Metropolitan-Express Fliegen ist nicht schöner

Im August feiert der Metropolitan Express fünfjähriges Jubiläum. Obwohl die Bahn mit Sonderangeboten auf Kundenfang geht, fährt der Luxuszug offenbar immer noch Verluste ein. An der Qualität des Produkts liegt es nicht, wie eine Testfahrt zeigt.

Von René Lindner


Metropolitan-Express: Kaum einer kennt die komfortable Städteverbindung zwischen Elbe und Rhein
Till Bartels

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Hamburg - Eine Fahrt mit dem Metropolitan-Express (Met) von Hamburg nach Köln beginnt wie so viele Geschichten am Bahnhof: mit Warten. Will man in Hamburg in den eleganten, silbernen Zug einsteigen, muss man Geduld mitbringen. Der Met steht zwar bereit, aber Einlass wird erst Minuten vor der Abfahrt gewährt.

Die Geduld lohnt sich: Komfortable Ledersitze, helles Holz und Edelstahl in den geräumigen Waggons machen verständlich, warum "Bild" den Met als "Super-Zug" bezeichnet. Ein besonderes Plus sind die Gepäckablagen, die tatsächlich groß genug sind, um dort ganze Koffer abzulegen.

Der Zug ist nicht wie üblich in erste und zweite Klasse unterteilt. Bei seiner Jungfernfahrt im August 1999 hatte der Silberpfeil auf Schienen keine zweite Klasse sondern nur drei Premium-Bereiche: Office steht für große Tische, Laptop-Anschlüsse und störungsfreien Handyempfang. Im Silence-Bereich ist das Licht gedämpft, es herrscht Handyverbot, und auf Kopfhörern wird ein entspannendes Musikprogramm angeboten. Der Club-Bereich bietet DVD-Player und eine kommunikationsfördernde Vis-à-vis-Anordnung der Sitze.

  Tageszeitung und Heimkino:  Im Club-Bereich ist an alles gedacht    Dunkles Leder, helles Holz:  Das Design überzeugt In der  Bar  verlieren sich wenige Fahrgäste
  Entspannung pur:  Eine Reisende im Club-Bereich   Der Blick aus dem Fenster:  Die Welt an sich vorüberziehen lassen   Eine freundliche Atmosphäre:  Selbst die Sitze heben den Arm zum Gruß

Leder, Holz und Stahl - Das Innere des Metropolitan:
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Im Jahr 2001 zwangen wirtschaftliche Notwendigkeiten die hundertprozentige Bahn-Tochter Metropolitan allerdings dazu, das edle Schienengefährt auch für Kreti und Pleti erschwinglicher zu machen: Sie führte die Traveller-Klasse ein. Für die neue zweite Klasse wurden Wagen der Premium-Klassen umgerüstet. Statt drei gibt es im Traveller-Bereich vier Sitze pro Reihe.

Die Traveller müssen auf Annehmlichkeiten wie das individuelle DVD - Programm oder den Business Snack verzichten. Aber auch für sie gibt es kostenlose Soft-Drinks, Tageszeitungen, eine im Fahrpreis inbegriffene Platzreservierung und die ungeteilte Aufmerksamkeit des freundlichen Personals.

Die Einladung an die Massen

Nötig geworden war die Demokratisierung des Elitezugs, weil die Elite sich nicht zahlreich genug in den Premium-Bereichen einfand. Wie die "Welt" 2001 mit Berufung auf Unternehmenskreise berichtete, lag die Auslastung des Met unter Plan und fuhr Verluste ein. Damals lag die Gesamtauslastung laut der Metropolitan-Geschäftsführung zwischen 30 und 40 Prozent.

Metropolitan: Eine angenehme Art, von Hamburg nach Köln zu gelangen
Rene Lindner

Metropolitan: Eine angenehme Art, von Hamburg nach Köln zu gelangen

Aber auch die Einladung der Massen ins edle Metropolitan-Interieur, gestaltet von den Hamburger Architekten Gerkan, Marg und Partner, hat anscheinend nicht den ersehnten Umschwung gebracht. Im Mai 2004 führten die Betreiber des hübschen Zuges eine limitierte Anzahl von Tickes zu Probierpreisen ab 19,90 Euro ein.

Dass die Metropolitan Express Train GmbH mittlerweile schwarze Zahlen schreibt, ist allerdings unwahrscheinlich. Die Antwort der Metropolitan-Pressestelle auf die Frage, wie zufrieden man mit dem Ergebnis des Silberpfeils sei, lautet: "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zum Ergebnis des Metropolitan." Diese Strategie wird das Unternehmen wohl noch einmal überdenken müssen, sollte die Bahn es denn an die Börse schaffen. Aber Transparenz hin oder, im Falle eines Profits wäre die Bahn wohl auskunftsfreudiger. Karl-Peter Naumann, Pressesprecher des Fahrgastsverbands "Pro Bahn", sagte: "Der Metropolitan ist nicht profitabel." Laut Naumann liege das vor allem an der mangelnden Auslastung am späten Vormittag und am Nachmittag.

Ursprünglich habe die Bahn geplant, den Metropolitan auch für andere Strecken anzubieten, aber das sei jetzt wohl nicht mehr zu erwarten. Stattdessen setze die Bahn auf diesen Strecken jetzt so genannte Sprinter ein. Das sind normale ICE-Züge, die in der ersten Klasse dem Metropolitan vergleichbare Serviceleistungen bieten.

Preisvergleich: Metropolitan / ICE / hlx-Flug Strecke Hamburg – Köln

Metropolitan 1.Klasse Preis: 119,00 € Fahrtzeit: 3:29 h
Metropolitan Traveller Preis: 79,00 € Fahrtzeit: 3:29 h
ICE 1.Klasse Preis: 95,00 € Fahrzeit: 3:59 h
ICE 2.Klasse Preis: 63,00 € Fahrzeit: 3:59 h
Flug "hlx": 7 Tage vor
Reiseantritt gebucht
Preis: 69,99 € Flugzeit: 0:55 h
+ 1 h Transit
Flug "hlx": 14 Tage vor
Reiseantritt gebucht
Preis: 49,99 € Flugzeit: 0:55 h
+ 1 h Transit

Normalpreise ohne Rabatte

Das Unternehmen Metropolitan hielt sich bedeckt. Angesprochen auf die Probierpreiskampagne kam die Antwort: "Wir sind zufrieden mit dem Erfolg der Kampagne." Die Ticketverkäufe seien gestiegen, hieß es. Konkreter wurde die Deutsche-Bahn-Tochter nicht: "Wir äußern uns generell nicht zu einzelnen Zahlen", so die Pressestelle in einer schriftlichen Stellungnahme.

Das unerklärliche Verlangen nach Tomatensaft

Der Express hält auf der Fahrt nach Köln nur zweimal, in Essen und in Düsseldorf und schafft dadurch die 425 Kilometer lange Strecke von Hamburg nach Köln in dreieinhalb Stunden. Im Club-Waggon bekommt der Passagier etwa zehn Minuten nach der Abfahrt eine Auswahl von Filmen, einige neu, die meisten älter, und einen kleinen portablen DVD-Player. Es gibt sogar einen Schauspieler des Monats, von dem zwei Filme zur Verfügung gestellt werden.

Auch mit dem silbernen Superzug ist es allerdings schwer, der Service-Wüste Deutschland ganz zu entkommen. Das Kleinstkino wird wortlos auf den Tisch gestellt, eine kurze Anleitung wäre schon hilfreich. Offensichtlich geht man bei Metropolitan davon aus, dass sich der moderne Geschäftsreisende mit solchen Geräten auskennt.

  Logo des Super-Zuges:  Wie lange fährt er noch?   Zugbegleiter:  Freundlich und bemüht   Business-Snack:  Im Fahrpreis inbegriffen
   Viermal täglich von Hamburg nach NRW:  Aber vormittags und nachmittags ist der Zug schlecht ausgelastet   Cockpit des Met:  Ein Blick auf den Lokführer   Silberpfeil im Bahnhof:  Wohl noch nicht in der Gewinnzone

Testfahrt in Bildern:
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Reservieren lässt sich ein Platz im luxuriösen Zug schnell und einfach über ein Call-Center oder per Online-Buchung. Mit dem Metropolitan zu fahren hat einen nostalgischen Charme und erinnert stark an Flugreisen vor zehn Jahren, als Fliegen noch etwas Besonderes war und mit einem unerklärlichen Verlangen nach kostenlosem Tomatensaft einherging. Details wie selbst reinigende Toilettenbrillen und ein Humidor für den stilvollen Zigarrenverkauf an Bord setzen das Konzept deutlich vom herrschenden Trend zum schlichten, kostengünstigen Reisen ab.

Immerhin konkurriert der Zug auf der Strecke Hamburg-Köln mit dem Billigflieger hlx. Aber während das Fliegen immer mehr den Reiz des Besonderen verliert und die alkoholfreien Getränke bei den Billigfliegern nicht im Preis inbegriffen sind, kultiviert der Luxuszug eine andere Art des Reisens.

Anlässlich einer Testfahrt im Jahr 2001 schrieb SPIEGEL ONLINE über den Metropolitan: "Der Met gilt als schönster Zug der Bahn - nur kaum einer kennt die komfortable Städteverbindung zwischen Elbe und Rhein." Daran hat sich bis heute wohl nichts Wesentliches geändert, trotz Traveller-Klasse und Probierpreisen.

Die geringe Auslastung macht den Zug für den kleinen Kreis der regelmäßigen Nutzer natürlich noch exklusiver und angenehmer. Die Frage bleibt, ob die Metropolitan Express Train GmbH in der Lage ist, aus einem guten Produkt auch ein profitables zu machen.



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