Nepal Behörden warnen vor neuem Massenansturm am Everest

Am Samstag starben vier Bergsteiger auf dem Mount Everest, dieses Wochenende wollen wieder 200 Alpinisten den höchsten Gipfel erklimmen. Die nepalesische Regierung warnt eindringlich vor dem Massenansturm - und Bergsteigerlegende Reinhold Messner rechnet mit weiteren Toten.

Mount Everest: Die Zahl der Alpinisten nimmt ständig zu
AFP

Mount Everest: Die Zahl der Alpinisten nimmt ständig zu


Katmandu/Köln - Nach dem Tod von vier Bergsteigern am Mount Everest haben die Behörden in Nepal Bedenken angesichts eines drohenden Massenansturms geäußert. Für das kommende Wochenende müsse erneut mit rund 200 Bergsteigern gerechnet werden, die den höchsten Berg der Welt erklimmen wollten, sagte der Tourismusvertreter Gyanendra Shrestha. Das könne zu Staus etwa am Hillary Step führen, einer Felsstufe, die mit Seilen bestiegen werden muss. Wenn Bergsteiger stundenlang warten müssten, riskierten sie Erfrierungen an Händen und Füßen. Zudem werde in der Höhe mehr Sauerstoff verbraucht.

Der Präsident des nepalesischen Bergsteigerverbands, Zimba Zangbu Sherpa, sagte, Bergsteiger setzten sich immer häufiger unnötigen Risiken aus, wenn etwa die Bedingungen für einen Aufstieg nicht optimal seien oder das Zeitfenster zu knapp sei. Viele würden nicht auf die Bergführer hören, die zum Umkehren raten. Am Samstag waren am Mount Everest vier Bergsteiger ums Leben gekommen, darunter ein 61-jähriger deutscher Arzt. Auch in dieser Zeit herrschte reger Betrieb auf dem Weg zum Gipfel.

Laut der Expeditions-Webseite explorersweb.com verunglückte einer der Bergsteiger, ein 45-jähriger Südkoreaner, am Hillary Step. Nach Angaben des Leiters seiner Expedition hätten die Alpinisten an diesem Tag an der kritischen Stelle nur ein Fixseil vorgefunden. Normalerweise stehen zwei zur Verfügung - eins für den Aufstieg, eins für den Abstieg. Die Folge wären lange Wartezeiten gewesen. Der Koreaner sei deshalb zeitweise ungesichert gewesen und abgestürzt.

Rekordjagd geht trotz der Todesfälle weiter

Für die meisten Todesfälle an dem 8850 Meter hohen Berg ist die Höhenkrankheit verantwortlich. Die Bergsteiger verausgaben sich beim Aufstieg und haben kaum noch Kraft für den Abstieg ins Basislager. Wegen der extremen Kälte und des Sauerstoffmangels ist es kaum möglich, in der sogenannten Todeszone jenseits der 8000-Meter-Grenze länger als 48 Stunden zu überleben. In diesem Jahr ist das Risiko am Mount Everest laut nepalesischer Regierung wegen heftiger Stürme und starken Schneefalls besonders hoch.

Angesichts des jüngsten Unglücks forderte Alpinisten-Legende Reinhold Messner ein Ende des Massentourismus am höchsten Berg der Erde. "Solange da Disneyland betrieben wird, sterben Menschen", sagte der 67-jährige Extrembergsteiger dem Kölner "Express". Er sei selbst vor einigen Jahren zum König von Nepal gereist, um ihn für das Problem "zu sensibilisieren". Das sei jedoch zwecklos gewesen: "Die kassieren pro Tourist 10.000 Euro Genehmigungsgelder." Der König selbst hätte ihm gesagt, dass man diese Einahmen dringend benötige.

Derweil geht die Rekordjagd am welthöchsten Berg im Himalaja-Gebirge weiter: Eine 16-jährige Nepalesin hat nach Medienberichten als eine der jüngsten Frauen in der Geschichte den Mount Everest bezwungen. Am Samstag sei Nimachemji Sherpa auf dem Gipfel des mit 8850 Metern welthöchsten Berges angekommen, berichtete die Tageszeitung "Nagarik". Am gleichen Tag war es auch zum Tod der vier anderen Bergsteiger gekommen.

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Drama am Mount Everest: Bergsteiger beim Abstieg gestorben

dkr/AFP/dpa

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