Pilotenstreik am Freitag Was Germanwings-Kunden jetzt wissen müssen

Ab 6 Uhr am Freitag streiken die Piloten von Germanwings für sechs Stunden. 70 Prozent der Flüge werden ausfallen, 15.000 Fluggäste betroffen sein. Was bedeutet das für die Passagiere?

Germanwings im Flug: Am Freitag könnte es zum Streik kommen
DPA

Germanwings im Flug: Am Freitag könnte es zum Streik kommen


Frankfurt am Main - Die Tarifverhandlungen bei Lufthansa sind gescheitert. Die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings streiken deshalb an diesem Freitag von 6 bis 12 Uhr. In dieser Zeit waren laut Plan eigentlich 164 Flüge an sieben deutschen Flughäfen geplant. Davon fallen nun laut Germanwings 116 - also 70 Prozent - aus. Etwa 15.000 Passagiere könnten ihren Flug nicht antreten.

Betroffen sind demnach vor allem innerdeutsche Flüge, Verbindungen in die Urlaubsgebiete werden dagegen stattfinden. Dafür setzt die Fluglinie Piloten ein, die inzwischen im Management von Germanwings arbeiten. Auch würden Flugzeuge anderer Airlines angemietet.

Am stärksten beeinträchtigt der Streik voraussichtlich die German-Wings-Standorte in Köln und Stuttgart. Am Airport Köln/Bonn sollen 32 von 50 geplanten Flügen ausfallen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt werden 22 von 36 gelisteten Flügen annulliert. Durch Verschiebungen und Verspätungen könnten zudem Germanwings zufolge weitere Flüge nach Beendigung des Streiks am Nachmittag ausfallen.

Beim Streik im April fielen 3800 Flüge aus

In Hamburg sollten in dem angekündigten Zeitraum nach dem regulären Plan 28 Starts und Landungen von German Wings stattfinden, in Berlin 22, in Düsseldorf 14, und in Hannover sind es normalerweise 10 An- und Abflüge. Dortmund kommt nur auf vier reguläre Flugbewegungen bis zum Freitagmittag. Welche Flüge genau gestrichen werden, ist auf der Webseite Germanwings.com zu sehen.

Die Fluggesellschaft bittet ihre Kunden, sich dort über den aktuellen Status ihrer Flüge zu informieren. Im Falle eines Ausfalls könnten sie über die Internetseite oder im Callcenter ihren Flug kostenlos stornieren oder umbuchen. Wer eine Verbindung innerhalb Deutschlands gebucht hat, kann laut dem Unternehmen auf die Bahn ausweichen.

Bereits im April dieses Jahres hatten die Piloten bei Germanwings, Lufthansa und Lufthansa Cargo gestreikt - mit gravierenden Auswirkungen: 3800 Flüge fielen aus, rund 425.000 Reisende waren betroffen.

Hintergrund des Konflikts bei Europas größter Airline ist der Streit um die Übergangsrente für die 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Im Schnitt gehen Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das durchschnittliche Eintrittsalter schrittweise auf 61 Jahre erhöhen.

Hier finden Sie die wichtigsten Informationen:

Wo erhalte ich Auskunft zu meinem Flug?

Den eigenen gebuchten Flug bei Germanwings können Kunden hier überprüfen.

Wie kann ich ansonsten mein Ziel erreichen?

Wer einen innerdeutschen Flug gebucht hatte, der nun ausfällt, und nicht die Bahn nutzen will, hat auch die Möglichkeit, mit Mitfahrgelegenheiten, Linienbussen oder Mietwagen zu reisen. Angebote gibt es auf den Seiten von mitfahrgelegenheit.de, Fahrgemeinschaften.de, Blablacar.de, Bessermitfahren.de oder Drivemee.de.

Das Fernbusangebot ist im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen - Verbindungen finden sich auf den Webseiten von Mein Fernbus, Deutsche Bahn, Flixbus und ADAC Postbus.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wer trägt die Kosten, wenn ich strande?

Nach der EU-Fluggastrechteverordnung muss eine Airline oder der Veranstalter seine gestrandeten Kunden betreuen - unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Verpflegung samt Getränken sollte gestellt werden, und wenn sich der Flug auf einen anderen Tag verschiebt, muss die Airline oder der Veranstalter die Hotelkosten tragen.

Servicetelefon:

  • Germanwings: 0180-6320320 (0,20 Euro/Anruf aus dem Festnetz - Mobilfunk maximal 0,60 Euro/Anruf)

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:

abl/emt/dpa



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
fairer_demokrat 28.08.2014
1. Lufthansa bzw. German Wings
sollte auf jeden Fall hart bleiben. Diese ueberpriviligierten Abzocker sollten sich andere Jobs suchen, dann kommen sie vielleicht auch wieder auf den Teppich.
ardor58 28.08.2014
2. Schrott Gesellschaft kein Service
Wenn so weiter geht ,geht der Laden bald den Bach runter ! Lieber ein 50 mehr investieren und mit der Konkurrenz fliegen !
granitbert 28.08.2014
3. Überzogen
Die Welt steht vor entscheidenden Fragen, die Krisen und Kriege häufen sich, das ist natürlich genau der richtige Zeitpunkt, wo hochbezahlte ihren nächsten Erpressungsversuch starten auf Kosten der Allgemeinheit, der man ja nun nicht mehr empfehlen kann, auf Malaysian oder Russian Airline umzubuchen. Der Passagier wird missbraucht von einer kleinen Gewerkschaft, die Macht hat. Bei der Bahn wird es ähnlich laufen. Bald sind wir Geiseln der kleinen Gewerkschaften.
hathor1 28.08.2014
4. Warum...
... bucht man einen Flug auch innerdeutsch? Weil es schneller geht und wohl die Zeitersparnis begründet ist. Einfach zu sagen: Innerdeutsche Flüge können alternativ durch die Bahn ersetzt werden, zeigt Ahnungslosigkeit im Procedere des Bahnfahrens. Wer normal geflogen wäre, den erwartet dann eine lange Bahnfahrt. Kurzfristig noch Ticket uva Platzreservierung zu bekommen, ist illusorisch. Eine so lange Fahrt ohne Platz unzumutbar.
archetype9 29.08.2014
5. Relevanz
Es geht hier nicht nur um die Gehaltserhöhung sondern auch um gut 8% Jahresgehalt die in eine (für den Fall der Berufsunfahigkeit bzw. Der Frühverrentung) Rentenkasse eingezahlt wurden. Die soll jetzt gestrichen werden. Wenn Sie der Meinung sind dass Piloten überpriviligierte Heulsusen sind, so bitte ich Sie, geben Sie doch ihre private Versicherung auf und spenden Sie sie an ein Unternehmen ihrer Wahl. Warum sollte man Menschen das Recht auf Gewerkschaftsbildung nehmen nur weil sie nach gut 1 1/2 Jahren Ausbildung (und ggf. studium) ein angemessenes Gehalt verdienen für die sichere Beförderung von unter danderem auch Ihrer Person?
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