Massive Behinderung ICE-Verkehr ist auch am Donnerstag eingeschränkt

Im Rhein-Main-Gebiet herrscht Chaos im ICE-Verkehr: Die Schnellzüge zwischen Frankfurt und München fallen komplett aus, Abteile sind überfüllt und Verbindungen verspätet. Auch für Donnerstag ist kaum Besserung in Sicht.


Berlin - Zugausfälle, Verspätungen, überfüllte Abteile und unplanmäßiges Umsteigen: Wegen Sicherheitskontrollen an den Achsen von ICE-Zügen mussten Bahnreisende im Rhein-Main-Gebiet auch am Mittwoch massive Einschränkungen in Kauf nehmen. Die Engpässe konzentrieren sich vor allem auf die Strecken vom Ruhrgebiet über Köln und Frankfurt bis nach München oder Basel sowie von Frankfurt nach Dresden. Die ICE-Züge zwischen Frankfurt Hauptbahnhof und München fielen komplett aus, auf der Strecke Köln - Wiesbaden/Mainz fuhren nur einige ICE.

"Im Vergleich zu Dienstag gab es nur punktuelle Veränderungen", sagte der Sprecher der Deutschen Bahn in Nordrhein-Westfalen, Gerd Felser, in Düsseldorf. Insgesamt habe sich an der Lage nicht viel getan. Überfüllte Abteile und häufiges Umsteigen blieb vielen Fahrgästen auch am Mittwoch nicht erspart. Auf manchen Strecken hätte die Hälfte der üblichen Plätze gefehlt.

Am Nürnberger Hauptbahnhof fühlten sich viele Bahnreisende verunsichert: Jeder zweite Zug verkehrte laut Anzeigetafel nicht fahrplanmäßig. Neben Gleisänderungen und Verspätungen erregten besonders ungültig gewordene Reservierungen den Unmut der Fahrgäste. "Man muss ja froh sein, wenn überhaupt ein Zug kommt", meinte etwa Peter Bauer resigniert nach der zweiten Verspätungsankündigung. "Trotzdem, die sollen lieber testen, bevor was Schlimmeres passiert", sagte er.

Jeder fünfte Fahrgast im Fernverkehr betroffen

Auch in den nächsten Tagen wird die Bahn mit Engpässen im ICE-Verkehr zu kämpfen. Auf einigen Hauptstrecken bleibt es bei einem stark eingeschränkten Sitzplatzangebot, auch wenn die Bahn zusicherte, die Situation werde sich verbessern. Am Donnerstag fahren die ICE auf der Strecke von Dortmund über Frankfurt Flughafen und Mannheim nach München voraussichtlich nur zwischen Köln und Stuttgart, morgens und abends vereinzelt aber auch bis zu den regulären Endstationen.

Zwischen Köln und Frankfurt Hauptbahnhof fallen im Berufsverkehr die meisten ICE-Züge aus. Auch auf der Strecke Köln - Wiesbaden/Mainz fahren keine ICE. Zwischen Wiesbaden/Frankfurt und Dresden sollen gegebenenfalls Ersatzzüge zum Einsatz kommen.

Etwa jeder fünfte Fahrgast im Fernverkehr ist am Mittwoch von den Einschränkungen betroffen gewesen, hieß es in der Bahnzentrale in Berlin. "Es wird besser", je mehr ICE der Baureihen 3 und T die Kontrollen durchlaufen hätten, sagte Sprecher Holger Auferkamp. Bei keiner der kontrollierten Achsen sei ein Fehler festgestellt worden. Noch immer warte die Bahn auf das Ergebnis der Materialprüfung, die den ICE-Unfall vom 9. Juli in Köln klären soll.

Die Bahn will Reservierungen, die aufgrund der Einschränkungen im ICE-Verkehr nicht genutzt werden können, erstatten. Wer von einem ICE auf einen IC umsteigen müsse, bekomme den Differenzbetrag ausbezahlt. Unter der Telefonnummer 08000 99 66 33 erreichen Bahnkunden eine kostenlose Service-Hotline.

Pro Bahn: Teilweise hausgemachtes Problem

Der Fahrgastverband ProBahn fordert die Kunden der Deutschen Bahn auf, die Zugausfälle auf der Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt wegen der zusätzlichen ICE-Kontrollen nicht klaglos hinzunehmen. "Das ist teilweise ein hausgemachtes Problem der Bahn", sagte Martin Schmidt vom ProBahn-Landesverband Hessen am Mittwoch. Von Ausfällen betroffene Kunden sollten ihren Fahrpreis zurückverlangen. . Bei kleineren Verspätungen, nicht vorhandenen Sitzplatzreservierungen oder überfüllten Zügen sei das etwas anderes. Hier gelte tatsächlich das Argument der Bahn: Sicherheit vor Komfort.

Dass Pendlern an der Schnellfahrstrecke in Montabaur oder Limburg ersatzlos Züge gestrichen wurden, dafür habe er "kein Verständnis", sagte Schmidt. Der Grund hierfür ist, dass die Bahn "zu wenige Züge der ICE-3-Baureihe besitzt", erläuterte der Bahn-Experte. Auf der erst 2002 eingeweihten Schnellfahrstrecke hätten jedoch nur ICE-Züge eben dieser Baureihe eine Betriebserlaubnis. Daher könne man dort nicht einfach - wie andernorts geschehen - ICE-Züge durch ältere, mit Loks bespannte IC-Züge ersetzen, sagte der ProBahn-Sprecher.

Dieser Mangel ließe sich laut Schmidt allerdings schnell beheben, würde sich die Deutsche Bahn um eine Betriebsgenehmigung für andere Züge und Loks auf der Schnellfahrstrecke bemühen. "Es gibt ja auch Dieselloks, die diese Strecke befahren dürfen, um liegengebliebene ICE-Züge abzuschleppen", sagte er.

abl/dpa/ddp/AP



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Meinungsmarktbeiträger 11.07.2008
1. Erfahrungen mit der Bahn
Zitat von sysopService, Sicherheit, Komfort: bei der Bahn stets Argumente, auf der Schiene zu reisen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Über "Service, Sicherheit, Komfort" konnte ich mich nie beklagen. Wenn ich - meist wiederwillig und aus beruflichen Gründen - mit dem ICE unterwegs war, dann fand ich es im nachherein immer wieder sehr angenehm. Bahnfahren ist nach meinem Empfinden allerdings nach wie vor viel zu teuer und deswegen so wenig attraktiv.
der_durden 11.07.2008
2. Nichts gelernt...
Zitat von sysopService, Sicherheit, Komfort: bei der Bahn stets Argumente, auf der Schiene zu reisen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Die DB hat nichts gelernt. Der arrogante Abschluss von Eschede ist das Eine, dass die Bahn aber ein weiteres Mal gewillt ist, solche Risiken auf Kosten der Reisenden auf sich zu nehmen verschlägt mir die Sprache...
Rochus 11.07.2008
3. Entgleisung in Köln
Zitat von sysopService, Sicherheit, Komfort: bei der Bahn stets Argumente, auf der Schiene zu reisen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Da ist die Bahn mal wieder erwischt worden: Profit geht über Sicherheit. Radreifen werden erneuert, wenn sie den Kunden um die Ohren fliegen, verrottete Bahnschwellen, wenn sie endlich zerbröseln und defekte Lager, wenn's nicht anders mehr geht. Bahnkunden brauchen einen sehr guten Draht zu einem leistungsfähigen Schutzengel. Jeder anderer Spediteur hätte schön längst seine Lizenz verloren. Rochus
derweise 11.07.2008
4. Würzburg, Köln
Vor Würzburg entgleiste der Hochgeschwindigkeitszug (!) ICE, weil einige Schafe auf dem Gleis waren. Das hätte schon stutzig machen müssen bezüglich der Erfüllung von sicherheitstechnischen Anforderungen. Nun ist wieder eine Engleisung: wegen Materialproblemen. Hier scheint die Routineüberprüfung nicht ausreichend. Gab es bei der Konstruktion des ICE überhaupt ein Sicherheitskonzept? Gibt es eine laufende Überwachung von Materialverschleiß usw.? Der ICE stellt eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit dar!
fraunicole 11.07.2008
5.
Zitat von der_durdenDie DB hat nichts gelernt. Der arrogante Abschluss von Eschede ist das Eine, dass die Bahn aber ein weiteres Mal gewillt ist, solche Risiken auf Kosten der Reisenden auf sich zu nehmen verschlägt mir die Sprache...
Mit der Privatisierung wird das Risiko noch größer werden. Profit ist Profit. Sicherheit kostet...
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