Mexiko-Show des "Cirque du Soleil" Imagepolitur mit Lucha Libre

Drogen, Armut, Gewalt: Mexiko hat ein Imageproblem. Die Akrobaten des Cirque du Soleil sollen das nun ändern - mit einer eigens entworfenen Show. Sie kostet das lateinamerikanische Land 42 Millionen Euro.

DPA

Der Cirque du Soleil ist berühmt für seine spektakulären Shows und Kulissen und tourt seit mehr als 20 Jahren durch die ganze Welt. Jetzt widmen die Entertainmentprofis aus Kanada erstmals ein ganzes Zirkusprogramm einem einzigen Land - und tanzen und schwingen sich durch das Kultur- und Naturerbe Mexikos. Kakteen, Monarchfalter und Jaguare sollen die Zuschauer in das lateinamerikanische Land entführen, und auch das mexikanische Freistilringen Lucha Libre wird eine Rolle spielen.

Hinter der Show "Luzia" verbirgt sich der Versuch, dem Land ein besseres Image zu verpassen. Trotz atemberaubender Natur, traumhafter Strände und Jahrtausende alter Kultur verbinden viele mit Mexiko vor allem Drogenkrieg und Korruption, Armut und Gewalt. Das soll sich nun ändern.

Um das Bild von Mexiko auf der ganzen Welt zu verbessern, greift die Regierung tief in die Trickkiste - und versucht es mit einem Akrobatikprogramm, das in den kommenden sieben Jahren in 450 Städten auf der ganzen Welt zu sehen sein wird. Das Tourismusministerium trägt die Hälfte der Produktionskosten: 47,5 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 42 Millionen Euro.

"'Luzia' wird eine der attraktivsten Shows sein", sagte Tourismusminister Enrique de la Madrid. "Sie wird auf unserer Kultur und Musik basieren, aber die Handschrift des Cirque du Soleil tragen."

Diese Art, Werbung zu machen, könnte manch einen dazu bewegen, ein Flugticket nach Mexiko-Stadt oder Cancún zu kaufen und dort Urlaub zu machen - so die Hoffnung der Politikers. "Man muss sich mal überlegen, was es bedeutet, wenn ein Chinese, der nichts über Mexiko weiß, diese Show sieht", sagte auch der Leiter des mexikanischen Tourismusrats für Nordamerika, Rodrigo Esponda, der Zeitung "Milenio". "Wir sind überzeugt, dass das Interesse weckt, unser Land zu besuchen und verschiedene Orte kennenzulernen."

Maya, Mariachi, Millionenpublikum

Es ist nicht das erste Mal, dass Mexiko versucht, sein Image popkulturell aufzupolieren. So spielt die Eröffnungsszene des jüngsten James-Bond-Films "Spectre" im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt. Agent 007 jagt darin einen Bösewicht durch eine Menschenmenge, die den traditionellen Tag der Toten feiert. Medienberichten zufolge soll viel Geld geflossen sein, um Mexiko in einem positiven Licht darzustellen.

Auch die Rückkehr der Formel 1 im vergangenen Jahr nach Mexiko gilt als Teil einer ausgeklügelten PR-Strategie. Besucher, Journalisten und Fahrer zeigten sich begeistert von der Stimmung an der renovierten Strecke. Bei dem Rennen Anfang November spielte eine Mariachi-Band im Hintergrund, von den vollen Tribünen des Autódromo Hermanos Rodríguez winkten 110.000 jubelnde Fans den Piloten zu. "Ich habe mich wie ein Rockstar gefühlt", sagte Gewinner Nico Rosberg nach der Siegerehrung.

Das sind die Bilder, die Mexiko braucht. Urlauber und Investoren sollen sich nicht von den Berichten über verschleppte Studenten, folternde Soldaten und Zehntausende Gewaltopfer abschrecken lassen. Zuletzt stieg das Land zur neuntwichtigsten Touristendestination auf. Im vergangenen Jahr kamen 32,1 Millionen ausländische Urlauber, ein Plus von 9,5 Prozent. In Berlin, wo derzeit eine große Maya-Ausstellung zu sehen ist, lud kürzlich ein Pavillon am Hauptbahnhof zu einer interaktiven Entdeckungsreise nach Mexiko ein.

"Blick auf ein traumhaftes Mexiko"

Immer wieder versuchen Staaten, kulturelle und sportliche Ereignisse zu nutzen, um von Problemen abzulenken. Als Äquatorialguinea im vergangenen Jahr kurzfristig als Ausrichter des Afrika-Cups einsprang, bemängelten Kritiker, dass dem diktatorischen Kleinstaat damit eine Bühne geboten werde. Aserbaidschan wollte sich mit der Ausrichtung des Eurovision Song Contest 2012 von seiner besten Seite zeigen - an der desolaten Menschenrechtslage in der ehemaligen Sowjetrepublik änderte das Großevent nichts.

Ein Abkommen mit einer der bekanntesten Show-Marken der Welt, wie es Mexiko nun mit dem Cirque du Soleil geschlossen hat, dürfte allerdings einzigartig sein. Die Mexikaner ließen sogar in den Vertrag schreiben, dass der Zirkus während der Vertragsdauer keine Kooperation mit anderen Ländern eingehen darf.

Vergangene Woche feierte "Luzia" in Montréal Premiere. Die kanadische Presse zeigte sich begeistert. ""Luzia" erlaubt einen Blick auf ein traumhaftes Mexiko, das gleichzeitig traditionell und modern ist", schrieb die "Montreal Gazette". "Obwohl es Elemente wie den Tag der Toten und Lucha Libre enthält, rutscht es zum Glück nicht ins Klischee ab."

PR-Strategie hin oder her - vor allem soll "Luzia" Spaß machen. Die künstlerische Leiterin Patricia Ruel sagte der Zeitung "The Globe and Mail": "Wir wollen den Leuten keinen Unterricht über Mexiko erteilen. Wir wollen, dass sie es fühlen und sich inspirieren lassen."

Denis Düttmann/dpa/jus

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rumpel84 10.05.2016
1. Mexiko ist auch ohne Zirkus eine Reise wert
War letztes Jahr dort auf Rundreise. Mexiko City kann man sich mal ein paar Tage anschauen, nördlich davon Guanajuato ist wunderschön. Auf Yucatan ist eine Rundreise im Hinterland zu empfehlen (war mit Mietwagen in Chizen Itca, Merida, Campeche, Uxmal). Anschließend noch Karibik in Tulum (Cancun und Playa del Carmen sind ein Ballermann für Amis, ganz andere Welt). Und sofern man den Mexikanern mitgeteilt hat, dass man kein Ami ist, sind auch alle sehr nett ;-). Unter Sicherheitsaspekten war nur aufgefallen, dass in Mexiko City viele bewaffnete Securities unterwegs waren. Ansonsten eher Sonnenbrand und Mückengefahr.
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