Löwenkopf als Souvenir Südafrika will Jagd auf Raubtiere einschränken

Es ist ein makabrer Urlaubssport: Für viel Geld können in Südafrika Touristen auf Löwen und Rhinozerosse schießen, die vorher mit Beruhigungsmitteln behandelt wurden. Manche Hobbyjäger verwenden sogar Pfeil und Bogen. Jetzt soll das ungleiche Gemetzel verboten werden.


Kapstadt - Die Jagd auf Löwen und Rhinozerosse ist in Südafrika eine besonders exklusive Urlaubsattraktion für zahlungskräftige Kunden. Für Preise von 15.000 Euro aufwärts können Touristen sogar den Kopf des erlegten Tieres mit nach Hause nehmen. Geschossen wird dabei auf eigens zu diesem Zweck gezüchtete Tiere, die in Gefangenschaft aufgewachsen sind. Oft werden sie vorher mit Beruhigungsmitteln behandelt, damit sie den Hobbyjägern nicht entkommen können.

Souvenir für Reiche: 15.000 Euro kostet der Kopf eines Löwen in Südafrika
DPA

Souvenir für Reiche: 15.000 Euro kostet der Kopf eines Löwen in Südafrika

Mit Gewehren schießen Touristen von der Ladefläche eines Trucks und zermürben die Tiere bei der Verfolgung – Rhinozerosse können auf Wunsch auch mit Pfeil und Bogen gejagt werden. Vor allem bei amerikanischen Besuchern erfreut sich das ungleiche Gemetzel einiger Popularität - 55 Prozent stammen aus Nordamerika, der Rest aus Europa. Doch jetzt kündigte der südafrikanische Umweltminister an, dem ein Ende zu bereiten. "Eine Jagd sollte ein fairer Kampf zwischen Jäger und Tier sein, bei dem der Geschicktere gewinnt", sagte Marthinus van Schalkwyk auf einer Konferenz am Tafelberg. "Dieses Prinzip ging über die Jahre verloren, wir wollen es zurückbringen."

Ab dem 1. Juni sollen Jagden in eingezäunten Gebieten verboten werden, außerdem die Jagd auf große Tiere mit Pfeil und Bogen, mit Hilfe von Beruhigungsmitteln sowie von Fahrzeugen.

"Der Anblick von angetrunkenen Touristen, die von einem fahrenden Truck aus gezähmte Löwen verfolgen, ist ziemlich abscheulich", sagte van Schalkwyk, selbst begeisterter Jäger. Manchen Umweltschützern geht das Gesetz nicht weit genug. So lange es legal sei, Löwen und Leoparden zu Jagdzwecken zu züchten, könnten die Privatunternehmer diese unethische Praxis weiterführen, sagte Louise Joubert vom "San Wildlife Trust". Sie verlangt ein vollständiges Verbot dieser Zuchtstätten.

Die umstrittene Sportjagd ist in Südafrika ein Millionengeschäft mit einem geschätzten Jahresumsatz von über 260 Millionen Euro. Die Zahl der Löwen, die in Gefangenschaft auf Zuchtfarmen leben, schätzt der "International Fund of Animal Welfare" auf etwa 3000, die Schätzungen über jährlich bei kontrollierten Jagden getötete Löwen variieren zwischen 300 und 1500. Geschützt sind dagegen die Tiere in den Nationalparks. Jedes Jahr nehmen 6000 bis 7000 Touristen an Jagdsafaris teil.

sto/AP/Reuters



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