Reiserecht für Kreuzfahrer  Trinkgeld darf nicht automatisch eingezogen werden

So viel "Service" darf nicht sein: Eine automatische Abbuchung des Trinkgeldes vom Bordkonto des Passagiers durch den Kreuzfahrtanbieter ist laut Gerichtsurteil ohne ausdrückliche Erlaubnis unzulässig.

Trinkgelder auf hoher See
Jens Kalaene / TMN

Trinkgelder auf hoher See


Kreuzfahrtanbieter dürfen nicht automatisch Trinkgelder von ihren Kunden einziehen. Damit entschied das Landgericht Koblenz im Sinne der klagenden Verbraucherschützer, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mitteilte. Verbraucher müssen einem Trinkgeld demnach ausdrücklich zustimmen.

Die Rechtsreferentin des vzbv, Kerstin Hoppe, erklärte, in der Kreuzfahrtbranche sei es "gängige Praxis, die Endpreise durch versteckte Trinkgelder zu erhöhen". Dem sei nun eine Grenze gesetzt. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht.

Im verhandelten Fall hatte der Reiseanbieter automatisch zehn Euro pro Person und Nacht als Trinkgeld vom Bordkonto der Reisenden abgebucht. Das Unternehmen verwies auf eine entsprechende Regelung in den Geschäftsbedingungen. Im Reiseprospekt wurde darauf hingewiesen, dass die Zahlung an der Rezeption gekürzt, gestrichen oder erhöht werden könne.

Dagegen klagten die Verbraucherschützer - mit Erfolg: Nach Ansicht des Landgerichts müssen Kunden einer Zahlung, die über die Hauptleistung hinausgeht, ausdrücklich zustimmen. Das war im vorliegenden Fall aber nicht gegeben. Nach Auffassung des Richters verstieß das Unternehmen damit gegen das Gebot der Ausdrücklichkeit.

ele/dpa/AFP



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frenchie3 11.12.2017
1. In manchen Ländern
kommt am Ende automatisch ein Servicezuschlag auf die Rechnung, wer das nicht weiß kann da schon mal erschrecken. Aber Trinkgeld - nee, das ist kein Servicezuschlag sondern ein Dankeschön für eine freundliche Bedienung. Mal sehen ob das Urteil bestehen bleibt
twiglees 11.12.2017
2. Amerikanische Trinkgeldsitten
Dieses Raubrittertum mit den Trinkgeldern geht mir schon lange gegen den Strich. Da lobe ich mir die asiatische Kultur, in der die Gabe eines Trinkgelds als Beleidigung ansieht. Dagegen haben die amerikanischen Arbeitsgeber sich angewöhnt, ihren Angesellten im Service kar kein Gehalt oder nur einen Hungerlohn zu zahlen und erwarten dann, dass der Kunde sich erbarmt, über ein Trinkgeld die Bezahlung seiner Arbeitskräfte zu übernehmen. Dort eine Trinkgeldzahlung zu verweigern, hieße dann, den armen Menschen umsonst arbeiten zu lassen. Kritisch wird es dann, wenn die unterschiedlichen Kulturen wie z.B. bei einer Schiffsreise zusammentreffen. Was für den Amerikaner ganz normal ist, nämlich das Geld einfach einzuziehen, ist für uns eine Unverschämtheit. Denn für uns ist Trinkgeld eine freiwillige Leistung, um über dem Durchschnitt liegenden Service zusätzlich zu honorieren. Gut, dass der Gesetzgeber für in Europa abgeschlossene Reiseverträge dieser Unsitte einen Riegel vorgeschoben hat. Allerdings wäre zu wünschen, dass aufgrund dieses Urteils auch die Gehaltszahlungen an die Servicekräfte angehoben haben. Ich befürchte, dass dies nicht passiert. Was meinen Verdacht erhärtet, dass die bisher abgebuchten Trinkgelder wohl doch in die Kasse der Reederei geflossen sind.
komatzu 11.12.2017
3. unverschämt
die Frage ist doch wieviel von dem Trinkgeld wirklich bei den arbeitenden Personal ankommt und nicht in den Taschen des Anbieters landet. dann sollen sie es eben gleich auf den preis aufschlagen. ich gebe lieber persönlich und erwarte dann auch dass die Arbeiter im Hintergrund (köche usw) beteiligt werden.
pr8kerl 12.12.2017
4. Cunard macht das ganz automatisch so
Gebucht habe ich meine Queen Mary 2 Reise über Cunard England. Die Reise startete und endete in Hamburg, führte dann über internationale Gewässer nach Norwegen. Welches Recht gilt jetzt?
hexenbesen.65 12.12.2017
5.
ob das "Trinkgeld" auch an die Beschäftigten geht, ist auch ne Frage... wohl eher nicht. Und dann seh ich nicht ein, nochmal "extra" was zu geben (quasie zweimal Trinkgeld). Als wir auf einer KF waren -und wir haben darauf geachtet, dass keine Gebühren eingezogen werden (weil ich das auch ne Unverschämtheit finde....2500 Euro für 11 Tage Schiff PLUS nochmal 110 Euro Trinkgeld---äh versteckte Buchungserhöhung), da haben wir den Leuten (Servicepersonal, Stuarts usw) das Trinkgeld persönlich zukommen lassen. (Und an der Rezeption stand extra ein "Schweinchen" für ALLE Crew-Mitglieder-auch für die Leute in der Wäscherei usw ) .. DAS finde ich in Ordnung.
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