Kreuzfahrten Das Virus fährt mit

Alarm auf der "Ryndam": Mehr als hundert Passagiere des US-Kreuzfahrtschiffes wurden vom Noro-Virus befallen und mussten in ihren Kabinen bleiben. Angriffslustige Erreger fahren immer wieder auf Kreuzfahrtschiffen mit - die "Ryndam" traf es bereits mehrfach.


Diese Seefahrt war für einige Reisende der "Ryndam" gar nicht lustig: Auf dem Luxuskreuzer der Holland America Cruise Line, unterwegs zwischen San Diego und Mexiko, hat es 104 Passagiere und sechs Mitglieder der Besatzung erwischt. Sie infizierten sich mit dem Noro-Virus, der Übelkeit, schwallartiges Erbrechen, Durchfall und Schwindel auslöst. Den Rest der Reise mussten sie in ihren Kabinen verbringen. Insgesamt hatte das Schiff 1266 Passagiere und 556 Besatzungsmitglieder an Bord.

Im Gegensatz zu einer normalen Magen-Darm-Erkrankung kann das Noro-Virus bei Risikopatienten wie ältere Menschen und Babys wegen des starken Flüssigkeitsverlustes zum Tod führen.

Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Altenheime - überall dort, wo Menschen auf beschränktem Raum zusammenleben, verbreiten sich Infektionskrankheiten rasend schnell. Die Besatzungen von Kreuzfahrtschiffen haben immer wieder mit dem Erreger zu kämpfen. Auf der "Queen Victoria" verbreitete sich zum Jahreswechsel ein Magen-Darm-Virus bei 70 Reisenden. Auf der "Queen Elisabeth 2" erkrankten im Januar vergangenen Jahres 300 Passagiere.

Oft reicht schon ein kranker Passagier, der das Virus mit an Bord bringt, um vielen anderen den Urlaub zu verderben. "Das Virus ist besonders schwer zu entfernen, weil es eine hohe Umweltstabilität hat. Es verbreitet sich leicht, weil die Infektionsdosis sehr gering ist" sagt Susanne Glasmacher, Biologin am Robert-Koch-Institut in Berlin. "Gerade wenn Menschen auf engem Raum zusammen sind und sich Toiletten teilen, wie es auf Kreuzfahrtschiffen der Fall ist, setzen sich Viren auf Türgriffen, Treppengeländern, Toiletten und Stühlen fest."

Auch das ist wahrscheinlich ein Grund, warum die "Ryndam" zum wiederholten Mal mit dem Virus befallen war. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC grassierte das Virus bereits im vergangenen Jahr drei Mal auf dem Luxusdampfer. Nach der Liste der internationalen Kreuzfahrtschiffe war das Schiff damit weltweit der Spitzenreiter.

Vor allem in den Wintermonaten macht sich das Noro-Virus auf Kreuzfahrtschiffen breit. Nach Auskunft der CDC sind weltweit schon in diesem Jahr 700 von insgesamt 9274 Passagieren auf sechs Schiffen am Noro-Virus erkrankt. Im Vorjahr grassierte das Virus auf mindestens 13 Schiffen. Auf einigen Kreuzfahrtschiffen brach das Virus dreimal aus.

Die Viren sind auch außerhalb des Körpers resistent und überleben oft das desinfizierende Schrubben der Putzkolonnen. "Kreuzfahrtschiffe bieten günstige Konditionen für die Viren. Wie auf einer Krankenstation leben viele Menschen beieinander - wenn auf Krankenstationen ein Virus ausbricht, müssen sie oft komplett geräumt und gründlich desinfiziert werden," sagt Susanne Glasmacher.

Um zu verhindern, dass die Viren sich verbreiten, fordern Kreuzfahrtgesellschaften ihre Reisenden immer wieder dazu auf, ihre Hände zu waschen.

Auf der "Ryndam" mussten die Kranken in ihren Kabinen bleiben. Sie erhielten pro Tag 67 Euro Entschädigung. Mittlerweile haben Putzkolonnen auf dem Ozeanriesen alle Lichtschalter, Türklinken und Fahrstuhlknöpfe desinfiziert, und das Schiff ist wieder auf dem Weg nach Mexiko. Die Reisenden lassen sich von den Horrornews der schwimmenden Virenschleudern nicht aufhalten: Von den 1340 neuen Passagieren entschieden sich nur zwei, die Reise nicht anzutreten.

sta/AP



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