Evakuierung in Pariser Metro "Wir waren ganz allein im Tunnel, niemand wusste, wohin wir laufen"

Ein Stromausfall bei der Pariser Metro brachte zahlreiche Züge zum Stehen. Mehr als 3000 Passagiere mussten im Dunklen und bei großer Hitze über die Gleise zur nächsten Haltestelle laufen. Viele kritisieren den Betreiber.

Pariser Metro (Archiv)
AFP

Pariser Metro (Archiv)


Eine technische Panne hat den Verkehr auf einer der wichtigsten Metrolinien in Paris am Dienstagabend stundenlang lahmgelegt. Mehr als 3000 Pendler und Touristen mussten laut Polizei in Sicherheit gebracht werden, nachdem der Zugverkehr der Linie 1 zum Erliegen gekommen war. Passagiere berichteten von chaotischen Szenen bei brütender Hitze.

Nach Angaben der Betreibergesellschaft RATP ereignete sich die Panne gegen 20.10 Uhr an einem Zug im Tunnel zwischen zwei Stationen im Zentrum der französischen Hauptstadt. Wegen des liegengebliebenen Zuges mussten zwölf weitere Bahnen der Linie 1 gestoppt werden, die an zahlreichen bekannten Pariser Sehenswürdigkeiten wie dem Louvre, den Champs-Elysées und dem Jardin des Tuileries halten.

Die Passagiere mussten teilweise im Tunnel aussteigen und an den Gleisen entlang bis zur nächsten Haltestelle laufen. Die RATP berichtete, nach ungefähr halbstündigem Halt der Züge hätten Passagiere in mehreren Bahnen Alarm ausgelöst. Daraufhin sei automatisch der Strom auf großen Teilen der Linie abgeschaltet worden - und damit auch die Belüftung.

Chaos im Tunnel

Während die RATP beteuerte, 200 Mitarbeiter hätten bei der Evakuierung geholfen und die Betroffenen seien mit Wasserflaschen versorgt worden, warfen zahlreiche Passagiere dem Bahnbetreiber mangelnde Reaktionsschnelle vor.

In ihrem Waggon seien die Türen nach einer Dreiviertelstunde immer noch geschlossen gewesen, die Temperatur sei auf über 40 Grad gestiegen, berichtete die Augenzeugin Meryl Boy. Eine andere Passagierin schilderte, in ihrem Waggon hätten Passagiere ein überhitztes Baby mit Wasser aus einer Trinkflasche besprenkelt, um dem Säugling Abkühlung zu verschaffen.

Der Informatiker Nicolas Pouilloux berichtete, die Passagiere seien mangels Hilfe auf eigene Faust ausgestiegen. "Wir sind im Licht unserer Handys im Gänsemarsch hintereinander hergegangen. Wir waren ganz allein im Tunnel, niemand wusste wohin wir laufen. Da waren Kinder und alte Leute. Es war das totale Chaos."

Laut Feuerwehr mussten fünf Menschen wegen Unwohlseins angesichts der auch in Frankreich herrschenden Hitzewelle medizinisch behandelt werden. Insgesamt dauerte die Evakuierung laut RATP mehr als zwei Stunden.

Nach Polizeiangaben mussten insgesamt zwischen 3200 und 3800 Passagiere in Sicherheit gebracht werden. Erst am frühen Mittwochmorgen konnte der Metro-Betrieb auf der Linie wieder aufgenommen werden. Die Züge der Metrolinie 1 werden vollständig automatisch betrieben und verfügen über keinen Zugführer.

Erst am vergangenen Freitag war der Zugverkehr an einem der wichtigsten Pariser Fernbahnhöfe nach einem Brand in einem Stromversorgungszentrum stundenlang zum Erliegen gekommen. Der Betrieb am Bahnhof Montparnasse wurde zeitweise eingestellt, Dutzende Züge fielen mitten in der Urlaubszeit aus.

abl/AFP

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