Lufthansa-Sparprogramm: Was Premium-Flieger von Billigheimern lernen können

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Mehr Passagiere pro Flugzeug, weniger Mahlzeiten für lau: Die Lufthansa will beim Service für Fluggäste in Europa massiv Kosten einsparen. Reichlich Inspiration dafür bieten Billigflieger - und Fluglinien, die von ihnen gelernt haben.

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Luftverkehr: Sparzwang über den Wolken
Der Sleeper-Sitz lässt sich auf Knopfdruck in eine zwei Meter lange Liege verwandeln, unter dem "hautsympathischen Naturstoffbezug" sorgt eine Massagefunktion für Entspannung, der nächste Sitz ist bis zu 152 Zentimeter entfernt. Wer auf der Langstrecke in der Business Class der Lufthansa unterwegs ist, kann sich über jede Menge Komfort freuen.

In den vergangenen Monaten war der Abstand zu den Mitreisenden sogar häufig noch größer als üblich. Denn seit der Wirtschaftskrise haben die Fluglinien weltweit große Schwierigkeiten, Passagiere für die teure Business und First Class zu gewinnen, die bislang einen stattlichen Anteil der Gewinne ausmachte.

Seit die Firmenkunden immer häufiger Economy fliegen und Privatkunden auf die Billigflieger umsteigen, haben die großen Premium-Fluglinien ein Problem. Preisorientierte Urlauber sehen in Krisenzeiten nicht ein, warum sie mehr Geld für einen zweistündigen Flug zahlen sollen, nur weil dann ein warmer Snack und ein Bier inbegriffen sind. Insbesondere für deutsche Airlines ist ein Ende der Talfahrt noch nicht in Sicht, schätzte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR.

Jetzt hat die Lufthansa angekündigt, sich im europäischen Geschäft von den Billigfliegern inspirieren zu lassen. Insgesamt sollen die Kosten um 40 Prozent gesenkt werden, wie Lufthansa-Vizechef Christoph Franz mitteilte. Die deutsche Fluglinie will dank schmalerer Sitzlehnen mehr Passagiere in der Economy Class unterbringen und beim Service an Bord auf die Kostenbremse drücken. Zwar soll es laut Angaben des Unternehmens weiterhin kostenlos Essen und Getränke geben. Doch die derzeit sechs Service-Stufen - vom Imbiss bis zum vollständigen Gericht - sollen überprüft werden. Zudem erwägt die Lufthansa, Garderobenschränke und Küchen auszubauen oder zu verkleinern.

Vorbilder für solche und ähnliche Maßnahmen in der Kabine gibt es einige. SPIEGEL ONLINE zeigt, mit welchen Konzepten die Konkurrenz auf die Krise reagierte - und wo die Billigflieger Geld sparen.

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Forum - Kostendruck bei Airlines - Sparkurs auf der ganzen Linie?
insgesamt 114 Beiträge
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1.
key_art 17.11.2009
Zitat von sysopDie Lufthansa will mit beim Service für Fluggäste in Europa massiv Kosten einsparen. Reichlich Inspiration dafür bieten Billigflieger - und andere Fluglinien, die von ihnen gelernt haben. Fliegen wir bald alle nur noch auf Sparkurs?
Ganz bestimmt nicht alle. Aber die allermeisten schon. Die Entwicklung reflektiert doch den gesellschaftlichen Trend: eine wachende Kluft zwischen Arm und Reich. Eine Vierklassengesellschaft: die Milliardäre mit eigenem Jet, die Millionäre in First Class, diejenigen, die für die ersten zwei erfolgreich tätig sind, noch zum Teil in Business Class, die wahrscheinlich früher oder später ganz abgeschafft wird, der Rest eingepfercht in der Holzklasse, die immer unbequemer und enger wird. Als sei sie nicht schon längst eng genug ... Kein Wunder, dass Übergewicht geächtet wird, wenn jedes Kilo zählt ...
2. Die Frage ist doch WARUM wir auf Kurzstreckenflüge angewiesen sind.
finalefurioso 17.11.2009
Für meine regelmäßigen Reisen zwischen Paris und Berlin habe ich die Auswahl zwischen vier Firmen: die beiden Klassiker Air France und Lufthansa sowie die "billigen" newcomer Airberlin und Easyjet. Gemeinsamkeit aller: ich komme genauso flott ans Ziel, egal mit wem. Unkomfortabel sind sie alle. Ansonsten geht es um Details beim Service: durchschnittlich besser schneiden dabei die renommierten Gesellschaften ab. Bei den Billigheimern muß man halt damit rechnen, daß man im strömenden Regen versucht, irgendwie sein Flugzeug zu erreichen und daß man das nötige Kleingeld dabei haben sollte, um etwas zu essen zu bekommen. Wer letztendlich die beste Reisemöglichkeit darstellt, ist nicht nur völlig subjektiv. In Anbetracht der Tatsache, daß man vielleicht 2 Stunden Zeit hat, um über kostenlosen Whiskey, Höflichkeit, Schönheit der Stewardessen oder ähnliche Belanglosigkeiten zu philosophieren, komme ich zu dem Schluß, daß es völlig Wurscht ist, mit wem man unterwegs ist. Die Frage ist doch WARUM wir auf Kurzstreckenflüge angewiesen sind. Und das liegt, glaube ich, an der Inkompetenz der Bahn und der mangelnden Bereitschaft von der deutschen und europäischen Politik, jetzt endlich mal ein vernünftiges Bahnsystem anzubieten. Wenn ich mit der Bahn von Paris ins Herzen von London in 2h15 komme, lohnt sich der Flieger nicht. Wenn ein direkter TGV die knapp 1000km von Marseille nach Paris non-stop unter 3h meistert, dann sieht das ähnlich aus. Nun liegen die Haupstädte von Frankreich und Deutschland in etwa gleich entfernt auseinander. Eine Strecke, die theoretisch in 3 Stunden mit der Bahn zu fahren ist, dauert in der Realität knappe 10 Stunden. Nicht nur, daß man in Köln umsteigen muß, diese Züge tuckeln mit geringen Geschwindigkeiten von Wasserpumpe zu Wasserpumpe. Warum müssen Züge zwischen München und Hamburg anhalten? Warum kann Stuttgart - Berlin nicht non-stop mit 300 km/h gefahren werden? Die Antworten liegen in Berlin und Brüssel. Bis diese beantwortet werden, muß man sich leider in einen engen Flieger zwängen. Aber langsam tut sich zum Glück was: Stuttgart - Paris ist im Zug inzwischen schneller, als mit dem Flugzeug.
3. Und was ist daran neu ?
renard450 17.11.2009
Was heißt hier, die Lufthansa will weniger Platz für die Passagiere anbieten ? Das tut sie doch schon. Bei meinen letzten LH-Flügen musste man mir als 1.92m Mann aus dem Sitz helfen, weil meine Beine völlig verkrampft waren. Frage an die Flugbegleiterin: "Was kann ich tun, um eventuell einen bequemeren Sitz zu bekommen ?" Antwort: "Business fliegen !" Die LH ist das Vorbild von Ryanair und nicht umgekehrt.
4. Zu gewöhnlich
nemansisab 17.11.2009
Zitat von sysopDie Lufthansa will mit beim Service für Fluggäste in Europa massiv Kosten einsparen. Reichlich Inspiration dafür bieten Billigflieger - und andere Fluglinien, die von ihnen gelernt haben. Fliegen wir bald alle nur noch auf Sparkurs?
Dann kann werde ich mit Sicherheit nicht mehr fliegen. Billigflieger habe ich bislang wenig benutzt und habe sie in keiner guten Erinnerung behalten. Es ist wie bei McDoof, nur in der Luft halt... Jede Vorfreude und Exklusivität ist dahin. Ein echter Grund, für Europareisen wieder das gute alte Automobil zu benutzen. Wenn ich mit meinem BMW im Stau stehe, stehe ich wenigstens mit Niveau......
5. ?
Sveto 17.11.2009
Zitat von sysopDie Lufthansa will mit beim Service für Fluggäste in Europa massiv Kosten einsparen. Reichlich Inspiration dafür bieten Billigflieger - und andere Fluglinien, die von ihnen gelernt haben. Fliegen wir bald alle nur noch auf Sparkurs?
Air Berlin bietet innerdeutsch schon heute deutlich mehr Service und Komfort als Lufthansa (außer man bucht dort nicht "nur" Economy Flex, sondern Business). Auch auf meiner Hausstrecke nach Moskau sind S7 (Sibir) und Air Berlin besser... Lufthansa ist eigentlich nur bei der Zahl der Verbindungen (und damit der Flexibilität) überlegen, weshalb man sie eben ab und an benutzen muss, um nicht zuviel Zeit zu verlieren (außerdem will man ja seinen Status aufrechterhalten, so dass man ausreichend "Pflichtflüge" absolvieren muss, um Statusmeilen zu sammeln). Wo will denn Lufthansa eigentlich noch am Service sparen?
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