Pariser Luxushotel Legendäres Lutetia öffnet wieder

Ein Pariser Luxushotel zeigt sich nach jahrelangem Umbau in neuer Pracht: das Lutetia im Viertel Saint-Germain-des-Prés. Künstler wie Juliette Gréco, aber auch deutsche Besatzer und Hitler-Gegner übernachteten hier bereits.

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Das Lutetia ist in Paris das Hotel der großen Namen. Der spätere Staatspräsident Charles de Gaulle und seine Frau Yvonne verbrachten in dem Traditionshaus im Art-déco-Stil ihre Hochzeitsnacht. Schriftsteller und Künstler gingen ein und aus. Unter ihnen waren die Chanson-Legende Juliette Gréco, die Kinostars Catherine Deneuve, Isabelle Huppert sowie Gérard Depardieu.

Nach vierjährigen Bauarbeiten öffnet das Grandhotel im Stadtviertel Saint-Germain-des-Prés am Donnerstag kommender Woche wieder seine Pforten. Die Gruppe des israelischen Immobilienunternehmers Alfred Akirov, der es seit acht Jahren besitzt, investierte rund 200 Millionen Euro in den Umbau. Eigentlich sollte dieser schon im Mai abgeschlossen sein, im ebenfalls neu gestalteten Restaurant werden Gäste erst von September an wieder Platz nehmen können.

Das Lutetia ist das einzige große Luxushotel der französischen Hauptstadt auf dem linken Ufer der Seine - und pflegt auch deshalb den Unterschied zu anderen Häusern mit klingenden Namen, unter ihnen sind das Ritz, das Crillon oder das Meurice.

Generaldirektor Jean-Luc Cousty sieht es als Vorteil, etwas abseits der Touristenströme der quirligen Hauptstadt zu liegen. "Auf dem linken Ufer kann man noch Einheimische treffen", meint er. Das siebenstöckige Haus an einer großen Straßenkreuzung baut zwar auf den lässigen Charme des Saint-Germain-Viertels mit seinen Kunstgalerien, Bistros und alten Adelspalästen. Doch die Edelherberge aus der Belle Époque vor dem Ersten Weltkrieg setzt ganz klar auf den Luxusboom in Paris.

Deutscher Geheimdienst und Holocaust-Ü berlebende

Die Neueröffnung bringt die wechselvolle Geschichte des Lutetias in Erinnerung, die manche einmalig nennen. Das Haus wurde 1910 auf Initiative des Kaufhauses Le Bon Marché eröffnet, um zahlungskräftige Kunden in der Nähe unterzubringen. Von 1935 an trafen sich hier Hitler-Gegner aus Deutschland. Einer der Initiatoren des sogenannten Lutetia-Kreises war der Kommunist und Medienunternehmer Willi Münzenberg. Er strebte - letzten Endes ohne großen Erfolg - eine breite Vertretung der politischen deutschen Emigration an.

Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die deutschen Besatzer der Hauptstadt das Hotel - wie viele andere auch. Im Lutetia wurde die "Abwehr", der militärische Geheimdienst von Wilhelm Canaris, untergebracht. Die Pariser Autorin Cécile Desprairies erinnert daran, dass die "Abwehr" vor allem gegen "résistants" (Widerstandskämpfer) vorging, mit Hilfe der Geheimen Feldpolizei, die ebenfalls im "Lutetia" Quartier bezogen habe.

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Luxushotel in Paris: Rundgang durch das Lutetia

Befreiung und Kriegsende brachten dann eine weitere Wende für das "Lutetia". Eine Tafel in der Nähe des Eingangs am Boulevard Raspail erinnert daran, dass Überlebende der Nazi-Konzentrationslager vom April bis August 1945 im Hotel untergebracht waren. Juliette Gréco fand hier laut Tageszeitung "Le Monde" ihre Mutter und ihre Schwester wieder, die wegen Widerstands deportiert worden waren. "Die Tatsache, dass dieses Hotel beschlagnahmt wurde, um Rückkehrer aus den Lagern aufzunehmen, ist sehr wichtig für die emotionale Bindung mit den Bewohnern von Paris", sagt Cousty.

Hotel will "Palace" werden

Mit der Renovierung ist die Zahl der Zimmer und Suiten auf 184 geschrumpft. Das Personal wurde hingegen kräftig aufgestockt. Es arbeiten hier nun gut 420 Menschen, vor der Schließung 2014 waren es noch 280 gewesen. Etwa ein Drittel der Beschäftigten war schon im alten Lutetiaa dabei. "Wir sorgen damit für eine gewisse Kontinuität", sagte Direktor Cousty. "Stammkunden werden wiedererkannt, das ist sehr wichtig."

Das Lutetia strebt nach der Wiedereröffnung das prestigeträchtige Luxushotel-Label "Palace" an, das die französische Tourismuszentrale vergibt. Damit kann sich in Paris nur ein knappes Dutzend Tophotels schmücken. Ein Schwimmbad ist für die Bewerbung ein Muss. All das hat für den Kunden seinen Preis, 850 Euro sind im Schnitt für ein Zimmer fällig, in den ersten Monaten gibt es Angebote von 650 bis 700 Euro.

Christian Böhmer, dpa/abl

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