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Tourismusanalyse: Gute Konjunktur macht Deutschen Lust auf Urlaub

Volle Koffer statt volle Konten: Die Deutschen sparen weniger und verreisen mehr. Laut einer Umfrage war jeder Fünfte im vergangenen Jahr gleich mehrfach unterwegs. Im Trend sind Kurztrips statt langer Urlaube - am liebsten in Deutschland.

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Traumurlaub: Fernreisende nehmen sich im Schnitt zweieinhalb Wochen Zeit

Hamburg - Die Reiselust der Deutschen steigt weiter. Von 100 Bundesbürgern haben im vergangenen Jahr 57 eine mindestens fünftägige Reise unternommen - vor fünf Jahren waren es nur 50. Das ergab die 30. Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen, die am Mittwoch in Hamburg vorgestellt wurde.

Laut Stiftungsleiter Ulrich Reinhardt ist vor allem die gute Konjunktur für die Zunahme verantwortlich: "Die erneute Steigerung lässt sich mit dem wirtschaftlich starken Jahr 2013 erklären, das gekennzeichnet war durch eine geringe Arbeitslosenquote und einen hohen Exportüberschuss." Die finanziellen Sorgen der Bundesbürger verringerten sich, sagte Reinhardt, so dass jeder Fünfte sogar gleich mehrmals unterwegs war - 2012 waren es mit 17 Prozent etwas weniger.

Nach Berechnungen der Stiftung gaben die Bundesbürger 2013 mit durchschnittlich 1062 Euro allerdings etwas weniger für ihren Urlaub aus, im Vorjahr hatten sie noch rund 31 Euro mehr investiert.

Den Rückgang begründet die Stiftung damit, dass mehr Menschen unterer und mittlerer Einkommensschichten ihre Urlaubspläne umsetzen konnten, dafür allerdings geringere Summen ausgaben. Wer in Deutschland ausspannte, war mit täglich 75 Euro dabei, in Europa waren es 86 Euro pro Tag und in der Ferne 120 Euro.

Auch die Dauer der Reisen verringerte sich: Mit durchschnittlich zwölf Tagen hat sie 2013 einen Tiefpunkt erreicht. "Aus den schönsten Wochen des Jahres sind zunehmend die schönsten Tage des Jahres geworden", sagte Reinhardt. Für Ferien im Inland werden etwa zehn Tage verbraucht, in Europa sind es knapp 13 Tage, und Fernreisende nutzen zweieinhalb Wochen aus. Kurztrips werden immer beliebter.

Am liebsten nach Deutschland

Deutschland bleibt das bevorzugte Reiseziel: 54 Prozent der über 55-Jährigen verbringen ihren Urlaub lieber hier als im Ausland. Nahezu zwei Drittel der über 65-Jährigen bevorzugen zudem eine kurze Anreise. Insgesamt verbrachten mehr als 37 Prozent aller Befragten ihren Urlaub im eigenen Land.

Alpen und Küsten sind die beliebtesten Ziele, wobei Schwarzwald und Bodensee laut Reinhardt ein "Comeback" erlebten. In den Ferienregionen an Nord- und Ostsee sowie in Bayern gab es dabei Rückgänge, zulegen konnte Baden-Württemberg.

Im Ausland ist Spanien wie im Vorjahr der Gewinner: Mehr als jeder achte Bundesbürger verbrachte dort seine Ferien, an zweiter Stelle folgte Italien und dann die Türkei. Zuwächse gab es auch wieder in Griechenland.

Für das aktuelle Jahr planen laut der Umfrage 45 Prozent der Deutschen eine Urlaubsreise ein, zwei Prozentpunkte mehr als in der Vorjahresbefragung. Ein Drittel der Befragten ist sich noch nicht sicher.

Die Erfahrung lehre jedoch, dass sich mindestens ein Zehntel von ihnen noch auf den Weg macht, sagte Reinhardt. Seine Prognose: "Trotz aller Unsicherheit und vorhandenem Krisenbewusstsein wird auch 2014 die Mehrheit der Bevölkerung nicht auf Urlaub verzichten wollen."

Die Stiftung für Zukunftsfragen ist eine Initiative des Tabakkonzerns British American Tobacco. Für die Analyse wurden nach eigenen Angaben etwa 4000 Personen über 14 Jahren in "Face-to-Face"-Interviews des Marktforschungsinstitut GfK befragt.

emt/dpa

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1. Nicht glaubwürdig
karlsiegfried 06.02.2014
Zitat: 'Die finanziellen Sorgen der Bundesbürger verringerten sich, sagte Reinhardt.' Bei jährlich steigenden Energiepreisen, Zeitarbeiter- und Mindestlohnzahlen, Mieten und anderen lebensnotwendigen Dingen. Wolebt denn dieser Herr Reinhardt? Im Disneyland? Richtig ist wohl, die Zahl der reisenden Grauköpfe, zu denen ich leider auch zähle, nimmt permanent zu. Es könnte ja die letzte Urlaubsreise sein, bevor das Pflegeheim ruft. Den Nichtgrauköpfen kann nur zugerufen werden, macht Urlausbreisen solange ihr es noch bezahlen könnt. Es kommt der Tag, an dem das Geld dafür fehlen wird. Und auch daran denken: Die Erinnerung ist ein Paradies (oder eine Hölle), aus der man nicht vertrieben werden kann.
2. Fragwuerdig....
kritiker111 06.02.2014
Denn ich glaube nicht, dass ein grosser Teil der deutschen Arbeitnehmer sich ueberhaupt einen Urlaub leisten koennen. Denn Millionen sind froh, wenn sie mit ihren fuenf Euro Stundenlohn ueberhaupt ueberleben koennen! Und die Besserverdienenden - unter denen so viele Gutmenschen, Umweltschuetzer, Flughafengegner und andere dieser Spezies zu finden sind - koennen es sich dafuer erlauben, gleich mehrmals im Jahr in Urlaub zu fliegen. Dieser Zukunftsforscher Reinhartdt sollte einmal aus dem Wolkenkuckucksheim herunterkommen und sich die Realitaet anschauen!
3. ...
MartinS. 06.02.2014
Zitat von karlsiegfriedZitat: 'Die finanziellen Sorgen der Bundesbürger verringerten sich, sagte Reinhardt.' Bei jährlich steigenden Energiepreisen, Zeitarbeiter- und Mindestlohnzahlen, Mieten und anderen lebensnotwendigen Dingen. Wolebt denn dieser Herr Reinhardt? Im Disneyland? Richtig ist wohl, die Zahl der reisenden Grauköpfe, zu denen ich leider auch zähle, nimmt permanent zu. Es könnte ja die letzte Urlaubsreise sein, bevor das Pflegeheim ruft. Den Nichtgrauköpfen kann nur zugerufen werden, macht Urlausbreisen solange ihr es noch bezahlen könnt. Es kommt der Tag, an dem das Geld dafür fehlen wird. Und auch daran denken: Die Erinnerung ist ein Paradies (oder eine Hölle), aus der man nicht vertrieben werden kann.
Die persönliche Sicht ist natürlich immer ein recht starkes Argument. Aber auch dann ändert dies ja nichts an der Situation. Mehr Bürger leisten sich eine Reise. Dass sie das Empfinden haben, dass dies mehr ältere sind, kann durchaus zutreffend sein (kann!), ist allerdings zunächst wohl einfach nur subjektive Empfindung. Verwunderlich wäre es natürlich nicht - steigt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung doch mit jedem Jahr an... Auf der anderen Seite ist auch Altersarmut ein großes Thema. Nur die wenigsten Rentner werden tatsächlich mehr Rente erhalten, als vorher... deshalb würde ich die Ursache für die gesteigerte Reisemöglichkeit doch auch im jüngeren berufstätigen Feld verorten (...aber auch dies - halt nur mein Empfinden).
4. ...
MartinS. 06.02.2014
Zitat von kritiker111Denn ich glaube nicht, dass ein grosser Teil der deutschen Arbeitnehmer sich ueberhaupt einen Urlaub leisten koennen. Denn Millionen sind froh, wenn sie mit ihren fuenf Euro Stundenlohn ueberhaupt ueberleben koennen! Und die Besserverdienenden - unter denen so viele Gutmenschen, Umweltschuetzer, Flughafengegner und andere dieser Spezies zu finden sind - koennen es sich dafuer erlauben, gleich mehrmals im Jahr in Urlaub zu fliegen. Dieser Zukunftsforscher Reinhartdt sollte einmal aus dem Wolkenkuckucksheim herunterkommen und sich die Realitaet anschauen!
Das ist jetzt natürlich spannend. Wieviel dieser Millionen gibt es denn jetzt genau, die einen Stundenlohn von 5 Euro erhalten. Ich weiß ja, dass Übertreibung anschaulich macht - aber so manches Mal macht sie auch einfach nur lächerlich. Zweifeln sie dabei ganz einfach die genannten Zahlen an, oder doch eher die Art der Auswertung? Denn der Anteil derjenigen, die gleich mehrfach in Urlaub "fliegen" (davon ist nirgends die Rede - ganz im Gegenteil. Man erklärt doch sogar, dass nach wie vor Deutschland ganz weit vorn als Ziel liegt) wird doch sogar noch gesondert aufgeführt (ca. 20%). Aber wie es nun mal so ist... persönliche Empfindungen. In meinem Umfeld fällt mir nahezu niemand ein, der sich vergangenes Jahr keinen Urlaub gegönnt hat. Dieses Umfeld erstreckt sich über größtenteils über die arbeitende Bevölkerung (in Industrie, Handwerk und Dienstleistungsgewerbe). Und selbst meine Schwester, die sich in einer schlecht bezahlten Branche über Wasser hält, hat sich einen Urlaub gegönnt. Die angegebenen Zahlen sind meiner Meinung nach nicht in einem Bereich, der auffallend unrealistisch wäre.
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