Lufthansa Flugbetrieb soll am Samstag "annähernd normal" laufen

Die Tarifparteien reden wieder miteinander, die Gewerkschaft Ufo plant zunächst keine neuen Streiks: Nach dem flächendeckenden Ausstand der Lufthansa-Flugbegleiter können Reisende aufatmen. Am Samstag soll laut der Airline wieder ein "annähernd normaler" Flugbetrieb möglich sein.

Lufthansa-Maschine beim Start: "Keine weiteren Streiks"
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Lufthansa-Maschine beim Start: "Keine weiteren Streiks"


Frankfurt - Wer am Wochenende mit der Lufthansa verreisen will, hat Grund zur Hoffnung, dass sein Flieger starten wird: Nach dem bundesweiten Streik der Lufthansa-Flugbegleiter am Freitag soll der Betrieb am Samstag wieder annähernd normal laufen, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Dennoch wird der Streik bis weit in die kommende Woche hinein Auswirkungen auf den Lufthansa-Flugplan haben. Für Samstag bis Donnerstag hat die Airline am Freitagnachmittag 41 weitere Flugausfälle angekündigt. Aktuelle Infos finden Reisende auf der Homepage der Lufthansa.

Trotz des 24-Stunden-Ausstandes, zu dem die Gewerkschaft Ufo die Flugbegleiter der Lufthansa aufgerufen hatte, war das befürchtete Chaos am Freitag ausgeblieben. Deutschlands größte Airline musste rund die Hälfte der geplanten 1800 Flüge streichen (hier finden Sie die Ereignisse des Vormittags im Minutenprotokoll).

Am Drehkreuz Frankfurt am Main dürfte am Freitag gut die Hälfte der regulär rund 840 Lufthansa-Flüge ausgefallen sein. Vor den Umbuchungscountern herrschte am Morgen allerdings nur geringer Andrang. Viele Kunden sind gar nicht erst gekommen, kaum ein angereister Passagier war von dem Streik überrascht. Einige internationale Fluggäste strandeten jedoch am Frankfurter Airport.

"Nur ein Verlierer: der Reisende"

Während es in den Schalterhallen der deutschen Flughäfen auffallend ruhig blieb, kochten im Internet die Wogen der Entrüstung teilweise hoch. Enttäuschte Kunden beschwerten sich im sozialen Netzwerk Facebook bitterlich über gestrichene Flüge. Dabei wird die Diskussion um den bundesweiten Streik des Kabinenpersonals von Deutschlands größter Fluggesellschaft nicht immer nur mit sachlichen Argumenten geführt: "Seinem Arbeit- und Brötchengeber so in den Rücken zu fallen ist unmoralisch und kurzsichtig", beschwert sich etwa ein erboster Facebook-Nutzer auf dem Profil von Berlin Airport. "Hier gibt es nur einen Verlierer - den Reisenden", schreibt ein anderer.

"Ich kann verstehen, dass Passagiere verärgert sind, traurig, wütend, verzweifelt", hält eine streikende Flugbegleiterin dem entgegen. Zugleich wirbt sie aber um Verständnis. Für sie und ihre Kollegen gehe es bei dem Tarifkonflikt "um nicht weniger als um ihren Lebensentwurf. Wo bleibt da das Mitgefühl", fragt sie in die Runde der Internetgemeinde.

Viele Passagiere zeigen bei Facebook, wo Lufthansa über 1.168.400 "Fans" hat, jedoch auch Verständnis für den Arbeitskampf der Flugbegleiter. Ein User postet sogar einen offenen Brief an den Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Christoph Franz. "Lieber Herr Dr. C. Franz", heißt es darin. "Ich finde den Streik gut und die Passagiere sollten mitstreiken", schreibt der User.

Ende der Funkstille

Nachdem zwischen den Tarifparteien tagelang Funkstille geherrscht hatte, reden die Lufthansa und Ufo inzwischen wieder miteinander. Sie unterzeichneten am Freitagabend eine Schlichtungsvereinbarung. Lufthansa hatte am Nachmittag erste Zugeständnisse gemacht. Der Konzern will auf den umstrittenen Einsatz von Leiharbeitern als Flugbegleiter in Berlin verzichten.

Ufo-Chef Nicoley Baublies sagte, weitere Streiks solle es zunächst nicht geben. "Wir werden, egal was jetzt in den nächsten ein, zwei Tagen passiert, keine weiteren Streiks planen und verkünden." Die Lufthansa habe quasi kapituliert, indem sie für Freitag fast alle Verbindungen gestrichen habe. Daher habe er den ersten Schritt gemacht.

Ufo fordert in dem seit 13 Monaten währenden Tarifkonflikt fünf Prozent mehr Lohn, das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa bietet bei einer längeren Laufzeit 3,5 Prozent Lohnerhöhung, plant aber eine große konzerninterne Billigtochter mit niedrigeren Gehaltstarifen. Für die verbleibenden Mitarbeiter will das Unternehmen die Gehaltsstufen abflachen und für Neueinsteiger niedrigere Bedingungen durchsetzen.

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