Leinen los "Aida Blu" schippert auf der Ems gen Nordsee

Wieder wird ein großes Kreuzfahrtschiff auf der Ems überführt: Die "Aida Blu" ist auf dem Weg zu Probefahrten auf der Nordsee. Zum umstrittenen Ausbaggern des Flusses hat der EuGH ein Urteil gefällt - im Sinne des Umweltschutzes.

"Aida Blu" auf der Ems: Das Kreuzfahrtschiff bricht zu Probefahrt auf der Nordsee auf
ddp

"Aida Blu" auf der Ems: Das Kreuzfahrtschiff bricht zu Probefahrt auf der Nordsee auf


Papenburg - Das neue Kreuzfahrtschiff der Rostocker Reederei Aida Cruises hat am Freitag seine Fahrt von Papenburg nach Emden begonnen. Wegen der Wind- und Wasserverhältnisse musste die ursprünglich für Samstag geplante Passage der "Aida Blu" um einen Tag vorverlegt werden.

Am Mittag startete der Luxusliner von der Meyer Werft im Emsland. Meter um Meter schob sich das 252 Meter lange und mehr als 32 Meter breite Schiff über die schmale Ems. Der besseren Manövrierbarkeit willen geschah das im Rückwärtsgang. Gegen 0.30 Uhr soll das Schiff das Emssperrwerk bei Gandersum passieren. Etwa eine Stunde später ist die Ankunft in Emden geplant. Dort erhält der 352 Millionen Euro teure Luxusliner die letzten Möbelstücke, Proviant und restliches Hotelequipment, bevor es zu Probefahrten in die Nordsee aufbricht. Die "Aida Blu" wird am 9. Februar in Hamburg von Designerin Jette Joop getauft.

Europäischer Gerichtshof entscheidet für Umweltschutz

Die Schiffsüberführung durchs Binnenland gehört einerseits immer zu den großen touristischen Ereignissen in der Region, stößt aber auch bei Umweltschützern regelmäßig auf Kritik. Auch für dieses Mal hatte die Bürgerinitiative "Rettet die Ems" zu Protesten aufgerufen. Um mit den Ozeanriesen auf der Ems zu fahren, muss der Fluss ausgebaggert und aufgestaut werden. Die Folge sind unter anderem große Probleme mit der Verschlickung des Flusses.

In Sinne der Umweltschützer haben am Donnerstag die Richter des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg geurteilt. Sie stellten klar, dass die Ems zwischen Papenburg und Nordsee als wertvoller europäischer Naturraum besonders geschützt werden muss. Fraglich war, ob Deutschland einer Ernennung der Ems-Regionen zum Naturschutzgebiet aus wirtschaftlichen Gründen verweigern darf.

Deutschland könne dem nicht im Interesse der Werft widersprechen, urteilte der (EuGH) in Luxemburg. Ob danach jede Ausbaggerung der Ems zur Auslieferung eines Schiffs einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegt, bleibt aber offen und ist von den deutschen Gerichten zu klären.

Die Europäische Kommission will die streitigen Ems-Regionen in das Projekt "Natura 2000" aufnehmen und hat Deutschland um Zustimmung gebeten. Ziel ist ein europaweites Netz besonderer Schutzgebiete, die als Rückzugsmöglichkeit für bedrohte Tier- und Pflanzenarten erhalten bleiben sollen. Eingriffe in diese Gebiete sind nur nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung zulässig, können aber auch bei negativen Umweltauswirkungen "im überwiegenden öffentlichen Interesse" ausnahmsweise zulässig sein.

Die Stadt Papenburg befürchtet, dass bei jedem Ausbaggern eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig wird. Um die damit verbundenen Risiken, Verzögerungen und Kosten zu vermeiden, verlangte die Stadt von der Bundesregierung, ihre Zustimmung zu verweigern.

abl/AFP/dpa



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