Neue Hotelketten Hey Hipster, check schon ein!

Zu Gast bei Jen, Moxy oder Canopy: Hier sollen Urlauber sich so wohlfühlen, als würden sie bei guten Freunden einchecken. Mit neuen Hotelketten wollen die großen Bettenkonzerne trendbewusste Reisende überzeugen.

MAMA SHELTER

In den Häusern der einen Kette begrüßt eine virtuelle Frau Jen Neuankömmlinge, als wären sie alte Bekannte. Die andere Kette will mit erstklassiger Gastronomie Stadtgespräch werden oder mit bühnengleicher Inneneinrichtung im Gästegedächtnis bleiben: Neue Hotelketten wollen bei der Generation Y punkten - designbewussten, unkonventionellen und technikaffinen Reisenden, für die jeder Check-in gerne besonders sein soll.

Vor allem große Hotelketten verkünden im Monatstakt die Gründung neuer Marken und reagieren damit auf zwei Trends: Einerseits werden die Gästeansprüche immer höher. "Jeder Gast will sein individuelles Hotel", sagt Stephan Gerhard von der Unternehmensberatung Treugast. Andererseits müssen sich die Häuser angesichts des Wettbewerbs immer weiter profilieren. Die großen internationalen Hotel-Konzerne hoffen mit der Fokussierung auf einzelne Ziel- und Stilgruppen auf neue Kundschaft.

Schick, aber bezahlbar

Der amerikanische Hotelkonzern Marriott mit derzeit über 4000 Häusern weltweit zählt zu den aktivsten Erfindern neuer Hotelmarken. AC Hotels, Moxy und Edition heißen die Ableger für Vertreter der Generation Y, die zwischen 1990 und den frühen Nullerjahren im Teenageralter waren.

"Unsere Gäste wollen inspiriert werden, wenn sie reisen", sagt Marriott-Boss Arne Sorenson der Zeitung "USA Today". Laut Schätzungen wird die neue Generation von Reisenden innerhalb der nächsten fünf Jahre bei Marriott für rund 60 Prozent des Umsatzes sorgen.

Stylish, urban und kosmopolitisch im mittleren Preissegment geben sich die AC Hotels. Die ehemals spanische Hotelkette hat sich mit Marriott zusammengetan und baut aus: Es gibt bereits 80 Herbergen in Dänemark, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und der Türkei. Außerdem expandiert die Kette nach Nordamerika und hat im letzten Herbst ein Haus in New Orleans eröffnet. Trendgemäß offeriert die Kette ihren Gästen "Select Service" - eingeschränkten Service: Es gibt keinen Zimmerservice, dafür aber Bedienung in der Lounge.

Zimmerservice muss nicht sein

Marktstudien haben ergeben, dass die Vertreter der Generation Y souverän und selbstbewusst sind. Sie wissen, wie man in der technologisierten Welt von heute reist. Portier und Zimmerservice sind ihnen nicht wichtig, und wer Hunger hat, muss sich selbst bedienen und an der Kasse zahlen.

Etwas preiswerter als AC sind die Moxy Hotels. Ihr Motto: stylish, aber bezahlbar. Das erste Moxy hat im Herbst am Flughafen Malpensa in Mailand eröffnet. Bis 2020 sollen es weltweit 150 Häuser werden.

Junggebliebene Hipster mit komfortablem Kontostand wollen die Edition Hotels beherbergen. Dazu kooperiert Marriott mit dem Hotelier Ian Schrager, einem Mann mit schillernder Vita: In den Siebzigerjahren war Schrager in New York Mitgründer des legendären Studio 54. In den Achtzigerjahren erfand er das Boutique- beziehungsweise Designhotel in New York, weil ihm die gastgewerbliche Massenware zu fad erschien.

Das Hotel als Treffpunkt

Ob das Experiment Edition gelingt, ist offen. Denn Schrager hat ambitionierte Pläne. Er will wieder einführen, was Hoteliers eigentlich aus Kostengründen immer häufiger abschaffen: "Full Service" und erstklassige Gastronomie, die aus einem Hotel auch wieder einen gesellschaftlichen Mittelpunkt in einer Stadt macht. In Istanbul, London und Miami Beach kann man bereits in Edition Hotels absteigen, demnächst öffnet eines in New York.

Als 2008 das erste von Philippe Starck entworfene Mama Shelter in Paris eröffnete, ahnte keiner, dass sich das 172-Zimmer-Haus zu einer Kette entwickeln würde. Mit Accor hat sich einer der größten Bettenbetreiber der Welt Anfang Januar 2015 an Mama Shelter beteiligt. Bald wird es Mama Shelter weltweit geben. In Paris, Marseille, Lyon, Istanbul und Bordeaux gibt es bereits Häuser. In diesem Jahr steht noch die Eröffnung in Los Angeles auf der Liste, danach Lille.

Auch die Hilton-Gruppe will die Generation Y locken. Das Konzept der Canopy-Hotels: weniger klassischer Service, dafür mehr Lifestyle. Der Check-in funktioniert auch per Smartphone, das gleichzeitig zum Zimmerschlüssel wird. Bei abendlichen Verkostungen sollen Canopy-Gäste miteinander ins Gespräch kommen. In Planung sind vorerst elf Häuser - bis auf eines in London alle in den USA. Konkrete Eröffnungstermine gibt es noch nicht.

Zu Gast bei Frau Jen

Kunden lieben Geschichten, die einem Produkt Gesicht oder Charakter geben. Dieser Marketing-Strategie folgen auch die neuen Jen-Hotels der asiatischen Luxushotelkette Shangri-La: Gastgeberin in den Häusern ist die virtuelle Frau Jen, die sich über Gäste freut, als wären sie persönliche Freunde.

Der Check-in bei Frau Jen erfolgt locker an frei stehenden Tischen. Am Frühstücksbüfett gibt es Becher und Boxen, damit man Kaffee, Brötchen und Obst auch mitnehmen kann. Wäschedienst gibt es zum Pauschalpreis. Sicheres WLAN ist Standard, Ladestationen für alle gängigen Geräte sind vorhanden. Mineralwasser gibts inklusive. Dafür verzichtet die Vier-Sterne-Kette auf die Minibar und das abendliche Aufdecken des Bettes. Bis dato ersetzen zehn Jen-Hotels überwiegend in Asien die alte Shangri-La-Marke Traders.

Lothar Nessmann, der CEO von Hotel Jen, hat eine Besonderheit seiner Zielgruppe ausgemacht: "Heutzutage wollen die Gäste mehr Flexibilität, da die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verschwimmen."

Tinga Horny/srt/ele

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
postmaterialist2011 13.06.2015
1. Na dann Prost Marriott
Leute die heute zwischen 15 und 25 sind werden in den nächsten 5 Jahren bei Marriott für 60 % des Umsatzes sorgen ? Wenn ich heutzutage bei Marriott rund um den Globus nächtige sehe ich primär meine Generation ( Leute um die 45) dort übernachten. Woher die Generation nach mir in den nächsten Jahren die notwendige Kohle um dort zu wohnen her bekommt ist mir schleierhaft, da die Zimmer meist 200 € und mehr kosten. Ich finde diese pseudohippen Hotels zudem oft ziemlich anstrengend, da die Mitarbeiter zwar voll auf Kumpel machen aber meist nicht viel gebacken kriegen und man beim Ein- und Auschecken ewig wartet, Anrufe an der Rezeption gar nicht beantwortet werden und auch so vieles sehr improvisiert läuft.
silenced 13.06.2015
2.
Ich weiß nicht, vielleicht liegt es ja an mir, aber wie ein Hotelzimmer aussieht, eingerichtet ist und sonstiges ist mir persönlich sowas von Schnuppe. Da befinde ich mich nachts, zum schlafen. Fertig. Da fällt man ins Bett und gut. Doch vielleicht ist es auch heutzutage einfach modern, daß alles übermäßig überschwenglich sein muss, man sich überall 'zuhause' fühlen soll. Apropos zum Artikel selbst, so aussagen wie "Ihr Motto: stylish, aber bezahlbar.", sind ganz nett, doch eine ungefähre Preisklasse gleich mit anzugeben wäre noch viel besser. So steht man jetzt dumm da und hat keinerlei Vorstellung was die Hotelzimmer so ca. kosten pro Nacht. (Ich weiß, die "ab 79€/Nacht" zur Eröffnung der Moxy-Kette stehen in der Fotostrecke, aber trotzdem. Im Artikel selbst wäre echt nett.)
Atheist_Crusader 13.06.2015
3.
Nachdem ich das gelesen habe, kann ich mit Sicherheit feststellen: ich gehöre nicht zu dieser Generation Y. Obwohl ich zeitlich da reinfallen würde.
Freigeistig 13.06.2015
4. @ Nr 1
Sie sollten sich schon mal die Mühe machen, richtig zu lesen! Die Zielgruppe ist zwischen 1990 und 2000 Teenager und nicht geboren!! Das heißt, sie sind ca. zwischen 30 und 45 Jahre alt!! ;)
bellfleurisse 13.06.2015
5. Öhem
"Laut Schätzungen wird die neue Generation von Reisenden innerhalb der nächsten fünf Jahre bei Marriott für rund 60 Prozent des Umsatzes sorgen." Halte ich für einen Wunsch der Hotels. airbnb, couchsourfen, etc das sind die neuen Unterkunftsmöglichkeiten. Ich, älter als die "neu Generation", habe super Erfahrungen damit gemacht und z.B. für 20Euro mit Familienanschluß und damit tollen Tipps für die Umgebung Städte und Dörfer besucht
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