Ausgebrannter ICE Bahn plant eingleisigen Betrieb zwischen Frankfurt und Köln

Die Reparatur der Gleise auf der Bahnstrecke zwischen Köln und Frankfurt könnte noch Monate dauern. Doch die Lage für Reisende soll sich schon ab Samstag entspannen.

Gesperrte Bahnstrecke (am 12. Oktober)
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Gesperrte Bahnstrecke (am 12. Oktober)

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Reisende zwischen den Metropolen Köln und Frankfurt können aufatmen. Die Deutsche Bahn plant, am Samstagmorgen einen eingleisigen Betrieb auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke wieder aufzunehmen. Das erfuhr der SPIEGEL aus Bahnkreisen.

Am vergangenen Freitagmorgen war ein ICE auf der Fahrt nach München in Brand geraten. 510 Passagiere mussten den Zug nach einem Nothalt verlassen. Dabei entstanden an den Gleisen erhebliche Schäden durch die große Hitzeentwicklung. Dies gilt insbesondere für jenes Gleis, auf dem der brennende Zug stand. Aber auch das Gegengleis wurde beschädigt. Was die Reparatur komplizierter macht: Es handelt sich nicht um ein Schotterbett, auf das die Gleise verlegt wurden, sondern eine feste Betonfläche, weil diese besser geeignet ist für die bis zu 300 Stundenkilometer schnellen Züge, als die konventionelle Bauweise.

Die Verantwortlichen der Bahn haben sich deshalb dazu entschlossen, das Gegengleis mit einem Provisorium so zu reparieren, dass wieder Züge verkehren können. Auf der notdürftig reparierten Strecke können die Züge allerdings nur mit reduziertem Tempo fahren. Wie groß dadurch der Zeitverlust ist, wird derzeit berechnet. Er dürfte aber nur noch wenige Minuten betragen. Auf diese Weise hofft die Bahn, zwei Drittel des ursprünglichen ICE-Verkehrs auf der Schnellstrecke fahren lassen zu können. In der Nacht soll dann das Gleis vollständig wieder repariert werden.

Reparaturen könnten mehrere Monate dauern

Die Reparatur der Gleise, auf denen der brennende Zug stand, wird sich hingegen noch länger hinziehen. Derzeit untersuchen Bahnmitarbeiter, wie stark die Konstruktion unterhalb der Betonplatte durch die große Hitze in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Dazu bohren sie in den Untergrund und analysieren den Bohrkern auf mögliche Spuren, die durch den Brand entstanden sein könnten. Ergebnisse sollen bis zum Wochenende vorliegen.

Der Bahnvorstand steht dann vor einer schwierigen Entscheidung: Soll die gesamte beschädigte Stelle auf der Schnellstrecke provisorisch mit Schottergleis geflickt oder sogleich mit der Betonplatte repariert werden? Im schlimmsten Falle könnte es mehrere Monate dauern, bis auch das zweite Gleis wieder in Betrieb geht.

Die Ermittlungen zur Brandursache gehen indes weiter. Im Verdacht steht ein Transformator in dem ausgebrannten Waggon, der sich entzündet hat. In seiner heutigen Sitzung hat sich auch der Verkehrsausschuss des Bundestages mit dem Unglück des ICE befasst.

Für die Bahn bedeutet der Vorfall einen herben Rückschlag im Bemühen, die Zuverlässigkeit des Fernverkehrs wieder anzuheben. In den vergangenen Monaten ist die Pünktlichkeit immer weiter zurückgegangen. Durch die Umleitungen im Zuge des ICE-Brandes müssen die Bahnreisenden mindestens 90 Minuten längere Fahrtzeiten zwischen Köln und Frankfurt einplanen. Die Verzögerungen strahlen auf den Bahnverkehr im gesamten Bundesgebiet aus.

insgesamt 29 Beiträge
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marsman 17.10.2018
1. Peinlich
Am besten die ganze Bahn an die Chinesen verkaufen. Die wissen mittlerweile besser wie man Züge baut und würden die Strecke in ein paar Tagen reparieren. Deutsche Wertarbeit ist einfach nur noch peinlich. Da macht sich mittlerweile der schlechte Bildungsstand eines fetten, vollgefressenen, faulen Volkes bemerkbar - bitte im übertragenen Sinn verstehen -, dem Motivation und Ehrgeiz fehlen -nicht nur beim Fußball. Hauptsache man findet Sündenböcke, die an allem Schuld sind.
Silversurfer2000 17.10.2018
2. Mehrere Monate?
Für 30 Meter Gleis? Ich hoffe das ist nicht ernst gemeint.
muekno 17.10.2018
3. Unglaublich
muss #1 völlig recht geben. Es kann doch maximal um 500m Schiene und Oberleitung gehen, was daran Monate dauern soll ist mir schleierhaft, das muss in max 5 Tagen mit 24 Arbeit erlediget sein. Aber vermutlich muss da erst eine Baustelle eingerichtet werden dauert wie man vom Autobahnbau kennt 4 Wochen, 8 Wochen Reparatur mit 5 Hanserln auf Baustelle und 4 Wochen Baustelle auflösen und abnehmen. Erst die Tage auf der Autobahn Nbg, München erlebt. 10km beidseitige Baustelle jeweils mittlere Spur gesperrt, wegen arbeiten auf 200m am Mittelstreifen. Logischerweise deswegen Stau ohne Ende, Abgase dazu.
spon-facebook-10000015195 17.10.2018
4. Schotter oder Betongleis?
Allein die Überlegung der Bahn, ob nun das beschädigte Stück gegen ein Schottergleis getauscht werden soll ist schon absurd. Das würde bedeuten, dass die Züge auch nach der Reparatur nur nicht volle Geschwindigkeit fahren können. Jetzt wird sicher erstmal monatelang untersucht, was nun alles defekt ist und dann kommt raus, dass man doch alles austauschen muss. Ich glaube da fühlt sich keiner wohl, wenn da vielleicht Züge mit 300 Sachen über irgendwelches Flickwerk donnern. Und die Annahme, dass der eingleisige Betrieb nur Minuten an Verspätung kostet ist doch Wunschdenken. Wenn auf einer doppelspurigen Straße plötzlich eine Spur gesperrt wird, verursacht das auch keine Wartezeiten durch Ampelsteuerung. ;)
didi2212 17.10.2018
5. Mehrere Monate?
Werden die Betonplatten von einem Bildhauer gefertigt ?
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