Frankfurt/Main - An den Umbuchungsschaltern bilden sich lange Schlangen, die Monitore im Terminal 1 zeigen den Ausfall von Lufthansa-Flügen mit Zielen in Deutschland und Europa an: Am Frankfurter Flughafen hat die Lufthansa ihren Streik begonnen. Betroffen sind alle Lufthansa-Flüge von 5 bis 13 Uhr, etwa ein Viertel der geplanten Starts wurde abgesagt.
Gestrichen waren zum Beispiel Verbindungen nach Hamburg, Berlin, Zürich, London und Rom. Rund drei Viertel der Lufthansa-Maschinen sollten aber planmäßig abheben. Chaos herrschte trotz des Streiks am größten deutschen Flughafen nicht - schließlich wurden die meisten Reisenden vom Streik nicht überrascht.
Fluggäste müssen sich auf erhebliche Behinderungen und Flugausfälle einrichten. Nach Angaben des Sprechers der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, Alexander Behrens, sollen sowohl Kurz- als auch Langstreckenflüge betroffen sein. Gestreikt würde am Freitag aber ausschließlich auf dem Flughafen in Frankfurt am Main.
Die Lufthansa kann nicht genau sagen, wie viele Flüge vom Flugbegleiterstreik am Freitag betroffen sein werden. Für den gesamten Tag seien 840 Starts und Landungen vom Flughafen in Frankfurt geplant, sagte Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde. Die Airline bittet ihre Gäste, sich über die Webseite lufthansa.com über den Status der eigenen Verbindung zu informieren.
Wie viele Flüge in diesem Zeitraum lägen und wie viele davon wegen des Streiks nicht wie geplant flögen, lasse sich noch nicht voraussagen. Die Fluggesellschaft wollte aber einen möglichst großen Teil ihres Flugplans einhalten, Vorrang haben dabei die Interkontinentalverbindungen.
Kalt erwischt
Manche Fluggäste dürften von der späten Ankündigung am Donnerstagabend kalt erwischt werden. Ufo-Chef Baublies hatte zuvor nicht nur den genauen Ort, sondern auch die Zahl der betroffenen Flughäfen offengelassen. "Ob das ein, zwei oder drei Stationen sind, können wir auch noch nicht sagen." Genaue Uhrzeit und Orte sollten erst sechs Stunden vor Streikbeginn bekanntgegeben werden.
Europas größte Fluggesellschaft will alle technischen Möglichkeiten nutzen, ihre Kunden über Flugausfälle zu informieren. Auch im Streikfall werde eine ganze Reihe von Flügen stattfinden, betonte ein Sprecher. So würden die Töchter Cityline, Eurowings und Germanwings nicht bestreikt.
Für das Lufthansa-Flugprogramm habe man mehrere Notfallszenarien in der Schublade und könne schnell reagieren, hieß es vorab. Vorrang hätten die Interkontinentalflüge. Kostenlose Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften oder die Bahn seien im Streikfall möglich.
Vor allem an den Drehkreuzen Frankfurt und München sowie in Berlin rechneten die Flughafen-Verantwortlichen mit Schwierigkeiten, während sich kleinere Airports nicht so betroffen sahen. "Wir informieren unsere Passagiere, dass es möglicherweise zu Verspätungen und Ausfällen kommen kann", sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport schon, bevor er wusste, dass sein Flughafen der Auftaktort sein würde. Dort sollten dann etwa Feldbetten aufgestellt oder Getränke bereitgehalten werden.
"Den größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden"
Am Donnerstag sagte Baublies dem "Nordkurier", man wolle mit den angekündigten Streiks bei der Lufthansa den "größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden" anrichten. "Es geht uns nicht darum, den Fluggästen zu schaden. Wäre es nach uns gegangen, hätte es zu diesem Arbeitskampf erst gar nicht kommen müssen." Doch niemand, so Baublies, solle die Gewerkschaft unterschätzen. "Unsere Mitglieder sind sehr entschlossen. In den nächsten Wochen wird der Druck weiter erhöht."
Die Gewerkschaft plant zunächst an einzelnen Standorten in Deutschland Arbeitsniederlegungen, die wegen der Vernetzung des Flugverkehrs schnell andernorts Auswirkungen haben könnten. Am Freitag will Ufo die erste Streikwelle auswerten, bevor weitere Schritte eingeleitet werden.
Bevor es wieder zu Gesprächen kommen könne, müsse die Lufthansa ihr Forderungspaket wieder vom Tisch nehmen. "Denn das würde sowohl für das Bestandspersonal als auch für zukünftige Beschäftigte 20 bis 30 Prozent weniger Geld bedeuten. Wenn das Management daran festhält, werden wir monatelang nicht aus dem Arbeitskampf herauskommen." Über mögliche Gegenmaßnahmen wollte Lufthansa keine Auskunft geben. "Letztlich wollen wir auch noch ein paar Pfeile im Köcher haben", sagte ein Sprecher.
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