfiggröße für Hühner wird gekämpft, das Vollstopfen von Fliegern auf menschenunwürdiges Maß wird in diesem System bonifiziert. Was aber richtig bescheuert ist: Wenn Fluggäste mit den Airlines fliegen, die besonders gute Werte haben, machen sie die vollen Maschinen noch voller und die leereren noch leerer, damit die CO2 Bilanz der gute besser und die der schlechten noch schlechter. Am Gesamt-CO2-Ausstoß ändert sich aber gar nichts. Würde der Fluggast den "schlechteren" Carrier wählen, wäre das für die Umwelt völlig egal, er hätte aber wahrscheinlich mehr Komfort, freie Mittelsitze sind fast so gut wie mehr Kniefreiheit. Sinnvoll wäre das nur dann, wenn man die Flottenverbräuche in Relation zu bestimmten Flugzeugklassen setzten würde, also wer stößt am wenigsten CO2 pro Sitz mit 3-Klassenbestuhlung auf Langstrecke aus und wer am wenigsten pro Sitz auf Turboprop-Cityhopper-Basis aus. Ansonsten werden nicht nur Äpfel mit Birnen verglichen, sondern "Fruchtsmoothies" mit einem Berg völlig untransparenter Zutaten.
hdudeck 10.11.2014
3. Was fuer ein Quatsch:
...Laut atmosfair ist das Ziel des Rankings, mit dem Airline-Index Klimaschutz zum Wettbewerbsfaktor unter den Airlines zu machen... Keine Airline wird diesem Ziel auch nur im Geringsten hinterherlaufen. Was zaehlt ist Wirtschaftlichkeit und damit das Streben nach Gewinnmaximum. Ein Airline wird die Flugzeuge so lange nutzen, wie es die Wirtschaftlichkeit es zulaesst. Keine wird, nur weil es in dem Raenking dieser Organisation vielleicht ein paar Stellen hochklettert, auch nur daran denken, die Bestuhlung zu anedern oder gar neue Flugzeuge anzuschaffen. Was ist das eigentlich fuer eine Organisation ? Wer ist da Mitglied, welche Ziele verfolgt diese wirklich? Wie kommen die an die Daten, die teilweise doch Betriebsgeheimniss sind? Wer gewichtet diese Daten und wie. Warum berichtet der Spiegel darueber?
doncarlos! 10.11.2014
4. Hach ja,
das beruhigt mich doch ungemein. Nach den letzten Erfahrungen mit Tuifly würde ich die für mich persönlich noch wichtigeren Kriterien Komfort und Service bei dieser Airline ungefähr entgegengesetzt bewerten. Condor war da jedesmal angenehmer. Aber wenn "Atmosfair" (who the f* is A*?) die sooo toll findet, dann nehm ich die ja gerne wieder!
Steve111 10.11.2014
5. TUIFLY treibt`s auf die Spitze....
mit der Knauserei am Gast : Kein Essen, kein Brötchen, nur ein Getränk frei ( !!!!! ) , nur 15kg Freigepäck, CheckIn kostet extra (nur Web CheckIn kostenfrei).Als Nächstes bekommen die Klos im Flugzeug wahrscheinlich ein Schloss mit € Münzschlitz. Ich vermeide Tuifly, wo immer ich nur kann.
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