Flugplanung der Lufthansa: Dominospiel im Tower

Die Flugplaner der Lufthansa haben auch ohne Streik alle Hände voll zu tun: Sie koordinieren den Einsatz des Personals und achten auf Meilengrenzen für die wichtigen Sicherheitschecks. Ein 24-Stunden-Ausstand, wie er für Freitag angekündigt ist, schmeißt alles durcheinander.

Flugbewegungen auf dem Radar: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort Zur Großansicht
DPA

Flugbewegungen auf dem Radar: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Frankfurt - Das Chaos im deutschen Flugverkehr ist unwiderruflich programmiert: Selbst wenn es noch zu einer Annäherung zwischen der Lufthansa und der Gewerkschaft Ufo käme, gilt für Freitag die im Internet veröffentlichte Streichliste. Rund 1200 von 1800 geplanten Lufthansa-Verbindungen fallen am Freitag aus, mehr als 40 waren es schon am Donnerstag, weitere 13 am Samstag.

Um die Komplexität des Lufthansa-Flugplans zu erfassen, schaut man am besten den Mitarbeitern im Kontrollzentrum des Drehkreuzes Frankfurt über die Schulter. Die Flugzeugkoordinatoren stehen vor einer Wand mit Monitoren, die jedem Börsenhändler zur Ehre gereichen würde. Bis zu 50 Starts in der Stunde werden bei der zentralen Steuerung Hub Control in Frankfurt abgewickelt, 21 verschiedene Dienstleister und andere Beteiligte müssen für jeden Flieger koordiniert werden.

Eine große Herausforderung sind aber vor allem die Umsteigeströme, die in mehreren Wellen täglich organisiert werden müssen. In gewisser Hinsicht ist der Flugplan wie ein Dominospiel: Sobald ein Stein umfällt, fallen ganz schnell weitere. Ein 24 Stunden währender Streik - wie er für Freitag angekündigt ist - schmeißt fast alle Steine um.

Die rund 1800 täglichen Lufthansa-Flüge zu mehr als 200 Zielen weltweit werden normalerweise einen Monat im Voraus geplant, wie ein Sprecher der Airline erklärt. Die Planer haben dabei eine Vielzahl von Parametern zu beachten. Dazu gehören der Einsatz des Personals und der Flugzeuge, die jeweils zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein müssen.

Per Shuttle-Flug zur Arbeit

Bei den Flugzeugen müssen die Mitarbeiter insbesondere die strengen Meilengrenzen für Inspektionen und Sicherheitschecks beachten. Ein Jet kann nicht auf eine mehrtägige Tour geschickt werden, wenn er in dieser Zeit in die Großinspektion muss.

Auch die Besatzung muss zur Maschine passen: Piloten haben wegen der komplexen und teuren Trainings meist nur die Zulassung für einen Typ. Andere Maschinen dürfen sie nach internationalem Flugrecht nicht im Passagierverkehr fliegen. Die Flugbegleiter sind in aller Regel auf drei Flugzeugtypen zugelassen. Für alle gelten strenge Ruhe- und Sozialvorschriften, persönliche Wünsche der Piloten und Stewardessen werden zumindest im normalen Betrieb berücksichtigt. Nicht wenige von ihnen "shutteln" auch zu ihren Einsätzen, nutzen also wie Umsteiger vorherige Flugverbindungen, um zur Arbeit zu kommen - eine weitere Fehlerquelle.

Wie viel die Vorkehrungen der Lufthansa bei dem Streik am Freitag nützen werden, bleibt abzuwarten. Schon am Donnerstag strich Deutschlands größte Airline mehr als 40 Verbindungen - der Grund: So will man sicherstellen, dass möglichst schnell wieder ein stabiler Flugplan steht, wenn der Streik erst vorbei ist.

Der Personalchef der Lufthansa Passage, Peter Gerber, gibt den Kurs vor: "Wir wollen am Samstag wieder ein vernünftiges Netz anbieten." Deswegen werden bereits am Donnerstagabend (deutscher Zeit) die Maschinen in Fernost stehengelassen. Sie heben 24 Stunden später ab, um dann Samstagfrüh in Frankfurt oder München zu landen. Dort warten dann - wenn alles klappt - bereits viele kleinere Jets, um die Fluggäste an ihr endgültiges Ziel zu bringen. Das Drehkreuz nimmt wieder Fahrt auf.

Fotostrecke

10  Bilder
Streik bei der Lufthansa: Flugausfälle in Frankfurt, Berlin und München

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
franko_potente 06.09.2012
Zitat von sysopDie Flugplaner der Lufthansa haben auch ohne Streik alle Hände voll zu tun: Sie koordinieren den Einsatz des Personals und achten auf Meilengrenzen für die wichtigen Sicherheitschecks. Ein 24-Stunden-Ausstand, wie er für Freitag angekündigt ist, schmeißt alles durcheinander. Komplexität von Flugplänen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,854368,00.html)
Man hätte ja auch mal nachgeben können, im vorfeld, und schwupss gäbe es keinen Streik. Nunja
2. Nochmal, vielleicht kommt es jetzt durch:
deuterius 07.09.2012
Auf dem Tower arbeiten Fluglotsen, die habe rein gar nichts mit der LH Creweinsatzplanung bzw. Flugzeugplanung zu tun. Radar verwendet die LH nicht, das ist ein Werkzeug der Fluglotsen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Aktuell
RSS
alles zum Thema Lufthansa-Streik
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare
  • Zur Startseite
Flugbegleiter: Bewerbung, Ausbildung, Gehalt
Was verdient man als Flugbegleiter bei der Lufthansa?
Während der knapp dreimonatigen Ausbildung gibt es nur eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 380 Euro pro Monat. Angehende Flugbegleiter müssen sich neue Koffer und Schuhe kaufen; für die komplette Garderobe zahlen sie einen Eigenanteil von rund 300 Euro. Das Einstiegsgehalt liegt bei 1533 Euro, hinzu kommen eine Schichtzulage in Höhe von 16,3 Prozent, Urlaubsgeld in Höhe von 1023 Euro und "Abwesenheitsgeld" in Höhe von 42 Euro pro Tag bei kontinentalen Flügen und 48 Euro pro Tag bei interkontinentalen Flügen. Für Flugbegleiter, die bei dem Personaldienstleister Aviation Power angestellt sind, gelten andere Regeln.
Was ist der Unterschied zwischen Lufthansa und Aviation Power?
Die Arbeit ist identisch, Bezahlung und Ausbildung sind es nicht. Aviation Power ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Technik und der Zeitarbeitsfirma Manpower. Ihre Flugbegleiter werden als Leiharbeiter für zwei Jahre zur Lufthansa entsandt. Sie haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag, aber nicht mit Lufthansa, sondern mit Aviation Power. Wenn sie nach zwei Jahren weiter in Lufthansa-Flugzeugen arbeiten wollen, müssen sie neu anheuern - erhalten aber wieder nur das Einstiegsgehalt. Und für das müssen sie neun Prozent mehr arbeiten als Lufthansa-Flugbegleiter. Gespart wird auch bei der Ausbildung: Die Leiharbeiter werden nur sechs statt zwölf Wochen geschult und statt drei Trainingsflügen gibt es nur einen.
Wer kann sich bewerben?
Bewerben kann sich jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, eine abgeschlossene Schulausbildung hat, Deutsch und Englisch fließend spricht und mindestens 1,60 Meter groß ist. Weitere Bedingungen: Angemessenes Körpergewicht und eine Sehschärfe zwischen plus und minus fünf Dioptrien. Außerdem sollen die Interessenten bereit sein zu Schichtdiensten und einen Rechner mit Internet haben.
Wie bewirbt man sich?
Bewerben kann man sich online über die Internetseite der Lufthansa - auch für Stellen, die vom Personaldienstleister Aviation Power ausgeschrieben sind. Bewerber müssen einen Internettest, ein Telefoninterview und ein Assessment-Center überstehen.
Was lernt man dort?
Die Zwölf-Wochen-Ausbildung bei Lufthansa besteht aus einem Online-Vorkurs, Training am Boden und drei internationalen Einweisungsflügen. Das Training am Boden findet in einer unbeweglichen Attrappe statt - einem Schulungsraum mit Business-Class-Sitzen, nachempfundenen Flugzeugfenstern auf der einen und einer Glaswand auf der anderen Seite plus Bordküche. Zu den Praxisübungen gehören: Feuer löschen, Fluggäste über Rettungsrutschen sicher aus dem Flugzeug bringen, aufgebrachte Gäste beruhigen. Dazu kommen Theoriekurse etwa über Weinkunde oder professionelles Auftreten.
Gibt es eine Abschlussprüfung?
In den Kursen stehen die angehenden Stewardessen und Stewards unter ständiger Beobachtung. Mit Multiple-Choice-Tests und praktischen Übungen wird das Wissen und Können am Ende der Ausbildung geprüft.
Welche Kleidervorschriften gibt es?
Flugbegleiter bei der Lufthansa tragen Röcke oder Hosen mit weißen oder dunkelblauen Blusen und gelben oder blauen Tüchern. Bei Frauen sind Schuhe mit Absätzen vorgeschrieben: Sie dürfen nicht niedriger als fünf und nicht höher als sieben Zentimeter sein. Röcke dürfen nicht kürzer sein als etwa zwei Finger breit über dem Knie.
Twitter zu Lufthansa

Infos zum Flugverkehr und Reiseveranstalter
Flughäfen
Fluglinien
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Airlines auf diesen Websites bekannt:

Air Berlin: 01805-737800
Air France: 0180-5830830
British Airways: 01805-266522
Condor: 0180-5767757
Germanwings: 0900-1919100
Iberia: 01805-442900
Lufthansa: 01805-805805
Ryanair: 0900-1160500
SAS Scandinavian Airlines: 01805-117002
Southwest Airlines
Tuifly: 0900-10002000
United Airlines: 069-50070387

Bei Anrufen aus dem Festnetz an die 01805-Nummern entstehen Kosten von 0,14 Euro/Minute, an die 0900-Nummer von bis zu 0,99 Euro/pro Minute.
Reiseveranstalter
TUI: 01805/884266
Thomas Cook: 01803/607090
Neckermann: 01803/901045
Alltours: 0203/3636360
Dertours: 01805/337666
FTI: 01805/384500
L'tur: 00800/21212100
Schauinsland: 0203/994050
ITS: 01805/670130
Tjaereborg: 01805/670140
Jahn: 01805/670120

Fotostrecke
Skytrax-Ranking: Die besten Flughäfen der Welt