Lesestoff für unterwegs Automat druckt Zeitschriften am Flughafen aus

Ein Magazin für den Flug gewünscht? Reisende in Schweden können am Flughafen ihre Lektüre aus 100 internationalen Zeitschriften auswählen - und am Automaten ausdrucken. Der Anbieter wirbt mit der Umweltfreundlichkeit seiner Print-on-demand-Kioske.

Meganews

Stockholm - Weniger als zwei Minuten für 100 Seiten: So schnell können sich Reisende in Schweden jetzt Hochglanzmagazine ausdrucken lassen. Das verspricht zumindest das Unternehmen Meganews, das den neuen Service über sogenannte Print-on-demand-Kioske anbietet. Bislang gibt es sie an den Flughäfen Göteborg-Landvetter und Stockholm-Skavsta sowie in der Stockholmer Ladenpassage Mood zunächst testweise für sechs Monate. In Deutschland bieten manche Bahnhofsbuchhandlungen einen ähnlichen Service an - allerdings nur für Zeitungen.

In Schweden kann der Kunde an den mit dem Internet verbundenen Automaten aus mehr als 100 Magazinen im pdf-Format wählen und die Zeitschrift auf dem Bildschirm durchblättern, bevor er mit der Kreditkarte zahlt und den Ausdruck in Empfang nimmt. Das Konzept ermögliche eine größere Auswahl als an herkömmlichen Verkaufsstellen und eine Ausdehnung möglicher Verkaufsorte für Verlage, teilte das Stockholmer Unternehmen mit.

Verfügbar seien vor allem schwedische Medien, die so viel kosten wie die herkömmlich gedruckten Ausgaben auch, aber auch "einige internationale", deren Preis variiere, aber meist denen in normalen Kioske entspreche. Man bemühe sich derzeit um neue Titel und werde in Zukunft auch Zeitungen aus aller Welt verkaufen.

Das 2011 von dem Fernsehjournalisten Lars Adaktusson und seinem Bruder Hans gegründete Start-up spricht von einer "nachhaltigen Alternative" zu herkömmlichen Zeitschriften und zitiert eine Studie des schwedischen Forschungsinstituts Innventia, nach der so 60 Prozent weniger Treibhausgase produziert werden als beim üblichen Vertrieb gedruckter Medien. Der Rückgang erkläre sich durch das Papiervolumen: "'Print on demand' bedeutet, dass jede Kopie verkauft wird, während traditionell mehr als 40 Prozent des Papiervolumens nie den Konsumenten erreicht, sondern recycelt wird."

Deutschland: Zeitungen zum Ausdrucken an Bahnhöfen

Man spare so viel Geld, auch Vertriebskosten, sagt Stefan Melesko, Professor an der International Business School im schwedischen Jönköping, in einem Video auf der Meganews-Seite. "Die Maschine" würde auch Anbieter von Nischenmagazinen ermöglichen, Leser zu erreichen, also solche Medien, die es sich nicht leisten können, alle Ausgabestellen zu beliefern. Laut Meganews umfasst das aktuelle Angebot beispielsweise auch eine englische und eine schwedische Print-Ausgabe des Onlinemagazins "Zakka", die nur auf diesem Weg gedruckt werden.

In Deutschland bietet Valora Retail in einigen Bahnhofsbuchhandlungen und -kiosken internationale Tageszeitungen zum Ausdrucken an. Die Liste der verfügbaren Medien umfasst fast 2000 Titel, die pro Ausgabe zwischen drei und sechs Euro kosten. Der Service werde von der Laufkundschaft "eher vage" angenommen, sagt eine Sprecherin, das Angebot bleibe für sie aber "trotzdem interessant".

Ein Problem beispielsweise für Pendler ist die Dauer des Druckens, die von der Menge der Anzeigen in den Zeitungen abhängt: "Wer schnell zum Zug muss, kann nicht fünf Minuten oder länger warten." Das Angebot um Magazine zu erweitern, sei nicht geplant.

emt



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Mario V. 20.11.2013
1. Umweltfreundlch?
Umweltfreundlcher wäre, einfach PDFs zum Lesen auf dem Notebook, Tablet oder eBook Reader per Bluetooth o.ä. zu versenden.
antilobby 20.11.2013
2.
Zitat von Mario V.Umweltfreundlcher wäre, einfach PDFs zum Lesen auf dem Notebook, Tablet oder eBook Reader per Bluetooth o.ä. zu versenden.
Die Herstellung eines Tablets, bei denen nach 2 Jahren intensiver Nutzung der nicht wechselbare Akku ausfällt, dürfte viel mehr Umweltschäden anrichten als das Papier.
M43usch3n 20.11.2013
3. print on demand
man sollte das Angebot durch print on demand via smartphone bzw. tablet app erweitern. man wählt seinen zieldrucker und Zeitung und drückt auf drucken. die Zeitung warten dann fertig im Automaten auf denjenigen, der sie bestellt hat. (am besten per App schon bezahlt und eingelagert, bis der Bestellende sie ebenfalls per app freigibt)
freelancer71 26.11.2013
4. Es währe schon interessant zu wissen ab wann sich das lohnt.
Ich kann mir vorstellen das dass für kleine Auflagen interessant ist. Wenn man sich die Ökobilanz ansieht hat das natürlich einen Grenznutzen. Ich finde denn die Herangehensweise von Valora schwach, warum kann man deren Automaten nicht auf http://www.vendingradar.com oder der eigenen Webseite finden? Mir war völlig neu das es so was gibt. Wenn die Erfolg wollen könnten die sich schon mehr mühe geben das das bekannt wird.
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