Hamburg - Die Pfeifkonzerte sind verstummt, die Lufthansa-Mitarbeiter haben nach fünf Stunden Streik wieder die Arbeit aufgenommen - aber noch hat sich die Lage an vielen deutschen Flughäfen nicht normalisiert. "Die Terminals sind voll, der Ausstand wird sich noch auf den ganzen Tag auswirken", sagt Gerold Schaub, Pressesprecher von Ver.di Hessen. In Frankfurt waren am Vormittag mehr als 350 Flüge ausgefallen.
Ein Warnstreik der Gewerkschaft Ver.di hat am Donnerstag den Airport in der Mainmetropole und außerdem die Flughäfen in Düsseldorf, München und Hamburg lahmgelegt. Vor den Schaltern bildeten sich Kofferberge und lange Schlangen. Auch Berlin und Köln waren von dem Ausstand betroffen.
Insgesamt strich die Lufthansa bis zum Mittag auf innerdeutschen und europäischen Strecken fast 700 Verbindungen. Die Absagen reichten bis weit in den Nachmittag, weil der Flugplan gestört ist. "Es ist für die Passagiere ärgerlich, wenn sie ihre Reise wegen eines Streiks nicht antreten können", sagt Günter Isemeyer von Ver.di Nordrhein-Westfalen. "Aber wir machen das, damit es in den Tarifverhandlungen mit der Lufthansa Annäherungen gibt."
Am Freitag geht es in die nächste Runde: Ver.di verlangt für 33.000 Beschäftigte bei der Lufthansa 5,2 Prozent mehr Gehalt und sichere Arbeitsplätze. Lufthansa hat hingegen von den Arbeitnehmern Nullrunden und längere Arbeitszeiten als Sparbeiträge gefordert. Im Zeichen sinkender Nachfrage und erstarkter Konkurrenz hat Lufthansa wie nahezu alle europäischen Fluggesellschaften ein umfangreiches Strukturreformprogramm aufgelegt.
"Ostern wäre nicht der ideale Zeitpunkt, um zu streiken"
"Wenn die Lufthansa kein besseres Angebot auf den Tisch legt, müssen wir den Druck erhöhen", sagt Hans Sterr von Ver.di Bayern. Ob es in den kommenden Wochen neue Streiks geben werde, hänge davon ab, wie verhandlungsbereit sich die Lufthansa zeige. Dass es um Ostern herum zu erneuten Ausständen der Lufthansa-Mitarbeiter komme, sei "sehr unwahrscheinlich". "Das wäre nicht der ideale Zeitpunkt, um zu streiken", sagt Sterr.
Deutlicher drückt sich Ver.di-Sprecher Isemeyer für sein Bundesland aus. "Bis zum Ende der Osterferien wird es in Nordrhein-Westfalen keine Lufthansa-Streiks geben", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Die Menschen, die dann in den Urlaub fliegen wollen, sollen nicht unter neuen Ausständen leiden."
Dass die Lufthansa bereits am Tag vor dem Streik fast alle Kurzstreckenflüge annulliert hatte, hält Isemeyer für eine "plumpe Lösung" des Konflikts. Das Management habe es sich einfach gemacht. "Man hätte nicht rigoros alle Flüge absagen müssen." Um den Fluggästen Planungssicherheit zu geben, habe man lieber eine Vielzahl von Flügen vorsorglich annulliert, sagt Lufthansa-Sprecher Florian Gränzdörffer.
Ver.di-Chef Frank Bsirske hat weitere Protestaktionen der Lufthansa -Beschäftigten angekündigt, sollte sich der Konzern im Tarifstreit nicht auf die Arbeitnehmer zubewegen. "Wer uns nicht ernst nimmt, kriegt uns danach ernsthaft zu spüren", sagte Bsirske bei einer Kundgebung am Hamburger Flughafen. Der Konzern sei auf die Forderungen der Arbeitnehmern bislang nicht eingegangen. "All das, was uns wichtig ist, ist für den Vorstand ein rotes Tuch."
Die wichtigsten Informationen für Passagiere:
Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?
Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Bei der Lufthansa können die Kunden ihr Flug- auch in ein Bahnticket umtauschen oder von vornherein kostenlos umbuchen.
Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?
Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen.
Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?
Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.
Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?
Fluglinien:
Flughäfen:
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.
Hotlines von Veranstaltern:
Mit Material von Reuters/dpa
jus
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