Liveticker Experte lehnt Staatshilfen für Fluggesellschaften ab

Die Vulkaneruption auf Island hat gravierende Folgen für den Flugverkehr in ganz Europa - der europäische Luftraum bleibt teilweise gesperrt. Lesen Sie im Liveticker alles über die aktuelle Entwicklung.


+++ 19.45 Uhr +++ Auch nach der Öffnung des Luftraums in vielen europäischen Ländern sind am Dienstag noch die Hälfte aller Flugzeuge auf dem Boden geblieben. 46 Prozent der normalerweise üblichen 28.000 Flugbewegungen wurden gezahlt, bilanzierte die europäische Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel.

+++ 19.34 Uhr +++ Die Lufthansa will ihren Flugverkehr am Mittwoch deutlich ausweiten. "Es wird wieder die gesamte Langstrecke fliegen können", sagte ein Sprecher am Abend in Frankfurt. Das Kurz- und Mittelstreckenangebot werde ausgeweitet. Die genauen Flugzeiten will das Unternehmen über Nacht ins Internet stellen.

+++ 19.21 Uhr +++ Der gesamte Luftraum in Europa ist oberhalb von 20.000 Fuß (6100 Metern) für den Luftverkehr freigegeben. Das gab die europäische Flugsicherheitsagentur Eurocontrol am Abend bekannt. Ausgenommen sei lediglich Finnland, wo noch ein vollständiges Flugverbot gelte. In knapp 75 Prozent des Luftraums über Europa seien alle Beschränkungen aufgehoben worden. Allerdings gebe es noch erhebliche Einschränkungen für den unteren Luftraum in Nordwesteuropa. Dies gilt insbesondere für Deutschland und Nordfrankreich.

+++ 18.44 Uhr +++ Die Bewegung der Vulkanaschewolke aus Island ist nach Erkenntnissen niederländischer Forscher mit Hilfe von Computermodellen weitgehend präzise berechnet worden. Das hätten Untersuchungen der Aschewolke von einem Flugzeug aus ergeben, teilte das niederländische Zentrallabor für Luftfahrttechnik (NLR) mit. Unter anderem solche Berechnungen liegen den Entscheidungen der Behörden über die Sperrung von Lufträumen zugrunde.

+++ 18.56 Uhr +++ Die Deutsche Flugsicherung hat ihre Sperrungen im deutschen Luftraum bis Mittwoch 2 Uhr verlängert. Sichtflüge sind allerdings weiterhin möglich. Zudem wird der Luftraum an den beiden Flughäfen Hamburg und Bremen zwischen 23 und 2 Uhr komplett freigegeben.

+++ 18.31 Uhr +++ Der Zusammenbruch des Luftverkehrs wegen des Vulkan-Ausbruchs wird auch das Weltverkehrsforum in Leipzig beschäftigen. Verkehrsminister und Delegierte aus den 52 Mitgliedsländern wollen bei dem Treffen im Mai über mögliche Konsequenzen aus dem Chaos beraten. "Es ist lebenswichtig für sicheren und effizienten Luftverkehr, dass aus der schlimmsten Störung seit den Terrorangriffen des 11. September 2001 Lehren gezogen werden", teilte der Generalsekretär des Forums, Jack Short, am Dienstag mit.

+++ 18.01 UHR +++ Der Ökonom Justus Haucap hat sich gegen Staatshilfen für die unter dem Flugverbot leidenden Fluggesellschaften ausgesprochen. "Warum der Steuerzahler die Verluste der Fluggesellschaften auffangen sollte, ist völlig unklar, Staatshilfen sind daher abzulehnen", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission dem Internetportal "Handelsblatt Online". Die Kommission berät die Bundesregierung als unabhängiges Expertengremium in Wettbewerbs- und Kartellfragen. "Selbst wenn eine Fluggesellschaft Bankrott anmelden sollte, so wird nicht dauerhaft der Luftverkehr in Europa zusammenbrechen", sagte Haucap. "Es gibt keine Systemrelevanz."

+++ 17.53 UHR +++ Trotz Flugverbots sollten auf dem zweitgrößten deutschen Flughafen München bis zum späten Dienstagabend rund 300 Maschinen starten und landen. Damit habe etwa ein Fünftel aller regulären Flüge stattgefunden, sagte Flughafensprecher Ingo Anspach. Der Flughafen-Aufsichtsratschef und bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon stellte Ausnahmegenehmigungen für Nachtflüge in Aussicht, sobald sich die Aschewolken verzogen hätten. Der Bund, der Freistaat und die Stadt München sollen als Eigentümer des Flughafens derzeit täglich 2,4 Millionen Euro Verlust machen, verlautete aus gut unterrichteten Kreisen.

+++ 17.51 UHR +++ Die Lufthansa hat bei zwei Flugzeugen aus den USA nach deren Landung in Düsseldorf Staubrückstände entdeckt. Es sei aber auszuschließen, dass es sich dabei um Vulkanasche handelt, teilte die Fluggesellschaft mit. Es sei nichts ungewöhnliches, dass Staubrückstände im Triebwerk entdeckt würden. Weil einer der beiden Jets vom Typ Airbus A 330 noch weiter untersucht werden sollte, wurde ein Flug nach Newark in den USA gestrichen. Die beiden Maschinen waren in Chicago und Miami gestartet und sicher in Deutschland gelandet.

+++ 17.32 UHR +++ Auch nach der Lockerung des Flugverbots über Europa kommt der Luftverkehr in Deutschland nur langsam wieder auf Touren. Für Dienstag rechnet die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit 700 bis 800 Sichtflügen. Dies entspreche etwa sieben Prozent des normalen Verkehrsaufkommens, sagte Sprecher Axel Raab. Der Luftraum über Deutschland bleibt mindestens bis Dienstag 20.00 Uhr gesperrt. In ganz Europa sollten nach Angaben der Flugsicherung Eurocontrol 14.000 Flüge starten und landen, etwa die Hälfte des normalen Betriebs.

+++ 17.09 UHR +++ Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat die Genehmigung sogenannter Sichtflüge kritisiert. "Man hat nur eine juristische Winkelkonstruktion gesucht, um die Flugzeuge in die Luft zu bringen", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. An der wissenschaftlichen Einschätzung der Gefährlichkeit der Aschewolke habe sich nichts geändert. Bei Sichtflügen werden nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) auch Luftschichten mit Asche darin durchflogen. Dabei liegt die Verantwortung nicht bei der Flugsicherung, sondern den Piloten, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. "Die Verantwortung können wir nicht übernehmen." Erst oberhalb von etwa 6000 Metern beginne der ganz normale Flug, der von Lotsen gesteuert werde.

+++ 16.42 UHR +++ Als Konsequenz aus dem Flugchaos aufgrund der Aschewolke über Europa will die Bundesregierung die internationalen Regelwerke zur Flugsicherheit überprüfen lassen. "Dieses Regelwerk muss unter die Lupe genommen werden", sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am nach einer Sitzung des Verkehrsausschusses des Bundestags. "Ich möchte - nachdem diese Krise bewältigt worden ist - eine Arbeitsgruppe oder einen runden Tisch einsetzen, um die Lehren aus diesen Problemen zu ziehen."

+++ 16.42 UHR +++ Fluggäste müssen sich nach Auffassung eines Rechtsexperten nicht auf die derzeit von den Fluggesellschaften angebotenen Sichtflüge einlassen. "Wem das zu unsicher erscheint, kann auch eine Umbuchung verlangen", sagte der Frankfurter Flugrechtsexperte Ronald Schmid. Wenn die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) solche Flüge in der gegenwärtigen Situation für unverantwortlich halte, müsse der Laie nicht zu einem anderen Ergebnis kommen.

+++ 16.36 UHR +++ Der Messflug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat bestätigt, dass sich Vulkanasche über Deutschland befindet. In der Atmosphäre befänden sich in unterschiedlicher Konzentration und in regional unterschiedlicher Ausbreitung Partikel von Vulkanasche, teilte das Bundesverkehrsministerium mit. Die Daten werden demnach vom Deutschen Wetterdienst ausgewertet und zur Beurteilung der Gesamtlage zusätzlich herangezogen. Die Messungen sollen zudem mit weiteren Flügen fortgesetzt werden. Das DLR-Forschungsflugzeug war am Montag erstmals zur Untersuchung der Aschewolke aufgestiegen.

+++ 16.14 UHR +++ Mehr als 230.000 deutsche Urlauber sind bislang von den Flugstreichungen betroffen. Davon waren rund 130.000 mehr oder weniger lang im Ausland gestrandet und mussten auf ihre Rückreise warten, teilte der Deutsche Reiseverband (DRV) mit. Seit der Nacht auf Dienstag werden Gäste aus den Urlaubsgebieten zurück nach Deutschland geflogen.

+++ 16.13 UHR +++ Das anhaltende Flugverbot kostet den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport derzeit nach Konzernangaben zwischen zweieinhalb und drei Millionen Euro pro Tag. Für die Luftverkehrswirtschaft sei dies "eine sehr schwierige Zeit", denn neben dem Passagierbereich sei auch die Luftfracht vom Flugverbot betroffen, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte im Hessischen Rundfunk.

+++ 16.10 UHR +++ Schlechtes Wetter könnte zu einer baldigen Einstellung der Sichtflüge führen. Der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass sich das Wetter in den nächsten Tagen so weit verschlechtert, dass die Sichtflüge wieder eingestellt werden müssen, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses Winfried Hermann (Grüne). Insgesamt warteten derzeit im Ausland rund 300.000 Passagiere aus Deutschland auf einen Rückflug in die Heimat, hieß es im Ausschuss.

+++ 16.10 UHR +++ Der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island bringt vorerst nur geringe Mengen neuer Vulkanasche auf den Weg nach Europa. Das Meteorologische Institut in Reykjavik teilte mit, dass der Vulkan unter dem Eyjafjalla-Gletscher sechs Tage nach Beginn des Ausbruchs fast nur noch Lava und Wasserdampf ausstieß und kaum noch für die Luftfahrt gefährliche Vulkanasche. Die bestehende Wolke könne sich aber halten oder auch verschieben und so weiter für Probleme im Flugverkehr der europäischen Länder sorgen, hieß es weiter.

+++ 16.05 UHR +++ Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft muss infolge des Flugchaos ihre Vorbereitungen auf die Heim-WM im Mai ändern. Das am Wochenende in Minsk geplante Turnier mit Spielen gegen die Slowakei und Weißrussland musste wegen des eingeschränkten Flugverkehrs abgesagt werden. Stattdessen bezieht das Team von Bundestrainer Uwe Krupp ab Donnerstag ein Trainingslager in Füssen mit Spielen gegen die Slowakei und die Schweiz.

+++ 15.55 UHR +++ Führende Reisekonzerne holen über eine gigantische Luftbrücke mehr als 30.000 im Ausland gestrandete Touristen zurück nach Deutschland. Marktführer TUI brachte am Dienstag 20.000 festsitzende Urlauber zurück, Konkurrent Thomas Cook will bis Mittwoch 10.000 Gäste mit Sonderflügen abholen. TUI erklärte, neben den 19 TUIfly-Maschinen seien weitere 15 Flugzeuge gechartert worden, darunter zwei Jumbos. Allein von Mallorca gingen 17 Flüge in verschiedene deutsche Städte. Alle Urlauber auf Teneriffa, die auf ihren Rückflug gewartet hätten, seien bereits wieder in Deutschland. Da täglich neue Gäste hinzukämen, deren Ferienaufenthalt zu Ende gehe, warteten jetzt 12.000 TUI-Gäste auf den Heimflug nach Deutschland. Dieser Rückstau solle in den kommenden ein bis zwei Tagen, wenn sich der Flugbetrieb normalisiert habe, aufgelöst werden, hieß es.

+++ 15.52 UHR +++ Um die Folgen des Flugchaos zu mildern, darf auf dem Flughafen Berlin-Tegel jetzt auch nachts geflogen werden. Nach einer Abwägung der Interessen der Gesellschaften, der Passagiere und der Anwohner wurden Flüge zwischen 23.00 und 6.00 Uhr vorerst grundsätzlich zugelassen, teilte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) mit. Für jeden einzelnen Flug bedarf es jedoch eines Antrags. Die Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling sprach von einer "schlechten Idee".

+++ 15.38 UHR +++ Das zeitweilige Flugverbot könnte nach Einschätzung von Analysten leicht negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in Westeuropa haben. "Die Aschewolke dürfte im laufenden Quartal einen kleinen dämpfenden Effekt von 0,2 bis 0,3 Prozent auf das Wirtschaftswachstum haben", schätzte Frank Naab vom Bankhaus Metzler. "Aber das Quartal wird stark werden, so dass der Effekt letztlich aufgeholt werden dürfte", fügte er hinzu.

+++ 15.25 UHR +++ Das Flugchaos infolge der Aschewolke hat auch Auswirkungen im kulturellen Bereich: Drei Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner kommen womöglich zu spät zu einer großen Retrospektive im Frankfurter Städel-Museum. Zwei Werke aus New York - darunter das "Soldatenbad" (1915) aus dem Guggenheim Museum - sowie das Bild "Marcella" (1909/1910) aus Stockholm konnten bis Dienstag nicht im Flugzeug transportiert werden, wie ein Museumssprecher sagte. "Aber wir sehen das sportlich. Es würde wohl Platzhalter geben."

+++ 15.20 UHR +++ Der Fernsehsender Phoenix ist mit seinen Plänen für eine Live-Übertragung der Sondersitzung des Verkehrsausschusses am Nein der Abgeordneten gescheitert. In dem Gremium wurde über Konsequenzen aus dem europaweiten Flugverbot beraten. Der Deutsche Bundestag habe eine Anfrage für eine Live-Übertragung abgelehnt, teilte Phoenix mit. Mit Blick auf die allgemeinen Auswirkungen des Flugverbots wäre die Übertragung sicher im breiten öffentlichen Interesse gewesen, erklärte der Sender.

+++ 15.20 UHR +++ Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat die sogenannten Sichtflüge als sicher verteidigt. "Ich werde nicht verantworten, was ich nicht selbst als Passagier machen würde", sagte er nach Beratungen im Verkehrsausschuss des Bundestages. Sicherheit sei nach den allgemeinen Regeln auch bei den Sichtflügen oberstes Gebot. Ramsauer reagierte damit auf die Frage, ob Sichtflüge angesichts der mit Vulkanasche belasteten Luft für Flugzeuge und Passagiere nicht ebenso riskant seien wie die üblichen von Fluglotsen überwachten Instrumentenflüge.

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