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Sechs Jahre Bastelarbeit: Boeing 777 aus Pappschnitzeln

Ein First-Class-Sitz ist in einem Tag fertig, die Lackierung dauert einen Monat: Der 22-jährige Luca Iaconi-Stewart bastelt mit schier unglaublicher Geduld an seinem Modell einer Boeing 777-300. Nur mit Papier, Pinzette und Klebstoff.

Luca Iaconi-Stewart

San Francisco - Er bastelt und er fliegt gerne. Da lag es anscheinend nahe, dass Luca Iaconi-Stewart anfing, einen Papierflieger zu bauen. Der 22 Jahre alte Kalifornier hat dabei kein gewöhnliches Modell im Sinn, sondern die akribisch genaue Nachbildung einer Boeing 777-300 der Fluggesellschaft Air India - aus Pappkarton, mit beweglichen Türen, 350 Sitzen, 120 Zentimeter lang, im Maßstab 1:60.

Nach eigenen Schätzungen hat er seit 2008 mehr als 5000 Stunden in die Passagiermaschine aus Pappe gesteckt. "Ich glaube nicht, dass dies eine angeborene Begabung ist", erzählt der Bastler, der schon mit 16 Jahren loslegte. "Ich bin aber auf meine Ausdauer stolz, das war nicht immer einfach." Das glaubt man Luca aufs Wort. Allein ein Jahr dauerte der Innenausbau.

In dem voll möblierten Rumpf stecken einzeln angefertigte Mini-Sitze. Die Economy-Plätze gingen schnell, nur etwa 20 Minuten pro Sitz schneiden, falten und kleben. Business Class war schon komplizierter. Die Lounge-Sitze in der First Class mit zig Details, von der Kopfstütze bis zum Getränkehalter, verschlangen jeweils einen Arbeitstag. "Der Passagierraum ist naturgetreu nachgebaut, jedes Detail stimmt", sagt Luca.

Pappkonstruktion ohne Baupläne

Mit einer Architekturklasse an der Highschool fing die Bastelleidenschaft an. "Das Teuerste sind die Spezialklingen zum Ausschneiden, ansonsten ist es ein billiges Projekt", sagt Luca. Das Arbeiten an dem Pappflieger sei "wie Zen-Meditation", sagte er SPIEGEL ONLINE, "ich kann mich konzentrieren und es beruhigt mich".

Neben Ausdauer und Fingerspitzengefühl ist auch Spürsinn gefragt. Modell-Baupläne für die Boeing gab es nicht, er zeichnete von Fotos ab und bastelte Computermodelle. Mit etwas Glück stieß er auf eine technische Sitzplatzskizze von Air India. Damit war die Vorlage gefunden. "Zudem mag ich das Design und die eleganten Proportionen der 777-300", erklärt Luca seine Wahl.

"Jedes Teil, das sich bewegt, ist recht kompliziert", erklärt er. Mehrere Wochen brauchte er für die an Papierscharnieren aufgehängten Frachtraumtüren und für die einziehbaren Fahrwerke. Noch aufwendiger waren die beiden Triebwerke mit schier unzähligen beweglichen Propellerflügeln. Das kostete weitere zwei Monate - pro Turbine.

Seitdem Luca auf Flickr und YouTube sein halbfertiges Flugzeug zur Schau stellt, wird er mit Fragen und Lob überhäuft. Auch eine Einladung zur Besichtigung der Boeing-Werke in Seattle im US-Staat Washington hat er schon bekommen. Bis zum Sommer will er seinen Flieger "startklar" haben. Natürlich fliegt das Modell nicht, aber die Flügel müssen noch dran. Am Ende soll es ein Meter breit und 1,20 Meter lang sein.

Fotostrecke

17  Bilder
Pappflieger im Heimhangar: 5000 Stunden an Skalpell und Pinzette
Geheimer Hangar, geheime Pläne

Luca wohnt mit seiner jüngeren Schwester noch bei den Eltern in San Francisco. Die hätten für seinen zeitraubenden Tick viel Verständnis. "Es gab Momente, wo ich das Ding am liebsten selbst zerstört oder verbrannt hätte", räumt der 22-Jährige ein.

Doch er hofft, dass sich seine Besessenheit auszahlt. Er habe interessante Jobangebote erhalten, über die dürfe er aber noch nicht sprechen. Auch den Hangar hält er geheim. Anfangs bastelte Luca im Elternhaus, doch inzwischen parkt die Boeing an einem anderen Ort. "Ich gebe das Flugzeug gerne an ein Museum, wo es alle sehen können", erzählt Luca. "Ich habe das Ding nun schon so lange angeschaut, das reicht."

Die Langlebigkeit des Papierfliegers ist allerdings fraglich: Unter Sonnenlicht würde der Karton leicht ausbleichen. "Keine Ahnung, wie lange das Material hält", sinniert der Hobbybastler. "Ganz schön blöd. Das hätte ich mir vorher überlegen sollen."

Barbara Munker/dpa/abl

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
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    Seite 1    
1. Armes Schwein
pmf2013 13.05.2014
Toll, entweder das ist ein Berufsbastler und verdient sich so sein Brot, oder der ist von Beruf Sohn und hat jede Menge Zeit. Wie auch immer - es waeren mir keine 5,000 Stunden wert. Vergeudete Zeit. Get a life !
2.
io_gbg 13.05.2014
Zitat von sysopLuca Iaconi-StewartEin First-Class-Sitz ist in einem Tag fertig, die Lackierung dauert einen Monat: Der 22-jährige Luca Iaconi-Stewart bastelt mit schier unglaublicher Geduld an seinem Modell einer Boeing 777-300. Nur mit Papier, Pinzette und Klebstoff. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/modelbau-einer-boeing-777-ein-flugzeug-aus-pappe-a-967480.html
Das ist ja echt der Hammer! Wenn das der Spiegel-Gründer Rudolf Augstein noch hätte lesen dürfen. Danke SpOn!
3. Wenn er ...
brotherandrew 13.05.2014
... den fertigen Flieger professionell lackiert, dann wird das mit der Haltbarkeit schon hinhauen. Möglicherweise reicht auch schon sehr haltbares Haarspray.
4. Wow
Radlermass 13.05.2014
ein junger Mensch, der scheinbar ohne Facebook und twitter ueberlebensfaehig ist. Und das in Amerika. Herzlichen Glueckwunsch zum Erfolg.
5.
bartholomew_simpson 13.05.2014
Die Geduld und Ausdauer sind einfach bewundernswert. Hoffentlich bekommt Luca Iaconi- Stewart einen Job, der ihm Freude macht.
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