Dokumentation Die Forderungen der Sherpas

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Was passiert ist

Am 18. April sind am Mount Everest 16 Sherpas in einer Lawine im Khumbu-Eisbruch gestorben, sieben wurden schwer verletzt. Die nepalesischen Mitglieder der Expeditionen im Basislager haben daraufhin alle Touren der diesjährigen Saison abgesagt und eine Liste an Forderungen an die nepalesische Regierung und die Expeditionsveranstalter gestellt (siehe unten).

Wie die Situation zurzeit ist

Inzwischen haben alle Crews und Bergsteiger das Lager verlassen, das Material wird von Helikoptern von Lagern auch oberhalb des Basis-Camps abtransportiert. Die Sherpas sagten, sie wollten aus Respekt vor ihren toten Freunden und Familienangehörigen in dieser Saison nicht weitergehen.

Zahlreiche westliche Bergführer berichteten aber, ihre Sherpas, die nach der einwöchigen Trauerperiode eigentlich weiterlaufen wollten, seien von einer kleinen radikalen Gruppe bedroht worden. Diese Männer würden die internationale Aufmerksamkeit nutzen wollen, um Forderungen nach mehr Geld und Einfluss vorzubringen. "Wir hatten keine andere Wahl, als uns zurückzuziehen", sagte Guy Cotter, Leiter einer neuseeländischen Expedition.

"Unseren Sherpas wurde gesagt: Wir brechen euch eure Beine, wenn ihr in den Eisfall geht", schrieben Alex Schneider und Sam Chappatte auf Twitter. Auch seien die Sherpas gewarnt worden, dass ihren Familien etwas passiert, schrieb Bergsteiger Scott Mackenzie aus dem Basislager.

Das Problem bestehe nicht zwischen den Sherpas und den westlichen Teams, sondern den Sherpas und der Regierung Nepals, sagt Gordon Janow, Programmdirektor bei Alpine Ascents aus den USA.

Was die Sherpas gefordert haben

In ihrem Forderungkatalog en an die Regierung verlangten die Sherpas kurz nach dem Unglück, dass...

  • die Soforthilfe für die Angehörigen der Lawinenopfer am Everest erhöht wird,
  • die Familien der tödlich verunglückten Sherpas eine Million Rupien erhalten.
  • ein Gedenkpark im Namen der Verstorbenen in Katmandu errichtet wird,
  • alle Kosten für die Versorgung der Verletzten übernommen werden,
  • die Schwerverletzten, die nicht mehr bergsteigen können, eine Million Rupien erhalten,
  • ein Hilfsfonds eingerichtet wird, in den 30 Prozent der Permit-Gebühren für verschiedene Gipfel einfließen,
  • die Versicherungssumme für die Arbeiter in den Bergen verdoppelt wird,
  • es zusätzliche Hubschrauber-Rettung für die nepalesische Crews geben wird, falls die Versicherung die Kosten nicht trägt,
  • der Lohn für diese Saison - außer dem Gipfelbonus - durch die Agenturen gezahlt wird, falls die Bergsteiger entscheiden, die diesjährige Klettersaison abzusagen.
  • Hubschrauber bereit gestellt werden, die die Ausrüstung aus den verschiedenen Lagern am Everest abholen sollen, falls die Bergsteiger entscheiden, die diesjährige Klettersaison abzusagen.
  • keine Maßnahmen gegen die sogenannten Icefall-Doctors am Everest ergriffen werden, wenn sie sich weigern, in dieser Saison Seile und Leitern anzubringen.
  • den Expeditionsmitgliedern erlaubt wird, Gipfelbesteigungen abzusagen, wenn sie es wollen.

Wie es am Everest weitergeht

2014 wird es dennoch Gipfelbesteigungen geben können, da mehrere Teams von China aus auf der tibetischen Nordseite aufsteigen. Unklar ist derzeit noch, wie es nächstes Jahr in Nepal weitergeht. Die Expeditionen würden zurückkommen, schließlich gebe es nur einen Everest auf der Welt, sagte Sagar Pandey, Generalsekretär des Verbands der Trekkingagenturen Nepals. Doch der Neuseeländer Cotter meinte, es sei gut möglich, dass zahlreiche Expeditionen wegen der Unsicherheit nun nach Tibet auswichen.

abl/dpa



insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
norman.schnalzger 30.04.2014
1. Gefahren am Berg
sollten dem Volk der Sherpa und ihren Bergführern eigentlich bekannt sein. Wenn ich einer gefährlichen Beschäftigung nachgehe muss ich mit den Gefahren leben, ergo Geschäftemacherei
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