Air Asia X: Malaysische Airline führt kinderfreie Zone in Economy Class ein

Wenn Kinder mit im Flugzeug sitzen, kann es schon mal lauter zugehen. Doch ist das ein Grund, ihnen den Zutritt zu bestimmten Bereichen in der Maschine zu verweigern? Ein malaysischer Billigflieger verbannt Passagiere unter zwölf Jahren nun aus den ersten sieben Reihen der Economy Class.

Airbus-Maschine von Air Asia X: Fluggesellschaft verbannt Familien in hintere Reihen Zur Großansicht
DPA

Airbus-Maschine von Air Asia X: Fluggesellschaft verbannt Familien in hintere Reihen

Frankfurt/Main - Malaysia Airlines hat schon vor über einem Jahr kinderfreie Zonen auf Flügen eingeführt - erst in der First Class, später auch im Oberdeck der A380-Maschinen. Nun zieht der malaysische Billigflieger Air Asia X nach: Die ersten sieben Reihen der Economy Class sind ab sofort für Kinder unter zwölf Jahren tabu. Erwachsene, die ohne Kinder reisen und in der ruhigen Zone sitzen wollen, müssen einen Aufschlag zahlen.

Die Airline verspricht auf ihrer Webseite "Frieden und Stille" für ein paar Euro und verbannt die Familien in den hinteren Flugzeugteil. Nach Europa fliegt Air Asia X nicht, die neue Regelung gilt für Flüge von Kuala Lumpur nach China, Taiwan, Japan, Korea, Australien und Nepal.

Im Internet findet sich neben Empörung auch viel Zustimmung zum "Fliegen ohne Kindergeschrei" und einige Kritik an Eltern, die ihren Nachwuchs nicht im Griff hätten. "Ich werde gerne 50 bis 100 Dollar mehr pro Strecke zahlen, wenn man mir versichert, dass fünf Reihen vor und hinter mir kein aufgedrehter Quälgeist sitzt, den seine unnützen Eltern nicht unter Kontrolle haben", zitiert CNN den Forumsnutzer DigDug2010 in einem Bericht. "Alle Airlines sollten kinderfreie Flüge anbieten."

Auch bei Twitter sind positive Reaktionen zu lesen: "Was für eine großartige Idee", kommentiert Nutzerin Ellen Meagher den Vorstoß von Air Asia X. "Ich würde dafür zahlen", heißt es in einem Tweet von Meruschka.

Und offenbar gibt es auch Eltern, die sich für die Idee erwärmen können: CNN-Leser andy b schreibt, er könne es sich vorstellen, so einen Ruhezonen-Sitz zu buchen, wenn er mal ohne sein Kind reist. "Was ich nicht mag, sind Erziehungsratschläge von Leuten, die nicht mal einen Goldfisch aufziehen könnten." Man könne ein Kind nun mal nicht in jeder Situation dazu bringen, sich zu benehmen. "Da hilft nur ausprobieren."

"Das Schreien von Säuglingen muss jeder aushalten können"

Der Hamburger Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg sieht im Vorgehen der malaysischen Gesellschaften dennoch keinen globalen Trend. Mindestens in Nordamerika und Europa seien die Gesellschaften sehr sensibel gegen Diskriminierungen, so dass für die Fluggesellschaften keine Möglichkeit bestehe, die mitfliegenden Kinder schlechter zu behandeln als andere Fluggäste. "Ein Großteil der Gäste würde das als sehr unfreundlich empfinden und nicht auf Dauer mit einer solchen Airline fliegen wollen."

Die meisten Kinder seien ohnehin gebannt von Bordfilmen oder elektronischem Spielzeug, sagt Schellenberg. "Und das Schreien von Säuglingen, die ja nun wirklich nichts dafür können, muss doch jeder aushalten können." Ohnehin seien angetrunkene Erwachsene viel unangenehmere Mit-Passagiere.

Die deutschen Fluggesellschaften versichern, es gebe auch überhaupt keine Pläne für kinderfreie Zonen. Air Berlin bezeichnet sich selbst als "Airline mit Herz". "Bei uns gibt es keinerlei Überlegungen in diese Richtung", sagt eine Sprecherin. "Wir werden weiterhin ein vielfältiges Angebot für Familien mit Kindern aller Altersstufen anbieten."

Auch beim Marktführer Lufthansa gibt es keine Tabu-Zonen für junge Passagiere. "Das ist auch nicht geplant", heißt es in der Frankfurter Zentrale. Konflikte an Bord lassen sich am besten durch gut geschultes Personal vermeiden, ergänzt der Experte Gerald Wissel von Airborne Consulting. "Da ist Augenmaß und Fingerspitzengefühl gefragt."

Christian Ebner/dpa/jus

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German Expat 05.02.2013
Ich finde es gut und wir haben selbst einen 7 jaehrigen Sohn. Wenn also jemand garantiert keine Kinder neben sich haben will soll er extra zahlen und alle sind gluecklich incl. der Eltern.
2. optional
ich2010 05.02.2013
gar nicht mal so schlecht die idee. würd ich auch dafür zahlen... sorry, aber wer einmal ein kleinkind auf nem 12 stunden flug hinter sich hatte das nun mal nur eine begrenzte zeit halbwegs ruhig ist, kann das nachvollziehen. tritte in die rückseite des sitzes waren da noch das harmloseste. auch wenn mich die entrüstung sämtlicher gutmenschen jetzt trifft - ich bleibe bei meiner meinung.
3. optional
ich2010 05.02.2013
gar nicht mal so schlecht die idee. würd ich auch dafür zahlen... sorry, aber wer einmal ein kleinkind auf nem 12 stunden flug hinter sich hatte das nun mal nur eine begrenzte zeit halbwegs ruhig ist, kann das nachvollziehen. tritte in die rückseite des sitzes waren da noch das harmloseste. auch wenn mich die entrüstung sämtlicher gutmenschen jetzt trifft - ich bleibe bei meiner meinung.
4. Sehr gut
Mo2 05.02.2013
solange es kein ausgrenzen ist. Aber ein "Familienbereich" ist schon ok und ich würde auch etwas mehr zahlen für die Ruhezone.
5. Es ist nicht nur der Lärm...
huger56 05.02.2013
Fliegen mit Kindern ist nicht nur wegen des Lärms stressig, das hört wieder auf und kann mit Kopfhörern bekämpft werden, aber Herumgerenne, Tritte gegen den Sitz und Eltern, die permanent was aufstehen, absitzen und was aus dem Gepäckfach holen, nerven viel mehr. Und DAS kann durch die Eltern beeinflusst werden.
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