Mainzer Hauptbahnhof Bahn verhindert befürchtetes Chaos zum Schulbeginn

Am Mainzer Hauptbahnhof gilt noch immer ein Notfahrplan. Dennoch konnte die Deutsche Bahn zum rheinland-pfälzischen Schulbeginn ein weiteres Chaos verhindert. Zusätzliche Züge am Morgen und Mitarbeiter aus der Verwaltung schufen Entlastung.

Mainzer Hauptbahnhof: Zusätzliche Züge verhindern Chaos zum Schulbeginn
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Mainzer Hauptbahnhof: Zusätzliche Züge verhindern Chaos zum Schulbeginn


Mainz - In Rheinland-Pfalz hat nach den Sommerferien die Schule wieder begonnen - und das befürchtete Chaos am Mainzer Hauptbahnhof blieb aus. Denn am Montagmorgen hat die Deutsche Bahn für Schüler und Pendler zusätzliche Züge zum Notfallfahrplan eingesetzt.

85 Prozent der geplanten Züge seien auf den Schienen gewesen, sagte eine Bahnsprecherin in Berlin. Die Bahn hat zudem Mitarbeiter aus der Verwaltung abgestellt, die Reisende an den Bahnsteigen Auskunft geben sollten. Ziel war es, die Schüler zum Unterricht zu bekommen - und wieder nach Hause. Die Zahl der Reisenden am Bahnhof soll mit dem Schulstart um 14.000 auf 62.000 täglich steigen, schätzte der Zweckverband für Schienenpersonennahverkehr im südlichen Rheinland-Pfalz.

Die Pendler und Schüler am Mainzer Hauptbahnhof brauchten allerdings Glück, um dennoch problemlos zur Arbeit oder zur Schule zu kommen. Manche berichteten, es sei alles normal gelaufen: die Schülerinnen Laura und Yasmin, beide 16, zum Beispiel, die pünktlich aus Richtung Ingelheim am Bahnhof ankamen. "Wir mussten uns gestern schon informieren", sagt Laura. "Aber es ging alles gut. Wir haben den gleichen Zug genommen wie immer", ergänzt Yasmin.

Andere ärgerten sich: Volker Klein, Personalleiter einer Klinik, hat seinen ersten Arbeitstag nach drei Wochen Urlaub. "Das Erste, was ich heute mache, ist, unseren Anteil am Jobticket zurückzufordern", kündigt der 52-Jährige an. Mehr als 400 Mitarbeiter seien betroffen. Klein selbst ist heute später dran als sonst, denn sein Anschlusszug kam nicht. "Es ist unglaublich, was man sich leistet", sagt er.

Nachts und an den Wochenenden planmäßiger Zugverkehr

Seit zwei Wochen fallen am Hauptbahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Züge aus oder müssen umgeleitet werden. Grund ist ein Personalmangel im dortigen Stellwerk. Dies hatte zu einer bundesweiten Debatte über Engpässe bei der Deutschen Bahn geführt.

Zurzeit und bis zum Ende des Monats gilt noch ein Notfahrplan. Demnach fallen in den Morgenstunden, zwischen 6 Uhr und 8 Uhr, 15 Prozent der Nahverkehrszüge aus. Bis 20 Uhr entfallen dann 40 Prozent der Züge im Nahverkehr. Auch mehrere Fernverkehrszüge machen derzeit keinen Halt am Mainzer Hauptbahnhof. In den Nachtstunden und am Wochenende hingegen verkehren die Züge dem Sprecher zufolge planmäßig.

Trotz der leichten Entspannung hält die Bundesnetzagentur an ihrer Drohung fest, die Bahn wegen der Zugausfälle mit einem Zwangsgeld von einer Viertelmillion Euro zur Kasse zu bitten. Es werde zwar registriert, dass die Bahn mit Notfallfahrplänen und zusätzlichen Zügen reagiert habe, sagte ein Sprecher am Montag in Bonn. Es müssten aber die nächsten Wochen abgewartet werden, um die Situation für die Bahnreisenden in Mainz abschließend zu bewerten. Die Probleme am Hauptbahnhof müssten vollständig beseitigt sein, forderte die Netzagentur.

Die Eisenbahngewerkschaft kritisierte die Ankündigung von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), einen Teil der Gewinne der Bahn wieder ins Unternehmen zu investieren, als "ungenügend". "Wir fordern, dass die vom Bund erhobene Zwangsdividende vollständig in das System Schiene zurückfließt - und zwar on top, ohne dass es an anderer Stelle zu Kürzungen kommt", erklärte EVG-Chef Alexander Kirchner.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat die Informationspolitik der Deutschen Bahn während des Mainzer Fahrplandebakels kritisiert. In Worms habe es keine Aushänge zu Änderungen gegeben, Mitarbeiter seien nicht im Bilde gewesen. Der Verband vermutet ähnliche Zustände in anderen Bahnhöfen, nannte aber keine weiteren Fälle.

abl/dpa



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insgesamt 2 Beiträge
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zick-zack 19.08.2013
1. bitte wie?
Der Herr Klein war jetzt 3 Wochen im Urlaub und möchte jetzt für diese Zeit, in der er die Bahn ohnehin nicht genutzt hätte, Geld zurück? Sorry, aber das schlimmste an der Bahn sind immer noch deren Kunden! Die Bahn ist ein hoch logistisches Unternehmen. Kein Kunde weiß, wie verzahnt das alles abläuft und daß dadurch selbst kleine Störungen sehr große Auswirkungen haben müssen. Aber meckern geht immer. Warum schimpfen alle nur auf dem Bahnsteig? Meckert doch auch mal bei der Post oder bei Lidl!
thunderstorm305 27.08.2013
2. Das war ein verkappter Streik.
Im letzten Focus ist zu lesen, dass die Gewerkschaft zugegeben hat, dass die Situation in Mainz arrangiert wurde. Mittels der normalen Urlaubsplanung und bewussten Krankmeldungen in Mainz und den umliegenden Bezirken. Das kann es ja wohl nicht sein. Vielleicht hakt Spiegel Online hier auch mal nach. Eine Strafe gegenüber der Gewerkschaft wäre hier gerechtfertigt.
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