Gefängnishotel Movement in Amsterdam "Ein Ort der offenen Türen"

Neustart hinter Gittern: Das berüchtigte Amsterdamer Gefängnis Bijlmer-Bajes hat sich in ein hippes Hotel verwandelt. Und in einen Arbeitsplatz für 20 Flüchtlinge.

DPA

Der Regen peitscht gegen die meterhohen grauen Betonmauern, davor liegt schwarz und tief ein Wassergraben. Der Blick aus dem Hotelfenster ist düster, und das ist auch noch vergittert.

Das Amsterdamer The Movement Hotel gehört zur Kategorie "sehr außergewöhnlich". Die neueste Herberge der niederländischen Hauptstadt war ein Gefängnis, das berüchtigte Bijlmer-Bajes im Südosten der Stadt. An diesem Freitag öffnet das Movement seine Tore, und die sind - versteht sich - aus dickem Stahl.

Zwei Etagen mit je acht Zellen wurden zum Hotel umgewandelt. Quietschrosa und knallrot sind die Gänge gestrichen, die Zimmer im edlen Weiß. Doch die Knast-Atmosphäre ist noch überall zu spüren. Die massiven Türen haben viele Schlösser, und alle Fenster sind vergittert.

Düstere Aussichten? "Keineswegs", lacht Khaled Alkordi. "Es ist ein phantastischer Ort." Für den 29-jährigen Syrer startet hier ein neues Leben. Vor drei Jahren kam er als Flüchtling in die Niederlande. In Damaskus hatte er Wirtschaft studiert, jetzt ist er Empfangschef des Movement.

Alkordis Arbeitsplatz ist der frühere Aufenthaltsraum der Gefängniswärter. Nun sind die einst schmutzig grün-weißen Wände pink. Die tristen Resopaltische und Kantinenstühle wurden durch knallrote Bänke und Hocker ersetzt. Ein paar Kupferlampen baumeln an der Decke, fröhliche Gummibäume stehen vor den Fenstern. Fertig ist die hippe Hotel-Lobby.

"Früher war dies ein Ort der traurigen Geschichten", sagt Alkordi nachdenklich. "Jetzt ist es ein Ort für positive neue Erinnerungen". Das gilt nicht nur für Touristen, die eine Zelle buchen wollen. Ein Doppelzimmer kostet etwa 100 Euro pro Nacht.

Großer Mangel an Gastronomiefachkräften

Wie Khaled Alkordi sind alle 20 Mitarbeiter des Hotels Flüchtlinge, aus Syrien, dem Irak und Eritrea. Die niederländische Flüchtlingshilfsorganisation "Movement on the Ground" hatte das Hotel gegründet, um für sie Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen. "Arbeit ist der beste Weg zur Integration", sagt Nina Schmitz, Direktorin der Organisation.

Profis aus der Hotelbranche helfen bei der Ausbildung. "Es gibt in den Niederlanden einen großen Mangel an Fachkräften für Hotels und Restaurants", sagt Schmitz, "eine feste Stelle ist für viele so gut wie sicher."

Das Gefängnis Bijlmer-Bajes war im vergangenen Jahr geschlossen worden - wie viele niederländische Haftanstalten aus Mangel an Verbrechern. In die sechs hohen charakteristischen weißen Türme zogen bereits Dutzende kleine Betriebe, darunter viele Kreative und Hilfsorganisationen. In einem Turm wurde ein Asylbewerberheim eingerichtet. Rund 600 Flüchtlinge wohnen dort zur Zeit.

Einige von ihnen fanden bereits einen Arbeitsplatz auf dem Gelände. Über die Refugee-Company etwa, die Flüchtlingen auch bei der Gründung eines eigenen Betriebes hilft. Im Restaurant A Beautiful Mess etwa kochen und servieren Flüchtlinge mediterrane und arabische Köstlichkeiten. Das fröhlich-bunte Restaurant - die frühere Gefängniswäscherei - ist übrigens auch Frühstücksraum für die Hotelgäste.

Kameras an jeder Ecke

Für viele Flüchtlinge ist die frühere Haftanstalt ein "sicherer Ort", sagt Khaled. "Nach der Unsicherheit und den Lagern haben sie hier endlich ein Dach über dem Kopf."

Mit Farbe und Fantasie hatten Alkordi, seine Kollegen und viele Freiwillige in den letzten Monaten aus der düsteren Haftanstalt eine fröhliche Herberge gemacht. Die Zellen sind nun hell und freundlich gestrichen. In einem Zimmer steht an der Wand "Freedom" mit einem Fragezeichen.

Auf harten Pritschen muss übrigens keiner liegen, verspricht Nina Schmitz von der Hilfsorganisation. "Die Matratzen sind super bequem." Eine Spende von einem Luxus-Bettenhersteller. Jedes Zimmer hat ein Klo. Die Duschen sind auf dem Gang. "Wie früher bei den Gefangenen auch", sagt sie.

So manches kann dem Hotelgast noch einen Schauer über den Rücken treiben: die Lautsprecheranlage im Zimmer. Kameras an jeder Ecke. Fenster, die man nicht öffnen kann. Und der Blick auf Stacheldraht. Doch keine Angst: Khaled Alkordi gibt jedem Gast einen Zimmerschlüssel: "Früher war es ein Ort der geschlossenen Türen", sagt er. "Nun ist es ein Ort der offenen Türen."

Annette Birschel, dpa

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