Stuttgart - Der rot-weiß gestreifte kleine Leuchtturm auf dem Podest macht sich gut zwischen den Ständen des Messebereichs "Kreuzfahrt - & SchiffsReisen". Allerdings ist er nur ein Lückenfüller für das Unternehmen Costa Kreuzfahrten, das mit dem Schiffsunglück der "Costa Concordia" in die Schlagzeilen geraten ist. Die am Donnerstag eröffnete Sonderschau auf der Stuttgarter Urlaubsmesse CMT muss ohne die Reederei auskommen.
CMT-Sprecher Axel Recht bedauert das Fehlen der Reederei: "Wir hätten Costa als großen Anbieter gerne dabei gehabt." Einen Besucherrückgang befürchten die Messeveranstalter wegen des Schiffsunglücks mit bislang elf Toten jedoch nicht.
Das gekenterte Kreuzfahrtschiff beschäftigt die Besucher aber ebenso wie die Aussteller. Viele Menschen fangen damit ein Gespräch an, sagt der Geschäftsführer des Reisebüros "Treffpunkt Schiff", Rainer Nuyken.
Von ihren Urlaubsplänen lassen sich die Besucher aber trotz allem nicht abbringen. Bereits kurz nach Eröffnung der Messe sind die Gänge voll, viele Pärchen blättern in den Hochglanzmagazinen der Reedereien. "Wir sind schon öfter mit Costa unterwegs gewesen und haben immer gute Erfahrungen gemacht", sagt eine Besucherin. Ursula Oehl hat bereits acht Kreuzfahrten hinter sich und plant gerade die neunte. "Es gibt ja noch andere Schiffe auf dem Markt", sagt sie. Ihre Vorliebe für Kreuzfahrten beeinträchtige das Unglück "in keinster Weise".
Der italienische Kapitän als Witzfigur
Am Messestand von Carnival Cruise Lines und Princess Cruises seien kurz nach Ausstellungsbeginn bereits über 40 Gruppen gewesen, die sich für eine Reise interessierten. "Bis auf zwei, die selber eine Fahrt auf der 'Costa Concordia' gebucht haben, hat keiner das Unglücksthema angesprochen", sagt Anne Beinder, deren Marketingfirma den Stand für die Reedereien betreut.
Einige Besucher witzeln über den Kapitän der "Costa Concordia", Francesco Schettino. Wenn Rainer Nuyken Sprüche hört wie "Haben Sie auch italienische Kapitäne?", kann er nur den Kopf schütteln. "Wir sind uns alle einig, dass es menschliches Versagen war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das noch einmal vorkommt", sagt Nuyken.
Viele Aussteller wollen sich gar nicht zu dem Thema äußern. Sebastian Graetz, Marketingberater im Kreuzfahrtwesen, erklärt das so: "Viele sagen: Blenden wir das Thema aus - weil sie sich auch teilweise überfordert fühlen." Und er fügt hinzu: "Außerdem ist es eine Verkaufs- und Motivationsmesse, da passt das nicht dazu." Graetz vermutet: "Vielleicht kommen zehn Prozent weniger Zufallsgäste, aber der interessierte Gast kommt sowieso - und sei es nur, um zu tratschen."
dkr/dpa
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