US-Flug Französischer Passagier wegen Streit um Beinfreiheit festgenommen

Neuer Kampf um den Knieraum: Ein französischer Passagier hat sich so heftig gegen eine zurückgestellte Sitzlehne gewehrt, dass ein Transatlantik-Flug in Boston zwischenlanden musste. Air Marshals legten dem Mann Handschellen an.

American-Airlines-Maschinen: Air Marshals beenden Eskalation an Bord
REUTERS

American-Airlines-Maschinen: Air Marshals beenden Eskalation an Bord


Boston - Die Enge im Flugzeug ist für Passagiere oft kaum zu ertragen. Doch Selbsthilfe - etwa mit einem umstrittenen Knee Defender ("Knie-Verteidiger") - ist auf US-Flügen verboten, das fiese Gerät sorgt derzeit für heftige Debatten. Nun heizt ein neuer Zwischenfall die Diskussion weiter an: Wegen Sitzstreitigkeiten wurde in dieser Woche wieder ein US-Flug umgeleitet. Wie die Behörden jetzt mitteilen, musste Mittwochnacht eine American-Airlines-Maschine von Miami nach Paris in Boston zwischenlanden. Ein französischer Passagier sei zunehmend ausfallend geworden und attackierte offenbar auch die Crew des Fliegers.

Der 61-jährige Pariser soll seinem Ärger Luft gemacht haben, als die Passagierin auf dem Sitz vor ihm ihre Rückenlehne zurückstellte. Als die Flugbegleiter versuchten, den Mann zu beruhigen, sei er einem Crewmitglied im Gang der Maschine gefolgt und habe nach dessen Arm gegriffen, teilen die Behörden mit. Zwei Sicherheitskräfte in Zivil, sogenannte Air Marshals, überwältigten den Franzosen und legten ihm Handschellen an.

Nach der Zwischenlandung in Boston wurde der Mann von der Polizei des US-Staats Massachusetts festgenommen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, weil er eigenen Angaben zufolge unter hohem Blutdruck und Diabetes leidet. Er wurde noch während seines Aufenthalts in dem Hospital vernommen. Ihm wird angelastet, die Flugzeugcrew behindert zu haben. Der Franzose muss sich deshalb nun vor den US-Behörden verteidigen. Eine Anhörung in der Sache wurde für Dezember angesetzt.

Erst am Dienstag war an Bord einer United-Airlines-Maschine ein Streit zweier Passagiere eskaliert. Wegen des Konflikts um einen "Knie-Verteidiger" musste ein Flieger von Newark nach Denver einen ungeplanten Zwischenstopp in Chicago einlegen.

bos/AP



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Holbirn 30.08.2014
1. Ihm drohen 3x 50 Jahre Haft
"Ihm drohen 3x 50 Jahre Haft", diesen Satz hatte die Redaktion wohl vergessen.
gankuhr 30.08.2014
2.
Ich verstehe diese Debatte nicht. Rückenlehnen haben ihren Drehpunkt logischerweise auf Höhe des Rückens, also knapp überhalb der Knie, wenn man davon ausgeht, das die Oberschenkel grade auf der Sitzfläche aufliegen. Demzufolge verringert eine zurückgestellt Rückenlehne den Raum für die Knie auch überhaupt nicht, sondern allenfalls die armfreiheit. Ausgenommen sind natürlich Menschen, die unglaublich lange beine haben, aber dafür müssten sie schon deutlich über 1,90m sein. Mir persönlich ist es daher völlig wumpe, ob die sitzlehne meines Vordermanns zurückgestellt ist oder nicht. Eine Ankündigung vor dem zurückstellen finde ich jedoch angebracht, um nicht irgendwelche Getränke umzuwerfen oder Laptops zu zerstören. Ich fürchte allerdings, dass es bei den meisten Streitigkeiten bei derlei Lappalien um das Prinzip geht. Nur und nochmal zu betonen: außergewöhnlich große Menschen nehme ich davon aus. Meinem letzten sitznachbarriesen habe ich auch selbstverständlicher Weise meinen Platz am Gang angeboten, als ich gesehen habe, wie er leidet.
Herr Hold 30.08.2014
3.
Am einfachsten wäre es doch, wenn sich die Rückenlehne einfach nicht mehr verstellen ließe. Wobei ich auch nicht verstehen kann, warum der "Zurückstellende" so bockig ist. Man hat eben wenig Platz und da kann ich mich eben nicht mal gemütlich ausbreiten.
dirk_bremen 30.08.2014
4. Noch weitere zwanzig Festnahmen...
...und die Berichterstattung von wenigfliegenden Redakteuren geht nicht mehr gegen grosse Menschen die in die engen Sitzreihen eingeklemmt sind. Wenn die Gerichte die Fluglinien zu Mindestabständen verurteilen würden, käme endlich wieder zu Frieden in der Luft. Es geht nicht um die Auswirkungen bei Fluggästen, sondern um die profitgierigen Fluglinien. P.S. Ich bin Vielflieger mit 1,95m und habe solche Szenen in den letzten Jahren schon oft gesehen. Einige Airlines haben mit Economy Plus schon reagiert. Etwas mehr Geld für mehr Beinfreiheit und Service der Economy Klasse.
svenman76 30.08.2014
5. Kompromiss
Für grosse Menschen, die sich ein Businessticket nicht leisten können, sind Vordersitze in Liegeposition ein echtes Ärgernis. Trotzdem muss man sich auch im Flieger zu schlafen legen können. Ich wäre dafür die Liegepostion auf Flugstrecken unter 90 min generell zu verbieten und auf längeren Strecken ab erreichen Reiseflughöhe für die Zeiten, in denen nicht gegessen wird zu erlauben. Das würde manchen Kampf im Flugzeug deeskalieren.
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