Merapi-Katastrophe: Vulkanasche bedroht Welterbestätte Borobudur

Sorge um eines der größten und ältesten buddhistischen Heiligtümer: Die indonesische Tempelanlage Borobudur ist von einer zentimeterdicken Schicht aus saurer Asche bedeckt - das Unesco-Welterbe liegt in unmittelbarer Nähe des Vulkans Merapi.

Borobudur unter Asche: Vulkan bedroht buddhistisches Welterbe Fotos
AP

Jakarta - Der Ausbruch des Vulkans Merapi bedroht ein Weltkulturerbe auf der indonesischen Insel Java: Die Tempelanlage Borobudur, etwa 50 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Yogyakarta. Nun ist eines der größten und ältesten buddhistischen Heiligtümer für Besucher geschlossen. Der Asche des Merapi - der Vulkan ist nur etwa 30 Kilometer entfernt - hat die Anlage unter einer zentimeterdicken Schicht aus saurem Staub begraben.

Der Tempel sei von einer drei Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt, sagte Marsis Sutopu von der Borobudur-Kulturerbestiftung. Der säurehaltige Staub könne die Steine angreifen und müsse deshalb rasch beseitigt werden. Kurz vor der Schließung des Unesco-Weltkulturerbes am 4. November hatten Touristen die Anlage noch mit Atemschutzmasken besucht. Experten gehen davon aus, dass der Ausbruch des Merapi noch Wochen andauern kann.

Borobudur, gebaut etwa in der Zeit von 790 bis 860 nach Christus, ist eine der größten buddhistischen Tempelanlagen weltweit. Bereits im Jahr 1006 war das Heiligtum von einer Asche- und Gesteinsschicht des Merapi begraben worden - was als eine mögliche Ursache dafür gilt, dass die Anlage anschließend für Jahrhunderte aufgegeben wurde. Im 19. Jahrhundert wurde Borobudur wiederentdeckt, aber erst in den siebziger Jahren restauriert und im Jahr 1983 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Weitere Tempel in Vulkannähe

Außer Borobudur sind noch weitere buddhistische und hinduistische Heiligtümer in der unmittelbaren Nähe des Vulkans Merapi gefährdet: Östlich von Borobudur - also in Richtung des Vulkans - liegen jeweils nur wenige Kilometer entfernt die kleineren Tempel Pawon, Mendut und Ngawen auf einer Linie.

Etwa 40 Kilometer von Borobudur in Richtung Südosten entfernt, wenige Kilometer östlich von Yogyakarta, befindet sich Prambanan, die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens, die weiterhin geöffnet ist. Die Besucherzahl sei allerdings seit den ersten Eruptionen am 26. Oktober deutlich zurückgegangen, sagte ein Sprecher der "Jakarta Post": "An regulären Tagen kommen manchmal bis zu 2000 Menschen pro Tag, aber derzeit sind es nicht mehr als 500."

Auch Prambanan wurde etwa um 850 herum gebaut, verfiel im Lauf der Zeit und wurde erst im vergangenen Jahrhundert wiederaufgebaut und Anfang der neunziger Jahre wiedereröffnet. Wie Borobudur zählt auch Prambanan zum Unesco-Weltkulturerbe.

Der jüngste Ausbruch des Merapi hat bislang mindestens 153 Menschenleben gefordert, mehr als 400 wurden verletzt, mehr als 200 Menschen gelten aktuell als vermisst. Die heißen Aschewolken brannten den Menschen die Haut vom Leib, versengten ihnen die Haare. Lebensgefährlich ist die Asche beim Einatmen, weil sie sich sich innerhalb weniger Sekunden in der Lunge zu Zement verfestigt.

fdi/dpa/AFP/AP

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