Sicherheit an Flughäfen Bundesweiter Einsatz von Körperscannern geplant

Die umstrittenen Körperscanner werden nun doch bundesweit eingeführt: Neben bereits im Betrieb befindlichen Geräten an sechs deutschen Flughäfen sind weitere bestellt. Sie sollen bis zum Jahresende eingesetzt werden.

Körperscanner in Hamburg (Archiv): Bald bundesweiter Einsatz
DPA

Körperscanner in Hamburg (Archiv): Bald bundesweiter Einsatz


Berlin - Als vor knapp vier Jahren erstmals über den Einsatz von Körperscannern an deutschen Flughäfen diskutiert wurde, war die Empörung groß. Von "Nacktscannern" war die Rede, deren Einsatz die Privatsphäre und Menschenwürde der Durchleuchteten verletzten. Nach Pannen bei einer sechsmonatigen Erprobung in Hamburg wurden die Testgeräte größtenteils wieder entfernt - jetzt gibt es einen neuen Anlauf.

Tobias Plate, ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI), bestätigte SPIEGEL ONLINE einen entsprechenden Bericht des "Tagesspiegels", laut dem Körperscanner künftig in größerem Umfang als bisher zum Einsatz kommen sollen.

Bislang stehen 14 Scanner an sechs deutschen Flughäfen, in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München und Stuttgart. Sie werden derzeit vor allem zur Kontrolle von Passagieren, die in die USA und nach Israel reisen, eingesetzt, Das soll vorerst auch so bleiben. Die Nutzung sei und bleibe zudem freiwillig, sagte BMI-Sprecher Plate.

Weitere Geräte im kommenden Jahr

Zusätzlich zu den bereits eingesetzten Geräten würden 14 weitere "kurzfristig" - voraussichtlich bis Jahresende - in Düsseldorf, Stuttgart und am Flughafen Köln/Bonn installiert. Der "Tagesspiegel" berichtet von 75 weiteren Geräten, die im kommenden Jahr für Flughäfen mit internationalen Verbindungen ausgeliefert werden sollen. Diese Zahl wollte das BMI nicht bestätigen, die Größenordnung sei aber ähnlich.

Der Grund für den Einsatz von noch mehr Scannern seien Fortschritte in der Waffenentwicklung, sagte Sprecher Plate: Die Geräte des US-Herstellers L-3 seien in der Lage auch Sprengstoff oder neuartige, mit 3-D-Druckern hergestellte Waffen zu erkennen. Eine veränderte oder verschärfte Sicherheitslage gebe es nicht.

Die Geräte kosteten jeweils etwa 200.000 Euro pro Stück. Der Preis für Sprengstoffdetektoren, die man vermehrt beschaffen müsste, wenn man bei den bislang bei den Sicherheitskontrollen üblichen "Toren" bliebe, liege allerdings auch bei etwa 60.000 Euro.

Fehlalarme geringer geworden

Die Geräte seien "selbstverständlich" andere als jene, die vor ein paar Jahren in Deutschland erprobt wurden, sagte Plate. Frühere Probleme mit der Technik hätten reduziert werden können, hieß es bereits im November 2012, als ein neuer Testbetrieb in Frankfurt begann. Lag die Fehlerquote früher noch bei etwa 70 Prozent, lösten die Geräte jetzt nur noch bei etwas mehr als 50 Prozent aller Passagiere einen Fehlalarm aus.

Grundsätzlich würden in Deutschland seit jeher nur Scanner eingesetzt, die die durchleuchteten Fluggäste als Piktogramme anzeigten, sagte Plate. Die Akzeptanz bei den Passagieren sei auch deshalb sehr viel höher als früher.

Die Bundespolizei hatte in den Jahren 2010 und 2011 in einem Feldversuch am Hamburger Flughafen die ersten Bodyscanner getestet. Wegen der hohen Fehlerquote beim Scannen wurde der Test jedoch eingestellt.

Reduziertere Darstellung durchleuchteter Passagiere

Die ersten Scanner hatten auch für Empörung gesorgt, weil sie recht detaillierte Körperbilder der durchleuchteten Passagiere wiedergaben. Auf neueren Modellen werden nur eventuelle Fundstellen verdächtiger Gegenstände auf grafischen Darstellungen angezeigt.

Körperscanner können im Gegensatz zu Metalldetektoren auch Pulver, Flüssigkeiten oder andere potenziell gefährliche Gegenstände ohne Metallanteil entdecken. Wegen neuer Technologien könnten demnach auch Beschränkungen bei der Mitnahme von Flüssigkeiten bis Ende 2016 der Vergangenheit angehören, schreibt der "Tagesspiegel".

Laut der Zeitung arbeitet das Bundesinnenministerium unter anderem mit einem deutschen Unternehmen an der Entwicklung eines "Walk-Through-Security-Scanners", bei dem Passagiere im Vorbeigehen gescannt werden, ohne in eine Kabine treten und die Arme heben zu müssen.

emt/dpa/AFP

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 141 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
axlban 31.10.2014
1. Ein Glück
Dann hört die Rumgetatsche wenigsten auf. Was auf einer Urlaubsreise vielleicht noch ganz lustig ist, ist bei häufigen Flugreisen mehr als lästig. Hoffentlich wird damit die "Quote" auch abgeschafft!
zackenblitz 31.10.2014
2. Bin ich froh, nicht mehr so viel fliegen zu müssen...
...Dank der Anhänger der "Religion des Friedens" werden die Persönlichkeitsrechte überall auf der Welt in immer stärkerem Maße eingeschränkt. Leider wird viel zu selten auf die Urheberschaft all der negativen Entwicklungen der vergangenen Jahre hingewiesen. Einen Flug muss ich mir demnächst wohl noch geben: den weg aus dieser direkt in den totalitären Staat schlitternden Republik!
bucksatan 31.10.2014
3. Wurde auch Zeit!
Hoffentlich halten die Teile auch, was sie versprechen.
MartinS. 31.10.2014
4. ...
Zitat von zackenblitz...Dank der Anhänger der "Religion des Friedens" werden die Persönlichkeitsrechte überall auf der Welt in immer stärkerem Maße eingeschränkt. Leider wird viel zu selten auf die Urheberschaft all der negativen Entwicklungen der vergangenen Jahre hingewiesen. Einen Flug muss ich mir demnächst wohl noch geben: den weg aus dieser direkt in den totalitären Staat schlitternden Republik!
Na dann viel Erfolg, wenn sie tatsächlich der Meinung sind, dass es anderswo besser ist... Im Laufe der Jahre habe ich doch einiges gesehen. Und alles in allem kenne ich nur wenige Orte, an denen ich ähnlich viele Freiheiten in Verbindung mit guter Infrastruktur, einem entsprechenden Arbeitsmarkt, gemäßigtem Klima und den kleinen Annehmlichkeiten der Zivilisation geboten bekomme... Irgendwelche Einschnitte hat man eigentlich überall. Wer das nicht erkennen will, sondern nur dieses lächerliche "in Deutschland werden wir doch sowieso alle nur unterdrückt und ausgebeutet" bringt, der hat vielleicht auch ein kleines Problem mit dem Blick durch die rosarote Brille und recht ausgeprägten Vorurteilen. Sowas relativiert sich dann zumeist aber doch recht schnell wieder. Das reine Verlangen, hier wegzukommen, kann ich aber vollkommen nachvollziehen... mich stören ja vor allen Dingen meine deutschen Landsleute - soviel notorische Unzufriedenheit und Nörgelei habe ich noch nirgendwo sonst auf der Welt erleben dürfen. Ich bin aber Realist genug, um mir einzugestehen, dass ich dafür einiges an anderen Einschränkungen in Kauf nehmen muss.
ArnoNyhm1984 31.10.2014
5.
Da halte ich jede Wette dagegen! Nach einer kurzen Schamfrist fährt man die übliche Salamitaktik und macht das verpflichtend für alle. (So, wie ja auch die Maut fest versprochen allein für LKWs eingeführt wurde. Oder der Soli festversprochen nur temporär sein sollte. Oder die Stabilitätskriterien des Maasstricht-Vertrags fest versprochen eingehalten würden. Oder fest versprochen wurde, dass es keinen bail-out für andere EU-Staaten geben würde. Oder dass es fest versprochen eine Abmilderung der kalten Progression geben würde. Oder dass TTIP fest versprochen den Deutschen Vorteile bringen wird...)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.