EU-USA-Gespräche De Maizière schließt Laptop-Verbot für Handgepäck nicht aus

Passagiere dürfen Laptops auf Flügen von Europa in die USA weiter mit in die Kabine nehmen - vorerst. Doch auch der deutsche Innenminister scheint einem Verbot nicht abgeneigt.

Mit dem Laptop auf Flugreisen
Lufthansa

Mit dem Laptop auf Flugreisen


Thomas de Maizière schließt die Übernahme des US-Verbots von Laptops im Handgepäck nicht aus. "Wir teilen die Sorge, dass wir im Bereich der Luftsicherheit gegebenenfalls neue Risiken zu bewältigen haben", sagte der Bundesinnenminister am Donnerstag vor Beratungen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel.

Am Mittwoch hatte dort ein Treffen zu Sicherheit im Flugverkehr zwischen EU und US-Vertretern stattgefunden. Am Abend teilte die EU-Kommission mit, dass die USA noch kein Verbot angekündigt hätten. Laptops dürfen daher auf Flügen von Europa in die USA vorerst weiter mit in die Kabine genommen werden. Die USA halten sich die Option aber weiter offen, wie es aus Regierungskreisen hieß.

Es gebe viele Argumente, die dafür sprächen, dass Laptops im Frachtraum eines Flugzeugs sicherer aufgehoben seien als im Handgepäck, sagte de Maizière. Dies sei zwar eine erhebliche Veränderung. "Aber ich muss sagen: Im Zweifel geht die Sicherheit vor Bequemlichkeit."

Mit Blick auf seine jüngsten Gespräche mit Vertretern der US-Regierung in Washington sagte de Maizière: "Wir sind sehr gut von unseren amerikanischen Kollegen bilateral informiert worden." Diese Informationen seien mittlerweile auch "einem weiteren Kreis" gegeben worden.

In der EU war Kritik an der US-Regierung laut geworden, nicht in die Überlegungen eingebunden worden zu sein, das bestehende Laptop-Verbot für Flüge aus dem arabischen Raum auf Verbindungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten auszuweiten.

Hohe Wellen hatten Medienberichte geschlagen, dass US-Präsident Donald Trump die Gründe für das Laptop-Verbot dem russischen Außenminister Sergej Lawrow erläutert und dabei Geheimdienstinformationen preisgegeben haben soll.

De Maizière setzt auf ein gemeinsames Vorgehen der EU und der USA beim Laptop-Verbot. Er hoffe, dass es nach weiteren Gesprächen von Experten beider Seiten in Washington kommende Woche keine einseitige Entscheidung der Amerikaner gebe.

Fluggesellschaften fürchten Buchungsrückgänge

Am Mittwochabend hatten hochrangige Vertreter beider Seiten in Brüssel noch keinen Beschluss gefasst. Wie es in einer gemeinsamen Erklärung hieß, sollen in Washington "gemeinsame Risiken und Lösungen zum Schutz von Fluggästen weiter abgewogen werden".

Fluglinien fürchten durch ein Verbot Einbußen beim Ticketverkauf. Zudem bestehe das Risiko eines Feuerausbruchs in den Frachträumen der Flugzeuge, wenn dort große Mengen Laptops und deren Lithium-Ionen-Batterien ohne Aufsicht transportiert würden.

Die amerikanische Regierung hatte im März bereits viele elektronische Geräte für Verbindungen von zehn Flughäfen in Nordafrika und dem Nahen Osten verboten. Wenn die Regelungen für Europa so ähnlich ausfielen, dürften Reisende keine elektronischen Geräte, die größer als Mobiltelefone sind, mehr im Handgepäck mitnehmen. Diese müssten stattdessen im Frachtraum transportiert werden.

Lesen Sie hier alles Wichtige über den möglichen Laptop-Bann auf Flügen aus der EU in die USA.

ele/abl/dpa/Reuters

insgesamt 8 Beiträge
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road_warrior 18.05.2017
1. Haftung?
Aktuell reichen die Haftungsobergrenzen der Fluggesellschaften nicht fûr einen Laptop. Und wenn man sich ansieht, wie gerade in den USA mit den Koffern umgegangen wird, frage ich mich, wo Herr Maziere den Zugewinn an Sicherheit sieht. Selten solchen Unfug gelesen. Gerade wegen der Gefahren von Li-Io-Akkus im Frachtraum untersagen das viele Airlines. Absurd.
Chilango 18.05.2017
2. Die Misere
Wieder einmal ein echter Beitrag. Am besten wir lagern also ca. 150 Laptops auf engstem Raum unbeaufsichtigt im Frachtraum. Falls da dann etwas passiert ist das auf jeden Fall viel sicherer. Anscheinend da die Passagiere den Brand erst eiunmal nicht sehen. Nicht ohne Grund müssen Laptops laut den IATA Regeln im Handgepäck mitgenommen werden. Und das Kabinenpersonal hat extra Stahlkisten in der Ausrüstung in denen Laptops die aufgrund beschädigter Akkus in Brand geraten gefahrlos deponiert werden können. Ich möchte mal sehen wie die Stewardess in den Frachtraum kraxelt, unter starker Rauchentwicklung die obenliegenden schweren Koffer beseite wuchtet um an den Brandherd in der untersten Schicht (Murphys Law) heranzukommen, die Koffer zu öffnen und den Brandherd herauszufummeln. Es geht doch wohl eher darum in der Zeit zwischen Gepäckaufgabe und Gepäckband die Geräte zu kontrollieren und zu verwanzen
frame 18.05.2017
3. Panikmache
Frage: wieviele Laptop-Bomben in Flugzeugkabinen sind in den letzten Jahren explodiert oder gefunden worden? Was soll denn diese Panikmache wieder? Sollen wir wieder in Angst und Schrecken versetzt werden, dass wir alles abnicken, was von oben kommt?
heinrich.busch 18.05.2017
4. Das scheint mir wieder so
eine paranoide Amimasche zu sein. Z.Z. denke ich immer noch über eine 80-jaehrige alte Dame nach, welche sich erdreidtete ihre klitzekleine Nagelschere im Handgepäck zu führen. Das Gezeter der Amis habe ich heute noch in den Ohren. Das Herr Bundesinnenminister jede Verschärfung gegen die Buerger irgendwie gut findet ist absolut nicht neu. Auch aus anderen Gründen, mir wurde im letzten Jahr von United Airlines auch unter Androhung von körperlicher Gewalt (fast) ein Flug versagt, sollte man nicht mit den Amis fliegen und wenn irgendwie möglich Amiland nicht besuchen. Am Ende hoffen, dass die Europäer in ihren Airlines diesen gefährlichen Quatsch nicht mit machen.
ebieberich 19.05.2017
5. Warum sicherer im Frachtraum?
"Es gebe viele Argumente, die dafür sprächen, dass Laptops im Frachtraum eines Flugzeugs sicherer aufgehoben seien als im Handgepäck, sagte de Maizière." Kann mich mal einer aufklaeren warum Laptops im Frachtraum sicherer aufgehoben sind? Danke.
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