Piloten-Krankmeldungen Rund 8000 Air-Berlin-Kunden von Stornos betroffen

Rund 200 Piloten von Air Berlin haben sich krankgemeldet - und 8000 Passagiere sind nun von Flugausfällen betroffen. Verbraucherschützer raten zu Umbuchungen von stornierten Flügen.

Air-Berlin-Flugzeuge in Tegel (Archivbild)
dapd

Air-Berlin-Flugzeuge in Tegel (Archivbild)


Wegen vieler Krankmeldungen ihrer Piloten hat die Fluggesellschaft Air Berlin am Dienstag bereits hundert Flüge streichen müssen. Damit seien rund 8000 Passagiere betroffen, teilte die Airline mit. Air Berlin bat alle Passagiere, vor der Abfahrt zum Flughafen den Status ihres Fluges auf der Website der Fluggesellschaft zu prüfen. 200 der rund 1500 Piloten hätten sich quasi gleichzeitig krankgemeldet.

  • Allein an den Drehkreuzen Düsseldorf und Berlin-Tegel fielen nach Betreiberangaben jeweils 20 Abflüge aus.
  • In München annullierte Air Berlin am Dienstag 8 der 35 vorgesehenen Starts am zweitgrößten deutschen Flughafen.
  • In Hamburg wurden bis zum frühen Nachmittag zwölf Abflüge und elf Ankünfte von Air Berlin sowie von Germanwings und Eurowings gestrichen, wie eine Sprecherin des Flughafens mitteilte. Wie viele im Laufe des Tages noch hinzukommen, sei für den Flughafen nicht vorhersehbar. Mittags würden die Crews gewechselt, und es hänge davon ab, wie viele Piloten dann zur Arbeit erscheinen. Air-Berlin-Maschinen und -Piloten fliegen auf Mietbasis auch für Eurowings und Germanwings, deren Flüge damit ebenso ausfallen können.
  • In Stuttgart seien 34 Starts und Landungen ausgefallen, teilte der Stuttgarter Flughafen mit. Vier davon seien von Air Berlin gewesen und 30 von Eurowings/Germanwings.
  • In Nürnberg gab es, abgesehen von Verspätungen, keine Beeinträchtigungen der zehn planmäßigen Abflüge.

"Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste", erklärte Air Berlin. Betroffenen werde die "bestmögliche Reisealternative" angeboten. Passagiere, deren Flüge Teil einer Pauschalreise sind, sollen sich demnach an den Reiseveranstalter oder das Reisebüro wenden.

Bei einer Annullierung ihres Fluges sollten Air-Berlin-Kunden auf eine Umbuchung bestehen, rät das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland in Kehl. Die insolvente Fluggesellschaft erstattet nämlich keine Tickets mehr. Daher ist es besser, auf eine Umbuchung zu bestehen, als auf eigene Kosten einen Ersatzflug zu buchen. Auf diesen Kosten bleiben Flugreisende wahrscheinlich sitzen.

Auch sollte wenn möglich kein Gepäck mehr bei Air Berlin aufgegeben werden. Denn geht ein Koffer verloren oder wird beschädigt, so die Verbraucherschützer, bleibe der Kunde wohl auf seinem Schaden sitzen.

Erst am Montag hatte Air Berlin bekannt gegeben, ihrKaribik-Flugprogramm ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen. Flüge auf die Niederländischen Antillen, nach Cancún in Mexiko, Havanna und Varadero in Kuba sowie in die Dominikanische Republik entfielen damit. Hintergrund sei die im Insolvenzverfahren nötige Reduzierung der Langstreckenflotte.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen an die Berliner eingestellt hatte. Noch bis zum 15. September können Kaufangebote für die Fluggesellschaft abgegeben werden. Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline könnte schon am 21. September fallen.

abl/dpa/AFP



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cmann 12.09.2017
1. Ich hoffe der Schuss geht nach hinten los,
Es ist aus meiner Sicht unerträglich wie sich Piloten und deren Vertreter (Cockpit) versuchen auf Kosten der Allgemeinheit zu bedienen. Letzlich spekulieren diese Leute auf Zahlungen durch den "Steuerzahler". Wenn der Staat endlich eine konsequente Politik gegen diese Erpressungsversuche durch Arbeitsverweigerung durchzieht, gibt es eben ein paar Flüge weniger und man muss eben auf andere Linien ausweichen die nicht auf Kosten und mit Unterstützung der Allgemeinheit fliegen. Man stelle sich vor in anderen Industriezweigen würde ein derartiges Verhalten zum Alltag gehören. Dann können wir in Deutschland den "Laden" so langsam zu machen.
Hans58 12.09.2017
2.
Zitat von cmannEs ist aus meiner Sicht unerträglich wie sich Piloten und deren Vertreter (Cockpit) versuchen auf Kosten der Allgemeinheit zu bedienen. Letzlich spekulieren diese Leute auf Zahlungen durch den "Steuerzahler". Wenn der Staat endlich eine konsequente Politik gegen diese Erpressungsversuche durch Arbeitsverweigerung durchzieht, gibt es eben ein paar Flüge weniger und man muss eben auf andere Linien ausweichen die nicht auf Kosten und mit Unterstützung der Allgemeinheit fliegen. Man stelle sich vor in anderen Industriezweigen würde ein derartiges Verhalten zum Alltag gehören. Dann können wir in Deutschland den "Laden" so langsam zu machen.
Mit was oder womit bedienen sich denn die kranken Mitarbeiter der AB? Es ist nichts neues in der Luftfahrt, wenn sich Mitarbeiter "zu Hauf" krank melden, um damit auf ihre Arbeitsprobleme etc. hinzuweisen. http://www.spiegel.de/karriere/tuifly-mitarbeiter-melden-sich-krank-ist-das-ein-wilder-streik-a-1115393.html Diese Art von Krankmeldungen sind allerdings nicht mehr und nicht weniger als nicht angemeldete Streikmaßnahmen, solange sie unter drei Tage lagen (so der Arbeitsrechtler in dem von mir verlinkten SPON-Artikel).
latrodectus67 12.09.2017
3. Tarifeinheitsgesetz
Dank der Lex GdL (von Frau Nahles, SPD) und der Präsenz von ver.di hat die Gewerkschaft Cockpit absolut nichts mehr zu melden bei der AirBerlin. Ich finde es sehr wohl nachvollziehbar, dass Arbeitnehmer sich wehren. So hat die Gewerkschaftsbewegung auch im 19.ten Jahrhundert ihren Anfang gefunden. Die Position der Pfaffen von damals, übernehmen heute die großen Gewerkschaften. Als Büttel und um ihre eigenen Pfründe zu verteidigen, aber mitnichten um für die Mitglieder was zu machen. Ich drücke den Piloten die Daumen.
kumi-ori 12.09.2017
4.
Zitat von Hans58Mit was oder womit bedienen sich denn die kranken Mitarbeiter der AB? Es ist nichts neues in der Luftfahrt, wenn sich Mitarbeiter "zu Hauf" krank melden, um damit auf ihre Arbeitsprobleme etc. hinzuweisen. http://www.spiegel.de/karriere/tuifly-mitarbeiter-melden-sich-krank-ist-das-ein-wilder-streik-a-1115393.html Diese Art von Krankmeldungen sind allerdings nicht mehr und nicht weniger als nicht angemeldete Streikmaßnahmen, solange sie unter drei Tage lagen (so der Arbeitsrechtler in dem von mir verlinkten SPON-Artikel).
Ich finde das grundverkehrt. Arbeitskampf und Krankheit darf man nicht vermischen. Ich bin sehr froh, dass wir in Detschland ein System haben, bei dem ich auch mal in der Früh anrufen kann, dass es mir schlecht geht und ich dafür ohne weitere Kontrollen und ohne Lohnabzug zu Hause bleiben kann. Wenn die Piloten hier den Hanswurst machen und auf so eine läppische Art und Weise diese Regelung ausreizen, weil sie einfach den Hals nicht vollkriegen, dann gefährden sie letzten Endes die bisherige Großzügigkeit, und wir alle müssen beim nächsten Schnupfen vom ersten Tag an drei Stunden lang im Wartezimmer sitzen, um uns eine Krankschreibung zu holen. Aber Air Berlin löst das ja auf seine Art und Weise. Wahrscheinlich dürfen die Air Berlin-Piloten bald ganz lange ihre Wehwehchen auskurieren, und ich sage ganz offen: in diesem Falle bin ich da gar nicht so unglücklich darüber.
gnaeuspompeius 12.09.2017
5. Gefälligkeitskrankschreibungen
Eine gute Gelegenheit endlich etwas gegen Gefälligkeitskrankschreibungen auf Kosten der Versicherten, Kollegen und Unternehmen zu machen.
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