Kreuzfahrtmarkt Reedereien bauen Angebot ab deutschen Häfen aus

Das Interesse an Kreuzfahrten nimmt stetig zu. Im vergangenen Jahr gingen bereits 1,69 Millionen Deutsche an Bord von Aida und Co. Dabei sind nicht nur Mittelmeertrips gefragt: Die Reedereien verstärken ihre Flotten vor allem im Norden.

"Costa Pacifica": Ab Mai legt das Kreuzfahrtschiff von Kiel ab
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"Costa Pacifica": Ab Mai legt das Kreuzfahrtschiff von Kiel ab


Berlin - "Kreuzfahrten bleiben weiter sexy", sagte Michael Ungerer, Deutschland-Vorsitzender des Kreuzfahrtverbandes CLIA und Aida-Chef, auf der Reisemesse ITB in Berlin. Im Hochseebereich konnten die Reedereien in Deutschland im vergangenen Jahr einen Passagierrekord verbuchen: Die Zahl der Gäste stieg um 9,2 Prozent auf 1,69 Millionen.

Laut der Studie von CLIA und des Deutschen Reiseverbandes (DRV) war das Wachstum im Vorjahr mit 11,2 Prozent allerdings noch etwas stärker. Beim Umsatz gab es 2013 einen leichten Rückgang von 2,6 Milliarden Euro auf rund 2,5 Milliarden Euro. Die Zahlen sind laut DRV jedoch nur schwer miteinander vergleichbar, da die Methode der Datenerhebung verändert worden sei. Richtig ist jedoch, dass im Nachgang zum Untergang der "Costa Concordia" viele Reedereien ihre Preise senken mussten, um ihre Schiffe zu füllen.

Weiter zu kämpfen hatten die Anbieter von Flusskreuzfahrten. Die Zahl ihrer Passagiere ging im vergangenen Jahr um 6,9 Prozent zurück. Laut DRV und IG RiverCruise litt vor allem Ägypten darunter, dort gab es einen Rückgang von mehr als 40 Prozent oder 40.000 Passagieren. Gleich zwei Unternehmen haben daher angekündigt, sich aus diesem Markt zurückzuziehen: Viking und TUI mit seinen vier Schiffen der Marke Flussgenuss.

Am liebsten durchkreuzten die Deutschen - die im Schnitt etwas älter als 58 Jahre alt sind - im vergangenen Jahr das Mittelmeer. Aber auch Touren nach Nord- und Westeuropa sowie in die Ostsee sind beliebt: Da ist zum einen die spektakuläre Landschaft, die zum Beispiel die norwegische Küste bietet. Dazu kommt ein Schuss Abenteuer, wenn es ganz in den Norden bis zum Nordkap oder nach Spitzbergen geht. Zum anderen spielt ein ganz praktischer Aspekt eine Rolle: Lange Anfahrtswege zum Hafen fallen weg - Hamburg, Kiel oder Warnemünde liegen für viele vor der Haustür.

Bei den beliebtesten Fahrtgebieten liegen die Region um Norwegen, Island, Grönland und Spitzbergen seit langem hinter dem Mittelmeer auf Platz zwei. Daran hat sich auch 2013 nichts geändert, 14,5 Prozent aller Kreuzfahrten der Deutschen führten dorthin. Der Abstand zum Mittelmeer (33,5 Prozent) ist gleichwohl noch groß. Die Ostsee kommt auf 9,5 Prozent, Westeuropa-Fahrten auf 8 Prozent.

Boom in deutschen Häfen

Dass Abfahrten ab Deutschland im Trend liegen, bestätigen auch die Reedereien - und sie reagieren: Costa Crociere zum Beispiel setzt in diesem Sommer zum ersten Mal drei Schiffe für die Nordregion ab Deutschland ein.

  • Am 30. April kommt die "Costa Pacifica" für den Sommer nach Kiel. Geplant sind von dort aus elf Abfahrten, sieben davon führen zu den Metropolen an der Ostsee, die weiteren vier gehen nach Spitzbergen und an das Nordkap.
  • Am 31. Mai wird die "Costa Mediterranea" zum ersten Mal Hamburg anlaufen und dann bis Ende August von dort aus ihre Kreuzfahrten in die norwegischen Fjorde und ans Nordkap starten.
  • Und wie im vergangenen Jahr wird die "Costa Fortuna" von Mai bis August mit siebentägigen Kreuzfahrten sowohl die Ostsee-Metropolen anfahren als auch in die norwegischen Fjorde aufbrechen.

Aida Cruises startet bereits am 8. März mit der "Aida Sol" in die neue Kreuzfahrtsaison in Hamburg. Insgesamt sind sechs Aida-Schiffe von Hamburg, Kiel und Warnemünde aus auf 13 verschiedenen Routen unterwegs. 112 Abfahrten sind ab den norddeutschen Städten geplant.

MSC setzt im kommenden Jahr ein größeres Schiff ab Hamburg ein. Fährt 2014 noch die kleinere "MSC Magnifica" mit maximal 2500 Passagieren, kommt 2015 die "MSC Splendida" für rund 3200 Passagiere zum Einsatz. Man reagiere damit auf die gute Buchungslage für diesen Sommer. Die "MSC Magnifica" läuft Hamburg 2014 insgesamt 22 Mal an. Die Reisen führen unter anderen nach Norwegen, Island, Spitzbergen, in die Ostsee und zu den britischen Inseln.

Royal Caribbean stationiert im Sommer mit der "Legend of the Seas" erstmals ein Schiff in Hamburg. Den Auftakt macht eine 14-Nächte-Fahrt von Stockholm in die Hansestadt. Im Anschluss stehen vier Sieben-Nächte-Fahrten in die norwegischen Fjorde auf dem Programm, bevor es wieder über den Atlantik geht.

Aufgrund der großen Nachfrage nach Nordland-Reisen setzt TUICruises im Sommer 2014 zwei Schiffe in dieser Region ein. Ab Juni gehen die "Mein Schiff 1" und "Mein Schiff 2" von Hamburg beziehungsweise Kiel auf Kurs Richtung Südnorwegen, Nordkap, Spitzbergen und Island.

Angesichts des Booms wird es vor allem im Hamburger Hafen mit seinen bislang zwei Kreuzfahrtterminals eng. In diesem Jahr sind 191 Schiffsanläufe geplant, 2013 waren es noch 177. Gut 600.000 Passagiere werden ein neuer Rekord sein. Deshalb hat die Bürgerschaft Anfang des Jahres den Bau eines dritten Terminals auf der südlichen Elbseite beschlossen. Dieses könnte bereits 2015 in Betrieb gehen. Mittelfristig rechnen Experten mit mehr als einer Million Passagiere, die auf immer größeren Schiffen die Hansestadt ansteuern.

Michael Zehender/dpa/abl

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